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Regional TSC Schwarz Gold auf Platz fünf
Sportbuzzer Sportmix Regional TSC Schwarz Gold auf Platz fünf
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15:34 05.12.2016
Von Rupert Fabig
Quelle: Arne Bänsch
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Montag, 5. Dezember, 15.32 Uhr

Gerade haben wir das Schild mit der Aufschrift "Balaton" passiert und lassen Budapest links liegen. Das Navi zeigt mittlerweile weniger als 1000 Kilometer bis nach Göttingen an. Michaela Montag wird ungeduldig. Allerdings nicht à la "sind wir schon da?". Die ehemalige Tänzerin der A-Formation drängelt aus anderen Gründen: "Alle zwei Minuten aktualisiere ich mein Smartphone. Wann kommt endlich ein neuer Blogeintrag?" Bitte: hier kommt er.

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Die Nacht war ziemlich kurz. Nachdem das Gala-Dinner in der WM-Arena genüsslich auskostet wurde und dabei etliche Flaschen mit glasigem Inhalt verkostet wurden, ging es zurück ins Hotel. Dort saßen die Göttinger mit einem Großteil ihrer Anhängerschaft noch lange zusammen. Einige knackten die 5-Uhr-Marke. Dass des Nachts ins Hotelschwimmbad eingebrochen wurde, ist indes nicht überliefert. Allerdings tobten einige der Sportler schon am Morgen erstaunlich früh im Wasser herum und dünsteten in der Sauna aus.

Abreise: Es gibt wieder Beifall für Busfahrer Jürgen, der sein Gefährt eindrucksvoll rückwärts aus der Hoteleinfahrt rangiert. "Wenn ich mal rückwärts ausparken muss, rufe ich Jürgen", erklärt der TSC-Vorsitzende Jens Wortmann. Dann wollen alle schlafen. TSC-Cheftrainer Markus Zimmermann zögert den Zeitpunkt aber noch hinaus. Er schwingt eine Rede. So lange und ausufernd, dass die ungarischen Turnierorganisatoren vom Vortag vor Neid platzen würden. Im Gegensatz zu deren langatmigen Ausführungen ist Zimmermanns Rede aber abwechslungsreich. Er bedankt sich bei allen, die mit der Reise zu tun hatten, gibt ein sportliches Feedback und bedankt sich noch mehr. Dann dreht Mannschaftssprecher Steffen Sieber den Spieß um und dankt dem Coach für dessen unermüdlichen Einsatz.

Bei der ersten Pause werden Porträtfotos geschossen. Von müden Tänzern. Zu bewundern in der Dienstagsausgabe des Tageblatts. Jetzt wird geschlafen. Gute Nacht.

22:58:

Mit diesen Worten gönne ich unserer fleißigen Online-Redaktion den wohl verdienten Feierabend und wünsche Ihnen eine gute Nacht. Sie lesen morgen mehr von der Partynacht und verkaterten Göttinger Tänzern. 

22:56 Uhr

Ladies and Gentleman, wir haben einen Gewinner: Der kommt aus Russland und heißt völlig verdient Vera Tyumen. Mit großem Abstand liegt die Formation den Braunschweiger TSC auf Platz Zwei. Das russische Team Olympia erreicht als letzte Mannschaft, die im Finale gestartet ist, nur 30,76 Punkte und kommt damit hinter Göttingen auf den sechsten Platz. Die ganze Stadt kann heute stolz sein auf den WM-Fünften. Und warum nicht eigentlich auch noch morgen? Und übermorgen.

22:46 Uhr

Wieder ein sehr gefühlvoller Auftritt der zweiten deutschen und niedersächsischen Formation. Allein es reicht nicht für Vera Tyumen. Mit einer ordentlichen Wertung von 33,59, ist der BTSC aber auf dem zweiten Platz und hat eine Medaille sicher. Glückwunsch!

22:40 Uhr

Während die Besten das Finale unter sich ausmachen, hier nochmal ein Rückblick auf die vorige Runde.

