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Regional Den Zauber der Spiele kennt nicht nur Köhler
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21:39 12.07.2009
Tänzchen vor beeindruckender Kulisse: Zuschauer auf dem Pariser Platz, im Hintergrund die Straße Unter den Linden.
Tänzchen vor beeindruckender Kulisse: Zuschauer auf dem Pariser Platz, im Hintergrund die Straße Unter den Linden. Quelle: Rückeis
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Der Bundespräsident macht auch im Rollstuhl eine gute Figur. „Aber geben Sie mir bitte einen Probewurf“, sagt Horst Köhler im Rolli – und zielt dann dreimal auf den Basketballkorb. Beim „International Paralympic Day“ (IPD) vor zwei Jahren in Berlin traf er aus dem Stand sofort, diesmal prallt der Ball bei drei Würfen aus dem Sitz immer an den Ring – knapp daneben.

Dabei ist der Köhler-Einsatz an diesem Sonnabend trotzdem ein Erfolg: Zum IPD 2009 kamen weit mehr Besucher und Vertreter von Politik, Sport, Wirtschaft und Medien als vor zwei Jahren. Auch Vertreter des Duderstädter Unternehmens Otto Bock Health Care, das am Potsdamer Platz gerade sein „Science Center Medizintechnik“ eröffnet hat, waren aus dem Eichsfeld an die Spree gereist.

Fast 60000 Berliner, Brandenburger und Touristen erlebten die Sportshow, die für den Behindertenleistungssport warb. Ausgerichtet wurde sie vom Internationalen Paralympischen Komitee (IPC), sozusagen dem IOC des Behindertensports. „Die Veranstaltung ist sehr wichtig für die Hauptstadt, gerade mit den Akteuren hat sie einen hohen gesellschaftlichen Anspruch“, sagt Christian Tänzler von der hauptstädtischen Berlin Tourismus Marketing.

„Wollten das ausprobieren“

Die Leute kommen am Sonnabend nicht nur, um den Bundespräsidenten mit der Handykamera aufzunehmen. Esther Weber, frühere National-Rollstuhlfechterin, kommt nicht aus dem Rollstühle-an-den-Start-stellen und Kinder-Ralleykarten-Abstempeln heraus. Lea Gutsche (11) ist mit ihrer Familie aus Potsdam nach Mitte gekommen und absolviert gerade den Rolliparcours. „Wir haben von dem Paralympic-Tag im Radio gehört und wollten das selbst ausprobieren. Bei den Sportlern sieht das immer so perfekt aus, ist aber überhaupt nicht einfach“, sagt Leas Mutter Ines Gutsche. Mit Behinderten hatten sie vorher noch nie zu tun. So wie Birgit Jäger, die aus Charlottenburg zum Pariser Platz gefahren ist und nun ganz still ihren Blick über all die Rollstuhltischtennisspieler, Sitzvolleyballer, Rollirugbysportler schweifen lässt.

Bei den blinden Weitspringern stellt der Berliner BVG-Mitarbeiter Matthias Schroeder mit fast siebeneinhalb Metern neuen Weltrekord auf. „Ein ganz neue Welt für mich“, sagt Jäger und fügt hinz: „Spannend.“ Horst Köhler kennt diese Welt als Paralympics-Stammgast schon länger. Bei seinem Besuch am Sonnabend absolviert er den Händeschüttel-Marathon bei all den für die Behindertensportszene wichtigen Sportlobbyisten, Unternehmensvertretern – und natürlich Sportlern.

Spontaner Fachvortrag

Verena Bentele, die blinde Biathletin, hat er bereits 2006 in Turin kennen gelernt. Inwiefern sich die öffentliche Wahrnehmung nach den Spielen in Peking 2008 geändert habe, fragt Köhler auf Englisch in die internationale Sportlergruppe, und Bentele hält prompt einen spontanen Fachvortrag auf Englisch. „Wenn Sie mal ein Problem haben und jemand mit einer starken Stimme suchen – fragen Sie Frau Bentele“, scherzt Köhler.

Kai Dragowsky ist ganz in Weiß dabei. Das ist aber kein Trikot, sondern seine Arztkleidung: Der 39-Jährige ist Unfallchirurg am Unfallkrankenhaus Berlin in Marzahn. „Ich operiere die frisch Verunfallten. Das ist so toll zu sehen, welchen Lebensmut die Athleten ausstrahlen, da bekomme ich Gänsehaut. Viele denken ja, sie fallen durch einen Unfall aus der Leistungsgesellschaft heraus.“

Während Ex-Fußballnationalspieler Andreas Brehme mit aufgesetzter Schlafbrille als Blindenfußballer kickt, erinnert sich im Zelt der Otto Bock Healthcare Gernot Kretschmer an China. Der Orthopädietechniker aus Britz hatte drei Wochen Urlaub genommen, um in der Paralympics-Werkstatt arbeiten zu können. Den Zauber der Spiele, den kennt nicht nur Köhler…

Anette Kögel ist Redakteurin des Berliner Tagesspiegels und dort zuständig für die Medienpartnerschaft der Zeitung mit den Paralympics. Außerdem erstellt sie zusammen mit Jugendlichen die offizielle Paralympics-Zeitung.

Von Annette Kögel

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