Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Regional Corona-Pandemie bremst Duderstädterin Ida-Sophie Hegemann aus
Sportbuzzer Sportmix Regional Corona-Pandemie bremst Duderstädterin Ida-Sophie Hegemann aus
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
08:00 09.04.2020
Ida-Sophie Hegemann freut sich über einen Sieg – in diesem Fall beim Zugspitz-Trail.
Ida-Sophie Hegemann freut sich über einen Sieg – in diesem Fall beim Zugspitz-Trail. Quelle: sportograf
Anzeige
Göttingen/Eichsfeld

Ida-Sophie Hegemann, Trailläuferin aus Duderstadt, wollte 2020 eigentlich die nächste Stufe zur absoluten Weltspitze in ihrer Sportart erklimmen. Nun ist sie in Bestform – doch die Wettkämpfe fallen wegen Corona aus oder werden verschoben. Die 23-Jährige ist dazu verdammt, sich auf den heimatlichen Wegen im Eichsfeld fit zu halten, ohne zu wissen, wie es in dieser Saison weitergeht.

Mitte März am Skyrace in Italien teilnehmen, im April einen Trail in Schweden absolvieren und dann am 25. Mai im spanischen Baskenland das erste Rennen der World Series bestreiten – so hatte sich Hegemann den Saisonauftakt vorgestellt. Pustekuchen: Wegen der Corona-Krise wurden alle drei Rennen abgesagt.

Im Winter hatte sie Gundlagentraining absolviert, dann kam Schnelligkeitstraining dazu, Intervallläufe auf der Bahn, und schließlich Training am Berg. Nun steht sie im Zenit ihrer Leistungsfähigkeit, verfügt über Schnelligkeit und Ausdauer, „aber es gibt keine Rennen“ – frustrierend.

Auch um Erfahrungen zu sammeln und sich für die World Series 2021 frühzeitig zu qualifizieren, wollte Hegemann drei World Series-Rennen bestreiten: neben dem Lauf im Baskenland den Mont Blanc-Marathon und den Dolomiti-Trail. „Die wollte ich mitnehmen.“ Auf die Pflicht sollte die Kür folgen, Trailläufe in der Alpenregion, die sie liebt und im Fall der „4 Trails“ und des „Transalpin Run“ bereits gewonnen hat.

„Das wäre dann wie englische Wochen“

Nun ist der Lauf in Spanien bereits abgesagt, und Mont Blanc und Dolomiti stehen ziemlich wackelig auf der Kippe. Hegemann wird wahrscheinlich ausweichen müssen auf andere World Series-Läufe zu einem späteren Zeitpunkt in der Saison, in den USA oder Schottland. So wie es aussieht, brächten die dann aber wieder Quarantäne mit sich, und dazu kommt, dass sich jetzt schon die Termine der verschobenen Rennen im Herbst stapeln. „Das wäre dann wie englische Wochen im Fußball“, sagt die 23-Jährige. Und: Ihre geliebten Alpen-Trails müsste sie dann abschreiben.

Andere Faktoren sind die Kaderplanung ihres Laufteams und die Sponsoreninteressen. „Es sind Entscheidungen, die nicht nur bei mir liegen. Das macht es für mich so schwierig“, sagt Hegemann, die gern allen Ansprüchen gerecht wird – aber in der aktuellen Situation ziemlich ratlos ist.

Um sich immer weiter zu verbessern, hatte die Berglaufspezialistin ihren Studienort gewechselt und war nach Tirol, nach Innsbruck umgezogen. Doch längst ist sie zu ihrer Familie nach Duderstadt zurückgekehrt. „Als es in Tirol losging, habe ich vor vier Wochen den letzten Zug gekriegt“, berichtet sie.

Ihr Freund ein Wasserballer, der für Hannover spielt, hatte sie in Innsbruck besucht, und in der Folge mussten sich beide für zwei Wochen in häusliche Quarantäne begeben, weil sie aus einem sogenannten Risikogebiet kamen. Die Isolation erfolgte in der Wohnung des Freundes in Hannover – Hegemann wollte kein Familienmitglied anstecken. Mitten in der Quarantäne-Zeit feierte sie Geburtstag, wurde 23 Jahre alt. „Den Kuchen gab es per Skype“, berichtet Hegemann über die Glückwünsche der Familie aus dem fernen Duderstadt.

Doch wie geht es nun weiter? „Ich versuche, meine gute Form zu halten, trainiere auf der Straße und nutze alle Möglichkeiten aus. Doch mir fehlt das Bergtraining“, sagt Hegemann – und der sportliche Vergleich: „Wettkämpfe braucht man, ich kann im Training nie so schnell laufen wie beim Rennen. Der Ehrgeiz und die Euphorie, die man verspürt, fehlt einem im Training.“ Der einzige Vorteil, den sie hat, ist, dass sie in einer Sportart zu Hause ist, die sie momentan ausüben kann. Anderswo, zum Beispiel in Spanien, ist wegen der Beschränkungen nicht mal das möglich. „Es gibt auch Konkurrentinnen, die auf einem Balkon trainieren müssen.“

Von Eduard Warda