22:38 Uhr

Das war dann wohl diese berühmte heiße Sohle, die aufs Parkett gelegt wird. Wohl dem, der solch feurige Frauen hat wie Vera Tyumen. Um mal etwas fachmännisch zu klingen: Technisch wirkte der Auftritt zu überwiegend russischer Musik einwandfrei. Ich bleib dabei: Wenn die nicht Weltmeister werden, fresse ich einen Besen. Oder schlimmer noch: den sich Abendessen schimpfenden Fras vom Anreisetag aus Wien. Die Wertungsrichter wollen mir das glücklicherweise nicht antun und ranken Vera vorläufig auf dem ersten Platz. Wow! 36,56 Punkte reichen aus, ohne Probleme. Nun aber der Braunschweiger TSC, der den Russen ernsthaft gefährlich werden kann. Aber bei der Wertung dürfte es schwierig werden.

22:30 Uhr

Gigantischer Jubel bei den Niederländern. 31,84 Punkte sind der Grund dafür. Damit liegt Holland auf Platz eins. Aber noch kommen drei Formationen. Alles bislang ganz eng beeinander.

22:23 Uhr

Jawohl! Das sah klasse aus. Auch Trainer Markus Zimmermann wirkt zufrieden. Diese Mannschaft muss man einfach mögen. Daumen drücken für die Wertung. Es sind 31,20 Punkte. Weniger als Ungarn. Aber was soll's? Weder ist die Medaille schon futsch, noch wäre es eine Schande, wenn es so kommt. Drei starke Durchgänge des TSC, die erste WM-Teilnahme der Vereinsgeschichte. Fans, die tausende Kilometer auf sich genommen haben und während des Auftritts frenetisch jubeln, rhythmisch schunkeln und Schilder mit dem Vereinslogo in die Luft recken. Mädels und Jungs, ihr könnt stolz auf euch sein.

22:14 Uhr

Nun doch: 31,42 Punkte für die Ungarn. In der Zwischenrunde war Göttingen etwas besser.

22:13 Uhr

Ein irre Atmosphäre in diesem Schandfleck von Sportarena, wo die heimischen Fans mit ihren rot-weiß-grünen Fahnen ausflippen. Der temporeiche Auftritt von Szilver TSE Szentes hat den Applaus aber auch wahrlich verdient. Im Anschluss geht es erstmals an diesem Abend für eine Mannschaft in den Kiss&Cry-Bereich. Was hochtrabend klingt, ist in Wahrheit nicht mehr als eine schäbige Werbetafel, wo die Tänzer auf ihre Bewertung sollten. Aber von wegen Livescoring, es geht umgehend weiter mit Göttingen.

22:05 Uhr

Tanz-WM in Pécs - der Wettkampf

22:04 Uhr

Das Parkett wird gefegt. Hoffentlich, weil es gleich losgeht. Bei dieser Veranstaltung aber auch nicht auszuschließen, dass es sich dabei um einen pseudo-witzigen Programmpunkt handelt. Nein, tut es wohl nicht. Es geht endlich los. Die Ungarn stehen auf glühenden Kohlen. Direkt danach folgt Göttingen. Es wird heiß.

22:00 Uhr

"I'm still standing" tönt aus den Boxen, während die Latein-Formation noch immer auf dem Parkett steht. Ob ich noch lange stehe, ist langsam fraglich. Im Einlaufbereich wartet bereits das ungarische Team, sichtlich nervös - und gewiss ungeduldig. 

21:55 Uhr

Siegerehrung beim Latein-Turnier. Ein Ende ist also in Sicht. Ein Anfang allerdings noch nicht, denn ehe das Formationsfinale steigt, dürften gewiss noch einige Showprogrammpunkte über die Bühne gebracht werden. Die Göttinger Mannschaft muss sich gedulden und den Fokus etwas länger wahren. Derweil es nicht bei einer Siegerehrung bleibt, hier marschieren nochmal zig Tänzer übers Treppchen und von da aus aufs Parkett. Es folgt: ein weiterer Auftritt. Puh, hier ist ein langer Atem gefragt.

21:44 Uhr

Es war zu befürchten: Vor das Finale haben die Organisatoren allerlei Showprogramm gesetzt. Dessen Qualität ist, nun ja... Vorhin hatte ich mich über Mario Barth beschwert - der wäre hiergegen vermutlich sogar passabel. Gerade tritt eine Gruppe aus sechs anzugtragenden - ja was eigentlich, kastrierten Möchtegerntenören? - auf, die a cappella singt und Beatboxgeräusche erzeugt. Auf Ungarisch. Könnte also lustig sein, wenn man es versteht. Ist es aber bestimmt nicht. Die "Wise Guys", die TSC-Cheftrainer Markus Zimmermann vor dem Turnier per Videobotschaft Glück gewünscht hatten, würden beschämt im Boden versinken. Leider ist kein Ende des Showprogramms in Sicht, aber immerhin eine Steigerung. Eine Gruppe hunderter Jugendlicher hat nahe der Tanzfläche Position bezogen.

