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Regional Dittmars Traum: Paralympics in Rio de Janeiro
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17:51 08.07.2011
Von Michael Geisendorf
Sieht seine Zukunft leuchtend gelb: Juniorennationalspieler Toni Dittmar aus Rosdorf.
Sieht seine Zukunft leuchtend gelb: Juniorennationalspieler Toni Dittmar aus Rosdorf. Quelle: Hinzmann
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Rosdorf

Im Mai wurde Dittmar zweifacher Deutscher Meister – bei den Junioren und in der Einsteigerklasse (Tageblatt berichtete) – und in der vergangenen Woche gewann er den Titel bei den europäischen Jugendspielen im tschechischen Brünn, für die Bundestrainer Christoph Müller ihn und einen weiteren Nationalspieler nominiert hatte.

Die ersten beiden Kontrahenten in der K.O.-Runde über jeweils zwei Gewinnsätze à vier Spiele besiegte Dittmar im Schnelldurchgang – im Halbfinale seinen Landsmann Nick Nobbe aus Bergkamen –, nur das Finale gegen den Tschechen Utikal, das er mit 4:3, 4:3 für sich entschied, verlief knapper. In der kommenden Woche möchte der Rosdorfer seine Erfolgsserie bei den international besetzten Bavarian Open in Nürnberg fortsetzen und in der Weltrangliste, in der er zurzeit auf dem 26. Platz steht, weiter nach oben klettern. „Ich spiele im Juniorenfeld, habe aber vom Präsidenten des deutschen Verbandes auch eine Wildcard für das Männerturnier erhalten“, berichtet er stolz.

Zum Rollstuhltennis kam Dittmar, der an der Glasknochenkrankheit leidet, eher zufällig. „Bei einer Reha in Köln haben zwei ehemalige Weltmeisterinnen die Sportart vorgestellt, und ich wusste sofort, dass das mein Ding ist“, erzählt der bald 17-Jährige, der früher beim ASC 46 Rollstuhlbasketball gespielt hat, wegen der großen Verletzungsgefahr aber schon länger überlegt hatte, auf eine andere Disziplin umzusteigen. Bei einem Sichtungslehrgang in Nümbrecht bei Köln erkannte der frühere Bundesligaspieler und Bundestrainer Chritoph Kellermann sofort Dittmars großes Talent und nahm ihn unter seine Fittiche. Alle zwei Wochen fährt ihn seine Mutter zum Training mit Kellermann nach Dortmund. Darüber hinaus trainiert er jeden Sonntag mit TSC-Trainer Georg Huwald auf der Anlage des Göttinger Vereins, die er ebenso kostenlos nutzen darf wie einmal pro Woche die Tennishalle des Hotels Freizeit In. „Optimal wäre es, wenn ich in Göttingen noch einen Sparringpartner hätte. Ich kenne hier aber niemanden, der Rollstuhltennis spielt“, bedauert Dittmar.

Für seine sportliche Zukunft hat sich der Rosdorfer, der kürzlich seinen Realschulabschluss an der IGS in Geismar gemacht hat und am 1. August beim Göttinger Orthopädie-Unternehmen O.R.T. eine dreijährige Ausbildung zum Kaufmann im Gesundheitswesen beginnt, viel vorgenommen. „Wenn ich nächstes Jahr 18 werde, möchte ich ins deutsche Seniorenteam und zum paralympischen Jugendlager nach London fahren, das parallel zu den Paralympischen Spielen läuft. Und ich möchte 2016 bei den Paralmpics in Rio de Janeiro für Deutschland starten dürfen“, sagt Dittmar, der die beim Rollstuhlbasketball erworbene gute Fahrtechnik und seine Kraft als wesentliche Stärken nennt. „Spieltechnik und Präzision muss ich noch verbessern“, weiß er. Da der Verband nur einen kleinen Teil der nicht unerheblichen Kosten übernimmt, hofft er, bald Sponsoren zu finden, damit seine Familie finanziell etwas entlastet wird.