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Regional Deutschen U-23-Meisterschaften der Leichtathleten im Jahnstadion
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18:10 17.06.2013
100-Meter-Finale der U-23-Juniorinnen: Das Rennen gewinnt Anna-Lena Freese vom FTSV Jahn Brinkum (2. von link) in 11,46 Sekunden.
100-Meter-Finale der U-23-Juniorinnen: Das Rennen gewinnt Anna-Lena Freese vom FTSV Jahn Brinkum (2. von link) in 11,46 Sekunden. Quelle: Theodoro da Silva
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Göttingen

Rasenpflege: „Das ist wie früher bei Olympia im Fernsehen – irgendwas ist immer los“: Alexander Frey, Chef des Jahnstadion-Betreibers GoeSF, schätzt, auf der Gegengerade stehend, den Abwechslungsreichtum der Meisterschaften. Sein Team, die Platzwarte um Martin Burkert und Wilfried Busch, ist derweil damit beschäftigt, die von den Hammerwerfern hinterlassenen Löcher zu schließen. Entsprechend mäßig fällt ihre Freude aus, als bekannt wird, dass das Kugelstoßen wegen eines Betrugsversuchs wiederholt werden muss. „Unmittelbar nach der Veranstaltung geht der Platz sowieso in Renovation“, so Frey.

Dreckstühle: Zumindest bei den Weit- und Dreisprungwettbewerben mit Göttinger Beteiligung ist die Tribüne überraschend gut besetzt. Wenn die GoeSF das gewusst hätte, hätte sie bestimmt mal über die hinteren Plätze gewischt – die waren nämlich extrem dreckig.

Weitsicht: Wenn der Anfänger Mühe hat, bei Stadionwettkämpfen das Geschehen auf der Gegengeraden zu verfolgen, ahnt er: Erfahrung zahlt sich aus. Ein älterer Herr mit großem Rucksack drängelt sich durch die Reihe, packt sein Pausenbrot aus – und ein Fernglas. Festes Vorhaben: Am nächsten Tag selbst eins mitbringen.

Kunterbunt: Was ist der Unterschied zwischen Weitspringerinnen (A) und Langstrecklerinnen (B)? Antwort: Die Farbe der Fingernägel. Während B uneitel auf jeglichen Lack verzichtet, strahlen die Fingerendglieder von A in Blau, Rot und Gelb.

Euphorie: „Das hätte auch schief gehen können“, stöhnt LGG-Pressewart Gerd Brunken, als die Göttinger Mitfavoritin Neele Eckhardt nach zwei Fehlversuchen im dritten Anlauf das Finale der besten acht Dreispringerinnen erreicht. „Die Stimmung ist ziemlich gut, und das setzt Kräfte frei“, erläutert Eckhardt später – sprich: Sie war so dynamisch, dass sie zweimal den Balken verfehlte. Rund 2000 Zuschauer finden am Sonnabend den Weg ins Stadion, viel mehr als im vergangenen Jahr in Kandel in der Pfalz, sagt Brunken. „Für Göttinger Verhältnisse ist das schon viel.“

Ansporn: Im letzten Versuch springt die Göttinger Weitspringerin Anna Schmotz auf die persönliche Bestweite von 6,11 Metern – und ist erleichtert. Ihre Eltern sind da, und die sollten sehen, was die Tochter so gelernt hat. „Papa hat beim Aufwärmen gesagt: Wenn du nicht gut springst, komme ich nie wieder zum Wettkampf.“ Die Drohung hat gewirkt.

4500 Zuschauer, motivierte Sportler und Medaillen: Das waren die Deutschen U-23-Leichtathletik-Meisterschaften im Jahnstadion in Göttingen. © Theodoro da Silva

Liebe: Phillip Rietz, Hochspringer der LGG, holt überraschend Silber – und erhält zur Belohnung ein Küsschen von Freundin Anna Schmotz. „Ein Schmatz von Schmotz“ wird daraufhin als mögliche Überschrift der Montagsausgabe erörtert – aber recht schnell wieder verworfen. Denn wie rief doch der Kollege Hagemann von der HNA neulich in Erinnerung: Mach᾽ keine Witze mit Namen!

Titel: Mit eintägiger Verspätung wird bekannt, dass die Region auf einen Deutschen Meister stolz sein kann. Für die Siegerstaffel über 4 x 400 Meter LG UnterlüßFaßbergOldendorf war ein gebürtiger Duderstädter am Start: Martin Schmalz.

Prominenz: Den kennt man doch! Jürgen Schult, Diskus-Olympiasieger, -Weltmeister, -Weltrekordler, übernimmt die Siegerehrung beim Diskuswurf der Frauen. Ein Kreuz wie ein Gipfelkreuz, Schultern wie Hebebühnen, Arme wie Kräne!

Linksdrall: Beim Weitsprung der Junioren bleibt die Mitte der Sandgrube fast jungfräulich. Gerd Brunken ruft Kampfrichter Hartmut Hublitz zu: „Hartmut, die springen alle nach links.“ – „Ja, wir müssen die Anlage ein bisschen rüberschieben.“ Leichtathleten-Humor.

Klassentreffen: Ehemalige Leichtathleten-Größen Göttingens nutzen die Meisterschaften für ein Wiedersehen: Auf der Tribüne werden unter anderem Torsten Tiller, Christiane Finke, Kerstin Reinhardt und Birgit Meyer gesichtet. 

Grundschul-Staffel: Mittendrin gibt es am Sonnabend eine 8 x 50 m-Staffel der Grundschulen aus Stadt und Kreis. Es siegt die Herman-Nohl-Schule (Göttingen) vor der Grundschule am Sonnenberg (Bovenden) und der Johann-Joachim-Quantz-Schule (Scheden).

Siegerehrung: „Ihr geht zur Feier des Tages im LGG-Trikot“, lautet der Befehl von NLV-Präsidentin Rita Girschikofsky an die Göttinger Medaillengewinnerinnen im Dreisprung, Lisanne Rieker und Neele Eckhardt. Die Medaillen hängt Bürgermeister Wilhelm Gerhardy (CDU) um, assistiert wird er vom Gänseliesel Sophie Jo Heinemann im Gänseliesel-Kostüm. Für die Zuschauer von außerhalb stellt der Stadionsprecher klar: „Links steht das Gänseliesel, rechts Bürgermeister Gerhardy!“ Der Mann mit dem Fernglas lacht.

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Von Eduard Warda