21:39 Uhr

Das Latein-Turnier geht gerade in die ewigen Jagdgründe ein, was aus zweierlei Hinsicht erlösend ist: Zum einen scheinen einige der Tanzpaare nur eine Single-CD am Start zu haben, folglich wird die Sequenz ein und derselben Songs fünf Minuten am Stück gespielt.

Zum anderen bringt uns das das nahende Ende des einen Turniers dem lang ersehnten Höhepunkt des anderen näher: dem Finale der Weltmeisterschaft im Formationstanzen. Nur einer Mannschaft müssen die Göttinger den Vortritt lassen, bei der Startreihenfolge versteht sich. Die Lokalmatadoren Szilver TSE Szentes aus Ungarn eröffnen. Anschließend tanzt der TSC Schwarz-Gold, auf den DSC Dance Impression (Niederlande), Vera (Russland), der Braunschweiger TSC und Olympia (Russland) folgen. Großer Goldfavorit ist die Formation von Vera, dahinter rangiert nach Expertenansicht Braunschweig. Schließlich ergibt sich ein Cluster von vier Mannschaften, die alle um die Bronzemedaille kämpfen. Das Göttinger Tanzsportteam hat gute Chancen. Nach der Vorrunde rangierte es hinter den drittplatzierten Ungarn auf Position vier, in der Zwischenrunde zog es am Gastgeber vorbei, dafür holten die Holländer auf und stellten Punktgleichheit mit Göttingen her. Das dürfte sehr spannend werden.

20:03 Uhr

"Alles rausholen" lautet die Devise beim Göttinger Tanzsportteam für das Finale, verlautbart Co-Trainer Peter Hahne. Dessen süßes Töchterchen Josephine war wieder als Glücksfee im Einsatz und hat dem TSC Schwarz-Gold Startposition zwei beschert. "Wir haben oft darüber geredet, Bildfehler abzustellen. Im Finale ist der richtige Zeitpunkt dafür. Die Tänzer sind hochmotiviert und werden über sich hinauswachsen. Ich habe ihnen gesagt, dass sie nach dem Ding sterben können", sagt Hahne. Solche martialische Sprache hätte ich beim Standardtanzen nun wirklich nicht erwartet.

Eher schon humoristische Sätze. Und für die ist im Göttinger Team einer zuständig: Bastian Kalusche, der an dieser Stelle auf eigenen Wunsch abermals als Spaßvogel der Mannschaft bezeichnet wird. "Die Chance, dass wir Weltmeister werden, war noch nie so groß wie heute", mutmaßt der gebürtige Adelebser bei der ersten WM-Teilnahme des TSC. Ach, gebe es nur mehr solcher Scherzkekse wie ihn - die Welt bräuchte keine trotteligen Flachwitze-Erzähler á la Mario Barth mehr. 

Während ich mich frage, wo die umstehenden Pressevertreter die schmackhaften Pistazien her haben, spannen die Göttinger noch bis 20.30 Uhr aus. "Dann beginnt das letzte Aufwärmen", weiß Pascal Müller, in dessen Armen eine erschöpfte Christina Kellert ruht, Müller aber keine Ruhe lässt, der hat schließlich noch einen Job zu erledigen: "Unsere Bilder müssen besser werden, dafür sind die Männer zuständig", sagt sie. Müllers Tanzpartnerin Paula Staats bemerkt dazu: "Wir Frauen müssen nur gut aussehen." Keine Sorge, Mädels: Das macht ihr. 

Um einen weiteren gelungenen Übergang zu zelebrieren: Die etwas freizügiger gehaltene Kleidung der Latein-Tänzerinnen sieht auch exzellent aus. Dafür haben die Göttinger Fans aber aktuell keinen Blick. Auch sie pausieren. Dirk Montag gibt sich dabei gelassen: "Das Ziel Finale ist erreicht. Aber ich bin überzeugt, dass der folgende Auftritt der beste wird." Ob das zur Medaille reicht? "Hoffentlich. Ganz oben wird es ein ganz knappes Ding zwischen Vera und Braunschweig, die sich bestimmt noch steigern werden. Die halten sich traditionell in den ersten beiden Runden etwas zurück", weiß Montag. Wir wissen wiederum erst ab 21.30 Uhr mehr. Bis dahin.

