Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Regional Ein Besuch beim Rosenthaler Bogensportclub aus Duderstadt
Sportbuzzer Sportmix Regional Ein Besuch beim Rosenthaler Bogensportclub aus Duderstadt
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
16:31 05.06.2018
Kraft, Ausdauer und Konzentration: Harry Neuhaus benutzt für seinen Compoundbogen einen sogenannten "Release". Quelle: Foto: Mischke
Anzeige
Eichsfeld

„Kraft, Ausdauer und Konzentration sind die wichtigsten Eigenschaften, die jemand für den Bogensport mitbringen muss“, sagt Vera Neuhaus, Pressewartin im Rosenthaler Bogensportclub. Bogenschießen sei ein sehr störbarer Sport, sagt sie, der eine gewisse mentale Stärke erfordere. Bogenschützen müssten sich sehr auf sich selbst konzentrieren und lernen, schlechte Gedanken wegzudrücken. „Wenn ich einziele und dabei an den liegengebliebenen Abwasch denke, landet der Pfeil sicher nicht dort, wo er soll“, formuliert sie scherzhaft.

Viele Bogensportler sprächen daher bei Wettkämpfen innerlich zu sich selbst. „Wir können das Adrenalin ja nicht durch exzessive Bewegung abbauen“, sagt Ehemann Harry Neuhaus, der seit dem Jahr 2000 Vorsitzender des Vereins ist. Speziell für Kinder und Jugendliche sei es in dieser hektischen und von Handys dominierten Zeit eine gute Erfahrung, an der frischen Luft Sport zu treiben, dabei sein Körpergefühl zu trainieren und eine gedankliche Mitte zu finden.

Anzeige

35 Mitglieder hat der Verein

35 Mitglieder hat der Verein derzeit, der jüngste Aktive ist zehn Jahre alt, der älteste zählt 65 Lenze. „Eine Altersbeschränkung nach unten gibt es nicht“, sagt Harry Neuhaus. „Aber ungefähr ab sechs Jahren können Kinder bei uns mit leichtem Gerät beginnen.“ Die Holzbogen für Einsteiger stelle der Verein, sagt er, und wer dann merke, dass es ihm Spaß macht, könne sich nach und nach die für ihn erschwingliche Ausrüstung kaufen.

Besuch beim Rosenthaler Bogensportclub

Wie in vielen Sportarten gebe es eine enorme Preisspanne, je nach Anspruch und Qualität. „Für Bogen, Köcher, Pfeile, Visiereinrichtungen, Taschen und sonstiges Zubehör kann man 400 Euro ausgeben, aber auch 2500“, weiß der ehemalige Landes- und Co-Bundestrainer in der Compound-Disziplin.

Leichter, kompakter Bogen für die Jagd

„Wir schießen bei uns alle Disziplinen“, erläutert Neuhaus, „den Longbow, der häufig noch mit Holzpfeilen geschossen wird, den Blankbogen ohne Zielvorrichtung, den Recurve-Bogen, der als einziger auch olympische Disziplin ist, und den Compound-Bogen, der 1966 in den USA als leichter, kompakter Bogen für die Jagd erfunden wurde.

„Der Compound“ sagt Neuhaus“, „ist von der Bauart extrem anders als die anderen Bogen. Seine beiden extrem kurzen Wurfarme verfügten über zwei exzentrische Kurvenscheiben, sogenannte „Cams“. Durch diese Konstruktion ist ein Compoundbogen entweder leichter zu ziehen oder kann mit sehr viel höherem Zuggewicht bei gleichem Kraftaufwand gezogen werden. „Kinder starten bei Langbogen mit etwa 14 amerikanischen Pfund (lbs), was circa sechs Kilogramm entspricht“, sagt der Vorsitzende, „erwachsene Männer bringen es auf 32 bis 40 lbs, erwachsene Frauen auf etwa 28 bis 34 Pfund Zugkraft.

Die Trainingszeiten

An jedem Mittwoch ab 18 Uhr ist Training auf dem Sportplatz des TSV Immingerode an der Berlingeröder Straße. „Wer Interesse am Bogensport hat, ist herzlich willkommen“, sagt Neuhaus. Unter Anleitung könnten Neulinge dann selbst erfahren, wie es sich anfühlt, wenn die losgelassene Bogensehne den Pfeil rasant beschleunigt und er, zumindest bei Profis, mit rund 180 Stundenkilometern auf die Scheibe aus gepresstem Stroh trifft. Häufig werde die Scheibe dabei sogar durchschlagen und es erfordere einiges an Kraft, um die Pfeile herauszuziehen.

Kleine Bogensportkunde

Ankerpunkt

Der Ankerpunkt bezeichnet eine Stelle im Gesicht des Bogenschützen, an der er im Vollauszug seine Bogenhand platziert, um einen wiederholbaren, konstanten Schuss zu erreichen. Der Ankerpunkt wird auch als „Referenzpunkt“ bezeichnet.

Bogenhand

Die Hand, mit der ein Bogenschütze den Bogen hält (für Rechtshandschützen die linke Hand, für Linkshandschützen die rechte Hand).

Bogensehne

Die Schnur zwischen den Wurfarm-Enden eines Bogens, an der der Pfeil befestigt (eingenockt) wird. Sie transportiert beim Auszug die Muskelkraft des Bogenschützen in die Wurfarme und gibt diese beim Lösen auf den Pfeil ab.

Gold

Die erste Wertungsfarbe im Zentrum der WA-Hallen- und WA-Freiluft-Zielscheiben (Ringe 9 und 10) und die innere Wertungsfarbe bei WA-Feldbogenscheiben (Ringe 5 und 6).

Mittelstück

Moderne Bögen bestehen in der Regel aus einem starren Mittelstück und zwei flexiblen Wurfarmen. Das Mittelstück ist dabei der Teil, den der Bogenschütze am Griff oder an der Griffschale anfasst und an dem dann alle weiteren Anbauteile montiert werden.

Nocke

Die gabelförmige Vorrichtung am Ende eines Pfeils, mit dessen Hilfe er auf der Bogensehne befestigt (eingenockt) wird.

Over-Draw

Eine Vorrichtung am Mittelstück eines Bogens, die es erlaubt die Pfeilauflage näher zur Bogensehne zu montieren, um kürzere Pfeile zu verwenden.

Stabilisator

Ein Stabilisator (engl. „Stabiliser“), auch Stabilisation genannt, ist beim Bogenschießen eine technische Bogenausstattung, die den Schwerpunkt des Bogens in einer oder mehreren Ebenen verändert, das Trägheitsmoment des Bogens positiv beeinflusst und die Schwingungen beim Pfeil-Abschuss dämpft.

World Archery (WA)

Internationaler Dachverband des Bogensports. (Bis 2011 bekannt als FITA – Fédération Internationale de Tir à l’Arc.)

Zugarm

Der Arm, mit dem ein Bogenschütze die Sehne zieht (für Rechtshandschützen der rechte Arm, für Linkshandschützen der linke Arm).

Von Christoph Mischke