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Regional Der Rasen gehört den Mädchen
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19:41 30.05.2017
Von Rupert Fabig
Quelle: Wenzel
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Göttingen

Gegen 14 Uhr wurde kurz vor Abschluss der Gruppenphase abgebrochen. Der Grund: „Einige Spielerinnen haben in der Sonne Kreislauf-Probleme bekommen. Hätte sich die Zahl erhöht, wären die Malteser nicht mehr in der Lage gewesen, die Mädchen ordentlich zu versorgen“, informiert Turnierleiterin Juliane Jühne. „Wir haben zuvor mehrfach darauf hingewiesen, genügend zu trinken und die ausreichend zur Verfügung stehenden Schattenplätze zu nutzen“, so Jühne weiter. Viele Schülerinnen seien traurig gewesen, hätten letztlich aber Verständnis für die Entscheidung aufgebracht. Vor zwei Jahren musste der Girls kick schon einmal wegen übermäßiger Hitze verfrüht beendet werden.

Mehr passen

Bevor es diesmal hitzefrei gab, hatten die meisten Aktiven beim bundesweit größten Mädchenfußball-Turnier ihren Spaß. Dilay Yilmaz beispielsweise. Die Elfjährige ist ein Huhn. Ein Hühnchenflügel genauer gesagt. Als Mitglied von „Katis Chicken Wings“ geht die Fünftklässlerin für die Geschwister-Scholl-Gesamtschule Grone auf Torejagd – mit überschaubarem Erfolg. „Wir hätten mehr passen müssen“, analysiert Freizeitkickerin Dilay.

Wie effizientes und erfolgreiches Offensivspiel aussieht, kann in einer Schul-AG erlernt werden. Eine davon leitet die angehende Sport- und Französisch-Lehrerin Johanna Becker, die für den Oberligisten ESV Rot-Weiß spielt, an der neuen IGS Weende. „Ziel dort ist es, die Mädchen für Fußball zu begeistern.“ Was offenbar funktioniert. „Wir spielen durch Freundschaft, und Freundschaft bringt Spaß“, betont Save Cager und erntet Zustimmung ihrer Freundinnen Lea Dieterle und Sofia Gelfer.

Jungs zur Motivation

„Mit Fußball in der Schule sieht es dennoch mau aus. Es gibt zu wenig fußballaffine Lehrer“, bemängelt Sandra Hallmann vom Fußballkreis Göttingen-Osterode. „Das liegt daran, dass die Leistungsunterschiede in den AGs oft gravierend und die Gruppen extrem groß sind“, erklärt Jühne. Dies variiere allerdings von Schule zu Schule. So entsendet das Hainberg-Gymnasium sieben Mannschaften zum Girls Kick.

Daher sei der Ansatz des Turniers, den Schwung aus den Vereinen in die Schulen zu transportieren, nicht umgekehrt. „Es muss selbstverständlich werden, dass Mädchen Fußball spielen“, fordert Britta Thür vom Frauenbüro der Stadt Göttingen.

Exklusiv den Mädchen vorbehalten ist der Girls Kick im Übrigen nicht. Walldorfschüler Luzian Berner feuert am Spielfeldrand munter an: „Das ist so gekommen, weil unser Lehrer gesagt hat, dass wir mitkommen müssen, um die Mädchen zu motivieren.“