19:47 Uhr

Wie wird beim Formationstanzen eigentlich gewertet? Das erklärt Olav Gröhn, seines Zeichens der Herr, auf dessen Monitor ich ständig die Ergebnisse mitgelesen habe und Entwickler der Wertungssoftware, auf die der Weltverband zurückgreift: "Vier Komponenten fließen in die Beurteilung ein: Unmittelbar an der Tanzfläche sitzen sechs Richter, von denen sich jeweils drei nach vorheriger Zulosung auf die technische Qualität sowie dem Movement to the Music konzentrieren. Weiter oben auf der Tribüne sitzen weitere Wertungsrichter, die Teamskill, also die unter anderem die Qualität der Bilder, und die Präsentation und Choreografie beurteilen." Für jedes Kriterium werden Punkte von null bis zehn vergeben, die zu einem Gesamtresultat addiert werden. "Wir sprechen von einem absoluten System. Im Finale wird live gescort, um für ein besseres Feedback und mehr Transparenz zu sorgen", sagt der Lübecker. Das Ergebnis erfahren die Tänzer in der sogenannten Kiss&Cry-Area, in der bei den Göttingern nachher hoffentlich mehr geküsst als geweint wird. Gröhn, selbst leidenschaftlicher Standardtänzer, ist nicht nur ein äußerst sympathischer Kerl, sondern auch gefragter Mann: Im Auftrag des Weltverbands jettet er regelmäßig um den Globus. Am Donnerstag führt ihn die Reise nach Shanghai zum renommierten Grand-Slam-Finale der Latein- und Standardpaare.

19:10 Uhr

Nun ist es offiziell. "Team Schwarz-Gold Göttingen" verkündet die Moderatorin. Auch die Team der Ungarn ist dabei, was für hysterischem Gekreische der Tänzerinnen gefeiert wird. Wenig überraschend sind auch beide Russen am Start. Ebenso wie die Niederländer. Wortmanns Prognose traf also ins Schwarze.

Bis zum großen Finale heißt es jetzt aber: warten. Denn nun gehört die Bühne für zwei Stunden den Latein-Paaren, die der ungarische Verband zum Turnier geladen hat. Gegen 21.30 Uhr wird es wieder wichtig für den TSC Schwarz-Gold. Wir lesen uns dann hoffentlich wieder. Wenn zwischen Kürbissuppe, Gulasch und Lasagne ein wenig Zeit bleibt, melde ich mich aus dem VIP-Raum mit kleineren Beiträgen und Stimmungsberichten aus dem Göttinger Lager.

19:04 Uhr

Sieht gut aus: Wenn sich mein Nachbarmonitor weiterhin als zuverlässige Quelle erweist, steht Göttingen im Finale. Erster demnach Vera, Zweiter Braunschweig - soweit alles beim Alten. Auf Platz drei offenbar punktgleich das Göttinger Tanzsportteam mit Dance Impression aus der Niederlande. Offenbar sahen die Wertungsrichter Ungarn diesmal nicht so stark. Offiziell werden die Finalteilnehmer gleich verkündet.

18:58 Uhr

Die Zwischenrunde ist durch. Mit Ergebnissen ist bald zu rechnen. Der TSC-Vorsitzende Jens Wortmann wagt sich an einer Prognose: "2 x Deutschland, 2 x Russland, 1 x Ungarn (Szigo), 1x Holland", twittert er im Kanal @tanzsportteam. Damit könnte er Recht behalten.

18:50 Uhr

Meine Herren (und vor allem Damen)! Die russische Formation Vera ist wirklich großartig. Die goldenen Haarbändchen der Tänzerinnen sind echte Hingucker. Ebenso wie der Tanzstil. Nicht umsonst standen die Russen nach der Vorrunde an Platz eins des Rankings. In dieser Verfassung geht der Titel nur über Tyumen. Dessen Trainer gehört zur Kategorie Menschen, denen man im Dunkeln lieber nicht begegnen möchte: Glatze, Vollbart, markantes slawisches Gesicht, muskulöser Körperbau. An seiner Seite eine Dame, die - wenn ich es auf die Entfernung richtig deute - ein äußerst pelziges Oberteil trägt. Vermutlich das Fell des Bären, den ihr Nebenmann am Vortag erlegt hat.

