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Regional Der Kaiser zu Gast beim Grafen
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21:38 26.07.2009
Umzingelt von Interviewpartnern: Franz Beckenbauer nach der Pressekonferenz im Burghotel Hardenberg. Quelle: PH
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Der hohe Besuch beginnt im Burghotel Hardenberg mit einer Pressekonferenz. NFV-Präsident Karl Rothmund berichtet von den Projekten der Egidius-Braun-Stiftung des DFB – und bittet etwas abrupt um Fragen. Schweigen im Walde: Das kam plötzlich. „So schnell kann’s gehen“, frotzelt der Medienprofi Beckenbauer angesichts der stummen Pressevertreter.

Also erzählt er selbst ein bisschen vom ersten Hilfsprojekt der Stiftung, einem Waisenhaus in Mexiko, das er zusammen mit Braun 1985 während des Confed-Cups besuchte. Und plötzlich ist es da, das Beckenbauer-Feeling: „Wos mocht mo (Was macht man)“, habe sich die Delegation gefragt. Die Antwort: Um den Einheimischen zu schmeicheln, „mochst wos im sozialen Bereich“. Ein Kollege merkt später an, er habe lediglich das einleitende „Ja, gut…“ vermisst.

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Beckenbauer ist in Plauderlaune. Auf die Frage nach der Rekord-Ablöse für Christiano Ronaldo gibt es ein unnachahmliches Pro-und-Contra-Lamento, das sich ungefähr so anhört: Einen Teil solcher Summen zu spenden, sei sicher ein Gedanke, den man weiter verfolgen sollte. Dass so hohe Summen bezahlt werden, sei allerdings nun einmal so, und man habe vielleicht den Neid der Besitzlosen. Auch der FC Bayern habe nicht das Geld. Es sei schon erstaunlich, wie das Geld fließe. Es werde gegengerechnet: Du gibst den Ribery her, dann kriegst du drei aus der B-Mannschaft dazu. Grundsätzlich sei es irritierend, wenn solche Summen genannt werden. Man müsse sich fragen: Passen solche Gehälter noch in diese Zeit? 20 Millionen Euro netto würden ja heutzutage bezahlt, brutto gebe es ja gar nicht mehr. Solche Gehälter passten einfach nicht mehr in diese Zeit. Punkt. Uff. Zum Schluss für jene, deren Aufmerksamkeit noch unbeschädigt ist, eine interessante Information: Die Verbände Fifa und Uefa nehmen sich aktuell des Problems an, Uefa-Präsident Michel Platini drängle. „Das gefällt uns auch nicht, vielleicht kriegen wir heuer noch eine Lösung hin.“

Nach der offiziellen Pressekonferenz wird Beckenbauer von Journalisten belagert: RTL und DSF sind da, der Kicker und die Sport-Bild. Es geht um Ribery, Podolski, Ballack. „Van Gaal ist auf einem guten Weg“, „Gomez und Klose befruchten sich gegenseitig“. Schwupps, weiter ins Studio, das der Privatsender Hamburg 1 extra fürs Interview aufgebaut hat.

Beim Empfang des Gastgebers und FC-Bayern-Fans Carl Graf von Hardenberg lässt Beckenbauer deswegen ein wenig auf sich warten. Das Schloss erscheint wie die ideale Kulisse für dessen Besuch. Nein, einen Kaiser habe man hier noch nie gehabt, sagt Marie Sabine Gräfin von Hardenberg. Aber die Prinzessin von Thailand sei einmal da gewesen. Der Graf hingegen will den Kaiser abends einmal fragen, wie lang der FC Bayern aus seiner Sicht benötige, um wieder die Nummer eins in Deutschland zu werden. Dann treffen die Ehrengäste ein. Der Gastgeber frotzelt, er freue sich, Beckenbauer zum ersten Mal in Niedersachsen begrüßen zu können. Die rund 170 Gäste – das Schloss ist geräumig – lachen. „Die Niedersachsen haben mich schon vor 40 Jahren geärgert“, kontert der Bayer.

Beckenbauer nimmt zum Hotel, wo die Gala stattfindet, den Fußweg durch den Park. Entspannung? Fehlanzeige: Begleitet wird er von Berries Boßmann, Chefreporter der Sport-Bild, und dessen Fragen. Spaziergänger bleiben stehen, ihnen schmettert der „Kaiser“ ein gutgelauntes „Grüß Gott“ entgegen – Profi bleibt Profi.

Fahrradsturz nicht auskuriert

Auch beim Begrüßungsdrink im Hof vor dem Ort der Gala, dem Atrium, gehen die meisten Blicke in Richtung Beckenbauer. Für Bettina Wiegmann, immerhin auch Ehrenspielführerin, interessieren sich nicht so viele Gäste. Lothar Matthäus und Uwe Seeler, die abgesagt haben, sind längst vergessen. Zu den Anwesenden zählt indes Frank-Helge Steuer. Der Göttinger Künstler hat, finanziert von der Sparkasse, Plastiken geschaffen, die am Abend bei der Tombola und am nächsten Tag beim Benefiz-Golfturnier an die Teilnehmer gehen. Beckenbauer (Handicap 8) kann nicht teilnehmen: Er hat sich bei einem Fahrradsturz eine Schulterblessur zugezogen und diese nicht geduldig genug auskuriert.

„Wenn sich prominente Sportler einsetzen, ist die Wirkung gleich größer“, sagt Wolfgang Watzke, Geschäftsführer der Egidius-Braun-Stiftung. „Wieviele Fernsehteams wären gekommen, wenn Franz Beckenbauer heute nicht da wäre?“ Watzke kann zufrieden sein: 35000 Euro bringt der Abend ein. Nicht soviel wie die vier Millionen Euro, die alle zwei Jahre ein Benefizspiel der Nationalmannschaft erlöst, aber immerhin: Die sozialen Projekte der Stiftung – eins davon im WM-Land 2010 Südafrika – werden unterstützt.

Beckenbauer ist unterdessen eingefallen, dass Ex-Nationalspieler Helmut Haller 70. Geburtstag feiert – der Grund für Seelers Absage. Etwas umständlich sucht der Präsident des FC Bayern sein Handy nach Hallers Nummer ab, ist der allerletzte, der noch vor der Tür des Atriums verweilt. Ein junger Kellner kommt vorbei. „Wann gibt’s denn den Schnaps“, scherzt Beckenbauer, „wir sind doch hier in einer Kornbrennerei“. „Später“, antwortet der Ober und grinst verschämt. Haller geht nicht ran. Der „Kaiser“ betritt das Atrium. Die Gala kann beginnen.

Eduard Warda

Ein Video zum Besuch des Kaisers in Nörten-Hardenberg sehen Sie hier.

Eine Fotostrecke zum Besuch des Kaisers in Nörten-Hardenberg sehen Sie hier.

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