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Regional Bernd Kulle von Tuspo Göttingen trainiert Vera Veith für die McClean-Boxnacht
Sportbuzzer Sportmix Regional Bernd Kulle von Tuspo Göttingen trainiert Vera Veith für die McClean-Boxnacht
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18:44 13.09.2013
Vorbereitung auf die McClean-Boxnacht: Vera Veith (r.) beim Pratzentraining mit Trainer Bernd Kulle von der Tuspo 1861. Quelle: Hinzmann
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Göttingen

Wer bei der Tuspo boxen will, hat Bernd Kulle zum Trainer. Ein Baum von Mann, engagiert im Training mit seinen Schützlingen. Ein Kumpeltyp mit natürlicher Autorität. Drei Männer und sieben Frauen im Alter von 15 bis 50 Jahren stehen an den zahlreichen Trainingsgeräten in der Halle.

Immer drei Minuten wird trainiert, dann gibt es 60 Sekunden Pause, in der die Sportler außer Atem zu ihren Getränken greifen und verschnaufen können. Wenn aber dann wieder eine Sirene ertönt, feuert Kulle die Truppe an, sich an das nächste Gerät, einen Sandsack oder einen Spiegel  zu machen, um Technik oder Schlagkraft zu verfeinern. So geht es im Uhrzeigersinn, etwa eine Stunde.

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Rudolf Kiefer hat gerade sein Abitur am Felix-Klein-Gymnasium gemacht. Er ist seit fünf Jahren regelmäßig dabei und berichtet: „Im Boxen richtet sich alles nach dem Trainer. Hier also nach Bernd. Er hat die absolute Macht. Er ist Vermittler und Drill-Sergeant.“

Fit bleiben und Spaß haben

Die Truppe beginnt mit einem halbstündigen Warmlaufen rund um die Käthe-Kollwitz-Schule. Danach folgen Dehnübungen, die auf den Boxsport ausgerichtet sind. „Man braucht unglaublich viel Koordination. Manchmal machen wir Übungen, bei denen man nicht unbedingt auf einen Boxverein schließen würde.

Die Leute wären überrascht, wenn sie hier hereinkommen und sähen, wie wir Yoga machen“, sagt Kiefer grinsend. Es herrscht kein Zwang, in den Ring zu steigen. Hauptziel der Boxsportler ist es, fit zu bleiben und Spaß an der Sache zu haben.

Vera Veith kämpft bei der ASC-Boxnacht. Sie ist Doktorandin der Neurobiologie. Die 29-Jährige boxt seit fünf Jahren in der Weltergewichtsklasse. „Ich kam zufällig zum Boxen. Ich war von der Uni gestresst und bin zum Pilates gegangen.

"Einfach nur draufgehauen"

Dabei habe ich immer die Boxer vom Unisport gesehen und wollte es auch ausprobieren. Es war eine viel größere Herausforderung. Eher mein Ding als Pilates.“ Es dauerte einige Zeit, bis Kulle sie überzeugen konnte, in den Ring zu steigen.

Doch sie ist nicht nervös, im Gegenteil: Sie freut sich auf den Kampf, zu dessen Vorbereitung ausgiebiges Sparring gehört. Veith erinnert sich an einen Kampf in Kassel, bei dem sie auf eine Gegnerin traf, die sehr aggressiv kämpfte. „Die hat einfach nur draufgehauen. Da ist mir der Kopfschutz verrutscht und ich hatte ein blaues Auge.

Das hat mich total geschockt.“ Der Respekt der Gegener voreinander sei normalerweise sehr groß, vor allem, wenn man sich kenne und sympathisch finde. „In der ersten Runde kämpfe ich vorsichtig und gucke, wie die andere so ist.

Besser als Fitnessstudio

Man will Schlagmuster erkennen, auf die man reagieren kann. Nicht einfach losschlagen, sobald die Glocke klingt. Aber wenn der Gegner aggressiv ist, dann ist es einem irgendwann egal.“ Ihre Gegnerin, auf die sie in der Sparkassen-Arena treffen wird, kennt Veith übrigens nicht.

Karin Rempel ist zum ersten Mal beim Training. Auch sie wirkt nicht so, als hätte sie etwas mit der angeblichen Gewalt am Hut, die oft mit dem Boxen in Verbindung gebracht wird. Nach ihrer Schulausbildung lebte sie in den USA als Aupair. „Mir wurde die Tuspo empfohlen. Ich finde Boxen besser als Fitnessstudio. Du tust niemandem weh und kannst nebenbei Stress abbauen“, sagt Rempel.

Kulle sitzt nach dem Training auf der Bank und erzählt: Er könne die ganzen Klischees über den Boxsport erstens nicht mehr hören und zweitens nicht verstehen. Lachend verweist er auf die Anwesenden: Eine Polizistin, einen Oberkommissar, einen Psychologen, Schülerinnen, Studenten. „Wir haben auch Arbeitslose. Wir sind ganz normal.“

Von Sven Johannes Jenssen