18:46 Uhr

Auch das Göttinger Trainerteam scheint von einem Finaleinzug auszugehen. Gerade wird der Auftritt der Zwischenrunde in der abgedunkelten Kabine per Videoanalyse beobachtet. Da wollen wir natürlich nicht stören und analysieren stattdessen den Braunschweiger TSC, für den es nun Bühne frei heißt.

18:39 Uhr

Streng geheim: Erneut konnte ich einen Blick auf den Monitor des Wertungsrichters erhaschen. Demnach ist Göttingen momentan auf Platz zwei gelistet, punktgleich mit den Niederländern (jeweils 32,x Punkte) und deutlich hinter Vera (36 Punkte). Das würde - vorausgesetzt alles stimmt - den Finaleinzug bedeuten. Langsam wird es aber gefährlich mit dem Spicken, der Kollege hat Witterung aufgenommen und lässt mich keine Sekunde mehr aus den Augen.

18:21 Uhr

Meine Herren (und vor allem Damen)! Die russische Formation Vera ist wirklich großartig. Die goldenen Haarbändchen der Tänzerinnen sind echte Hingucker. Ebenso wie der Tanzstil. Nicht umsonst standen die Russen nach der Vorrunde an Platz eins des Rankings. In dieser Verfassung geht der Titel nur über den Titelverteidiger. Deren Trainer gehört zur Kategorie Menschen, denen man im Dunkeln lieber nicht begegnen möchte: Glatze, Vollbart, markantes slawisches Gesicht, muskulöser Körperbau. An seiner Seite eine Dame, die - wenn ich es auf die Entfernung richtig deute - ein äußerst pelziges Oberteil trägt. Vermutlich das Fell des Bären, den ihr Nebenmann am Vortag erlegt hat.

18:36 Uhr

Die zweite russische Mannschaft steht der ersten in wenig nach. Auch Team Olympia haut einen raus. Und im Gegensatz zum echten Team Olympia der Russen kann man hier davon ausgehen, dass kein Doping im Spiel ist. Damit haben die Österreicher ohnehin nichts am Hut. Der Göttinger Namensvetter TSC Schwarz-Gold ist dafür eine der zahlreichen Formationen, die Michael-Jackson-Titel in seiner Choreografie verarbeitet. Bis wir Bescheid wissen, wer es in den Endkampf geschafft hat, folgen noch drei Formationen: Brno aus Tschechien, Braunschweig und die Tschechen aus Chvaletice.

18:14 Uhr

Daumen nach oben, aber auch Luft nach oben. Die Göttinger Formation zeigt in der Zwischenrunde eine äußerst solide Leistung, die Achterreihe steht wie eine Eins. Das Publikum ist mitgerissen, und zwar nicht nur die 40 Göttinger Fans. "Auch bei den Ungarn kommt der Auftritt gut an", lobt der Nienburger Tanzlehrer Peter Krüger. "Es war eine gute Zwischenrunde, sehr ordentlich. Sie lassen sich aber noch Luft nach oben. Ich glaube, sie wissen, was sie tun. Besonders stark waren die Bilder, die sauber standen", lobt Krüger. Folglich sind die Aussichten auf den Finaleinzug wirklich gut.

Nun ist mein persönlicher Favorit auf dem Parkett: Szigo TSE aus Ungarn. Die Rock'n'Roll-Choreo mit Elvis-Songs ist echt peppig. Ob sie auch tänzerisch überzeugen ist, lässt sich dem Tanzsportlaien nicht erschließen. Gleichwohl ist das Heimpublikum völlig aus dem Häuschen. Tolle Atmosphäre!

17:58 Uhr

Der Fotograf zu meiner Rechten hat gerade eine Mail mit Bildern der Matrosen-Formation, die er fälschlicherweise für die ungarische Mannschaft hielt, an seine Agentur versendet. Ihn auf seinen Fehler aufmerksam zu machen, kommt aber gar nicht in Frage, da er mir alle Nase lang eines der wenigen Programmhefte klaut und seinen Diebstahl darauf angesprochen nie eingesteht. Das Heft ist zwar, wie sollte es anders sein, auf Ungarisch gehalten, aber hier geht es ums Prinzip! 

Nun zu zurück zu wichtigeren Themen: Der TSC Schwarz-Gold ist dran. Festhalten für eine berauschende Fahrt übers Parkett.

