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Regional Erst disqualifiziert, dann gesiegt
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21:10 25.06.2017
Hat ihr Pferd und den Parcous fest im Griff: Antje Schöniger sichert sich bei der internationalen Zwei-Sterne.Prüfung auf „FST Schoensgreen Quebec“ den ersten Platz.Foto: Bänsch Quelle: Arne Bänsch
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Holzerode

Auf „FST Schoensgreen Quebec“ lag Schöniger am Ende mit insgesamt 49,40 Fehlerpunkten aus Dressur, Springprüfung und Geländeritt vor Faye Füllgraebe von der RSG Altheim auf „Quebec“ (52,60) und Titelverteidigerin Juliana Knaup auf „Princess Pancake“ (57,10)

Kurios: Schöniger hätte sich fast auch noch den Bronzeplatz gesichert. Mit „Schoensgreen Continus“ landete die Gewinnerin auf dem vierten Rang. Dass Schöniger die Siegerrunde bei Nieselregen freudestrahlend als Erste des Klassements bestreiten konnte, war jedoch vorher nicht klar gewesen. Das lag zum einen daran, dass die beiden Bestplatzierten Schöniger - die vor ihrem Geländeritt noch hinter der späteren Silbermedaillengewinnerin lag - und Füllgraebe als die beiden finalen Reiterinnen auf die 3250 Meter lange Strecke gingen. Zum anderen an einem Fauxpas des Wertungsgerichts.

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Das hatte bei Schöniger zunächst einen Fehler ausgemacht. Schöniger sollte ein Hindernis zweimal - einmal davon falsch herum - übersprungen haben. Als diese Information durch die Lautsprecher schallte, war die Reiterin zunächst perplex. „Welches Hindernis soll das denn gewesen sein?“, fragte sie. Kurz darauf revidierte die Jury jedoch ihr Urteil. Statt einer Disqualifikation gab es für Schöniger nun schöne Nachrichten: Zeit und Ergebnis hatten Bestand, Gold war der Lohn.

Silbermedaillengewinnerin Füllgraebe, die zum ersten Mal in Holzerode an den Start gegangen war, nahm ihr Abrutschen von Platz eins auf zwei aber nicht tragisch. „Es lief sehr gut. Zum Glück hat es vorher noch ein bisschen geregnet, so waren die Bodenverhältnisse besser und der Untergrund war nicht so hart“, erklärte die Lebensgefährtin des dreifachen Olympiasiegers Michael Jung. Jung selber war zwar vor Ort, ritt jedoch nicht. „Er lässt seine Schüler auf den guten Pferden reiten, geht mit ihnen durchs Gelände und gibt ihnen Tipps“, erklärt Turnierleiter Herbert Klengel, der das Event als „großes Familientreffen“ bezeichnete.

Ein anderer Olympionike hatte den Geländeritt der Zwei-Sterne-Prüfung eröffnet und sich dabei eine doppelte kalte Dusche abgeholt. Frank Ostholt, der sich auf „Carlson“ als Erster den 21 Hindernissen stellte, bekam einerseits jede Menge Regen ab, der genau zu Beginn des Wettbewerbs eingesetzt hatte. Andererseits war der Ausflug in das Gelände für den Mitfavoriten bereits schnell wieder beendet. Am Weideeinsprung verweigerte „Carlson“ dreimal - das bedeutete die Disqualifikation für das Duo. Besser lief es für den Olympia-Medaillengewinner später auf „Jum Jum“. Am Ende sprang für das Duo in einen hochkarätig besetzten Feld immerhin der neunte Platz heraus.

Rebecca-Juana Gerken gewinnt Ein-Stern-Prüfung auf „Day of Glory“

Ergebnisse der internationalen Zwei-Sterne-Prüfung

1. Platz: Antje Schöniger (RFV Lengenfeld/Vogtland) auf „FST Schoensgreen Quebec“, 49,40 Fehlerpunkte

2. Faye Füllgraebe (RSG Altheim) auf „Quebec“, 52,60

3. Juliana Kaup (RV Vögelsen-Mechtersen) auf „Princess Pancake“, 57,10

4. Antje Schöniger (RFV Lengenfeld/Vogtland) auf „Schoensgreen Continus“, 57,40

5. Isabel English auf „Nikko Brown“, 67,40

Ergebnisse der Ein-Stern-Prüfung

1. Rebecca-Juana Gerken (Reit- und Fahrgem. Bargfeld-Stegen) auf „Day of Glory“, 38,30

2. Freya Füllgraebe (RSV Gut in den Höfen“ auf „Bisazza“, 39,30

3. Julien Despotin auf „Clever Man“, 39,40

4. Maria Hayessen (RV Gut Waitzrodt) auf „Huaso“, 40,00

5. Elmar Lesch (RV Vögelsen-Mechtersen) auf „Easter Sunday 2“, 41,40.

Ergebnis der Vielseitigkeitsprüfung Kl. A**

1. Julia Weiser (RC Harbansen) auf „Noble Beauty“, 39,30. cro     

Wie anspruchsvoll der etwas mehr als drei Kilometer lange Parcours auch für Spitzenleute war, verdeutlicht die Tatsache, dass niemand unter dem Zeitlimit von 5:55 Minuten blieb. Nur Schöniger gelang es, auf dem hügeligen Kurs in 5:59 Minuten ganz knapp unter der Sechs-Minuten-Grenze zu bleiben. „Für die Kondition der Pferde ist das super. Es geht hoch und runter“, lobte die 26-jährige Füllgraebe. Von den idyllisch-niedlichen Hindernisnamen wie „Obsttisch“ - der 21. und letzte Sprung vor dem Ziel - der „Blumenbank“ oder dem „Bunten Haus“ durfte man sich nicht täuschen lassen - der Ritt erforderte sowohl von den Athleten als auch von den Tieren vollste Konzentration und eine Menge Kraft und Ausdauer.

Die Verantwortlichen hatten an der Strecke einige Modifikationen im Vergleich zum Vorjahr vorgenommen. So wurde ein Wasserhindernis dieses Mal andersherum geritten. Die Pferde mussten über einen dicken Stamm springen, von da an ging es gleich abwärts ins kühle Nass. „Man springt praktisch ins Leere“, erklärte die 2. Vorsitzende Kirsten Schmied. Beim „Schmalen Steilsprung“ im letzten Drittel des Kurses war größte Präzision gefragt. „Den muss man genau treffen“, erläuterte Schmied die spezielle Anforderung.Den Besuchern, die sich über das parkähnliche Gelände verteilten und die spektakulären Sprünge der Stars hautnah miterleben konnten, machte der zwischenzeitliche Niederschlag - genau wie den Aktiven - nichts aus. „So ein richtiger Vielseitigkeitsreiten-Zuschauer ist doch wasserfest“, versicherte Schmid schmunzelnd - stimmt.

Von Christian Roeben