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Regional Bonus für Ehrenamtliche: Ein Jahr früher in Rente
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21:53 03.09.2009
Podiumsdiskussion im Clubhaus des ASC: Marc Franz, Thomas Oppermann, Peter Danckert und Jörg Schnitzerling (von links) diskutieren vor gut 100 Zuhörern.
Podiumsdiskussion im Clubhaus des ASC: Marc Franz, Thomas Oppermann, Peter Danckert und Jörg Schnitzerling (von links) diskutieren vor gut 100 Zuhörern. Quelle: Mischke
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Da ist selbst der „heimliche Sportminister" - so titelte in der vergangenen Woche die Frankfurter Rundschau - überrascht: „Mit solch einem großen Interesse habe ich wirklich nicht gerechnet. In Göttingen leben viele sportpolitisch interessierte Menschen", staunt Peter Danckert. Die Schlagzeile der Frankfurter Rundschau betont der Vorsitzender des Sportausschusses im Deutschen Bundestag bewusst. Es ist Bundestagswahlkampf, und das ist auch der Grund, warum er auf Einladung seines Parteifreundes Thomas Oppermann, Parlamentarischer Geschäftsführer der SPD-Bundestagsfraktion, in Göttingen zum Thema „Spitzensport contra Breitensport? - Was brauchen unsere Vereine?" spricht.
Der Clubraum im ASC-Vereinsgebäude an der Danziger Straße ist gut gefüllt. Eilig werden weitere Stühle hereingebracht, um allen Anwesenden einen Sitzplatz zur Verfügung zu stellen. Gut 100 interessierte Zuhörer diskutieren später mit dem Podium, das Danckert, der sich immer wieder fachlich einbringende und als Moderator agierende Oppermann, ASC-Vorsitzender Jörg Schnitzerling und Starting-five-Geschäftsführer Marc Franz bilden. Viel diskutiert werden die Themen ehrenamtliches Engagement, Sportstättenbau, Umsatzbesteuerung des Freiwilligen sozialen Jahres und die Bedeutung des Sports in der Gesellschaft.

Geschickt nutzt Danckert das Podium, um die Erfolge des Sportausschusses unter seinem Vorsitz seit 2005 zu betonen. Der 69-jährige Anwalt, dessen prominenteste Mandanten Steffi Graf und Alexander Schalck-Golodkowski waren, berichtet so vom Anti-Doping-Gesetz, dem Gesetz zur Haftungsbeschränkung von Vereinsvorsitzenden und dem Engagement zur Verbesserung ehrenamtlicher Tätigkeiten. Der PR-Profi verheimlicht aus wahlkampftaktischen Gründen naturgemäß nicht, dass es an Koalitionspartner CDU gescheitert sei, Sport ins Grundgesetz aufzunehmen. „Wir werden einen neuen Anlauf nehmen", so Danckert.

Grundsatzthemen werden nicht diskutiert, das Contra im Veranstaltungsmotto lediglich angeschnitten. Schnitzerling versucht mit seinem vorsichtig formulierten Zweifel an der Nachhaltigkeit des Profi-Basketballs für die Region Südniedersachsen, eine potenzielle Kontroverse zu platzieren, doch sie wird nicht aufgenommen. Danckert und Oppermann haben Wahlkampf vor Augen, suchen positiv besetzte Themen. Franz windet sich rhetorisch geschickt auch um die Nachfrage herum.

„Ich mache im Wahlkampf sechs ähnliche Veranstaltungen. Dies ist meine Fünfte. Bisher kamen zwischen zwölf und etwa 40 Zuhörer. Das ist also wirklich eine Rekord-Kulisse. Es ist interessant für uns, weil 80 Prozent der Diskussion persönliche Probleme der Vereine sind", sagt Danckert. Und auch Oppermann ist zufrieden: „Wir sehen, dass Sportpolitik ein Thema ist. Es bewegt die Menschen, wie die Zukunft von ehrenamtlicher Tätigkeit abgesichert werden kann."

Den progressivsten Vorschlag, um das Ehrenamt attraktiver zu machen, unterbreitete Rainer Beushausen, Vorsitzender des TSC: „Setzen Sie sich dafür ein, dass Menschen nach 20 Jahren ehrenamtlicher Arbeit in Vereinen ein Jahr früher in Rente gehen dürfen." Dem lauten Applaus der Zuhörer folgten leise Worte zur fehlenden Finanzierbarkeit.