17:53 Uhr

Hinter den Kulissen haben sich die Oranjes trotzdem mächtig heiß gemacht. Auch ihre Aufführung sprüht vor Dynamik. Heute wurde unter den Athleten wohl mal auf den Entspannungsjoint verzichtet.

17:51 Uhr

Riesenjubel nach dem Auftritt der Ungarn, die nach der ersten Runde auf Platz drei gerankt wurden. Die Aufführung hat mitreißende und auch trägere Stellen. Dem Publikum hat die Choreografie offenkundig gefallen. 90 Prozent der gut 1000 Zuschauer schreien aus voller Kehle. Dagegen dürften die nun folgenden Niederländer abstinken wie Gouda.

17:42 Uhr

Ein Schmarren, den ich da publiziere: Die Seeleute nehmen gar nicht an der WM teil, sondern gehören zum Showprogramm. Kein Wunder, dass sie mir im ersten Durchgang gar nicht aufgefallen waren. Hätte ich mal richtig zugehört bei der Ankündigung der Moderatorin. War schließlich auf gut verständlichem Ungarisch vorgetragen. Jetzt aber Szentes, dann Dance Impression, dann Göttingen.

17:38 Uhr

Nachdem gefühlt jeder aus Pécs und Tanzsport-Funktionär, der noch in der Lage ist, ein Mikrofon zu halten, eine Rede geschwungen hat, hat Blaskapelle wieder ihren großen Auftritt. Die Formationen verlassen das Parkett wieder. Übrig bleibt lediglich Szilver TSE Szentes aus Ungarn, das die Zwischenrunde eröffnet. Diese Gruppe gewinnt zweifellos den Preis für das originellste Outfit: sie tritt in Matrosenanzügen auf. Die der mit Cheerleader-Püscheln bewaffneten Frauen sind am Bauchnabel textilfrei. Fotograf Arne Bänsch darf allerdings keine Fotos liefern, da seine Freundin sonst vor Eifersucht platzen würde. Sorry!

Es folgen die Holländer, dann ist schon wieder Göttingen am Zug. Erklärtes Ziel ist der Einzug ins Finale der besten Sechs. Es gilt.

17:26 Uhr

Ein Tänzer einer der Gastgeberformationen liest einen Text ab, in dem es mutmaßlich um fairen Wettkampf und Respekt geht. Aber eben nur mutmaßlich. An einer Stelle brandet großer Applaus auf. Obwohl sie kein Wort verstanden haben, klatschen die Göttinger Athleten begeistert mit. Wer weiß, was sie da gerade bejubelt haben.

Indes ist es mir gelungen, 20 Forint zu sammeln. Das sollte doch genügen, um den Kollegen neben mir davon zu überzeugen, die Live-Scorings rauszurücken. Damit sollten Ihnen ein schlagkräftiges Argument geliefert worden sein, um den Ticker dauerhaft bis in die späten Abendstunden zu verfolgen - und Ihre Zeit keinesfalls damit zu verschwenden, den Umrechnungskurs von Forint in Euro zu googeln.

17:16 Uhr

Beim Einlauf der ungarischen Formation hebt es der Halle fast das Dach weg. Und das schreibe ich nicht nur so, sondern halte es bei diesem Mahnmal architektonischen Versagens für durchaus realistisch.

Wir lernen unser erstes ungarisches Wort (nachdem Danke schon dreimal aufschnappt, aber wieder vergessen wurde): "Németország" steht auf dem mit Deutschlandfähnchen versehenen Schild, hinter dem der TSC Schwarz-Gold aufs Parkett schreitet. Es heißt mutmaßlich so viel wie: Deutschland. Mittlerweile sitzt auch der Bundesadler auf dem Jackett von Trainer Markus Zimmermann. Die Blasband spielt immer noch "Eye of the Tiger". Die ungarische Version scheint jede Menge Strophen zu besitzen.

17:09 Uhr

"Den Fokus auf uns belassen", hat TSC-Cheftrainer Markus Zimmermann seinen Tänzern in der Pause geraten. Auch er selbst hat nicht viel von der Konkurrenz gesehen, nur der gute Auftritt des Braunschweiger TSC, mit dem sich Göttingen eine Kabine teilt, entging den Augen des Experten nicht. Neidische Blicke ernteten die Konkurrenten allerdings nicht, die gab es eher aus umgekehrter Richtung - für das fürstliche Büffet, dass die Catering-Spezialisten unter den Göttinger Fans ihrer Mannschaft zusammengestellt haben. Davon gestärkt, ging es für das Tanzsportteam ins Freie, um sich wieder warm zu joggen und frische Luft zu schnappen. "Der ständige Wechsel von Null auf 100 ermüdet auf Dauer ganz schön. Bei uns Tänzern verhält sich das ähnlich wie bei Sprintern, die eigentlich auch nur zwei kompetitive Durchgänge an einem Tag absolvieren", so Zimmermann.

Inzwischen sind alle Göttinger Tänzer wieder in der Arena, wo nun für mächtig Programm. Eine Blaskapelle spielt "Eye of the Tiger", dazu laufen alle Teams ein. Jetzt sind sicher um die 1000 Zuschauer vor Ort. Popcorn-Geruch durchzieht die Halle.

17:02 Uhr

Mit dem Einlauf der verbliebenen zehn Mannschaften wird die Weltmeisterschaft jetzt fortgesetzt. Zur Abendsession ist die Halle auch deutlich voller - auch vom Alkoholpegel, da im Foyer ungarischer Wein ausgeschenkt wird. Vor nun mehr Zuschauern gibt es die offizielle Eröffnungszeremonie.

16:08 Uhr

Konzentration auch abseits des Tanzparketts: Tageblatt-Autor Rupert Fabig bei bei der Arbeit in Pécs Quelle: AIB

16:07 Uhr

Kurzerhand haben die Organisatoren den Modus nochmal leicht verändert. In die Zwischenrunde ziehen nun lediglich zehn Formationen ein. Wäre ja auch blöd, wenn von 13 aus zwölf verkleinert würde. Jedenfalls sind die Göttinger sicher dabei. In der Zwischenrunde, die gegen 17.30 Uhr beginnen sollte, tanzt der TSC erneut an dritter Stelle direkt nach den Niederländern. Wäre schön, wenn die Startposition am Ende auch die Endplatzierung sein würde...

15.54 Uhr

Wenn ich es auf dem Bildschirm des Schiedsgerichts richtig erspäht habe, platziert sich der TSC Schwarz-Gold Göttingen in der Vorrunde auf dem dritten Platz. Am stärksten haben die Wertungsrichter Braunschweig gesehen, knapp vor Vera Tyumen. Alle Angaben aber ohne Gewähr. Und: psssssst....

Korrektur: Ein erneuter Blick auf den Wertungsschirm hat ergeben, dass Göttingen Vierter ist. Auf Platz drei hat sich hinter Tyumen und Braunschweig noch Lokalmatador TSE Szentes aus Ungarn geschoben.

Nun ist erstmal Pause. Ein Hoch auf den VIP-Raum und das dortige ungarische Gulasch. Verabschiede mich vorerst mit einem gesegneten Appetit. Bis gleich.

15.45 Uhr

Militärisch gedrillt marschiert die zweite russische Formation auf die Tanzfläche. Im Vergleich zum Großteil der vorherigen Mannschaften wirkt der Auftritt stark. Damit ist die Vorrunde beendet. Nun beginnt das Zittern, für welches Team die WM bereits wieder beendet ist. Keine Sorge: Wie schon mehrfach erwähnt, das Göttinger Tanzsportteam wird es nicht treffen. Der TSC Schwarz-Gold wird ab 17 Uhr in der Zwischenrunde wieder mit von der Partie sein.

15.38 Uhr

Sieht gar nicht übel aus, was Braunschweig da veranstaltet. Während Göttingen allerdings tatkräftig durch mitgereiste Fans unterstützt wird, sind momentan keine Anhänger der Niedersachsen in der Arena auszumachen. "Also feuern die Göttinger das zweite Team an, das Deutschland hier vertritt", twittert der TSC-Vorsitzende Jens Wortmann.

15.33 Uhr

Daumen drücken, der TSC Schwarz-Gold ist dran. Ach ne, gar nicht der unsere. Die österreichische, gleichnamige Formation entert das Parkett. Nach ihnen folgen noch die beiden Topfavoriten: der Braunschweiger TSC und Titelverteidiger Vera Tyumen aus Russland. Dann ist die Vorrunde Geschichte. 

15.17 Uhr

Essen! Alles, was recht ist. So lautet gerade das Programm der Göttinger. Obst, Gebäck, Nudeln und was der Gaumen sonst noch begehrt. Kein Wunder, dass die Tänzer da zufrieden sind. Ihr Auftritt tut aber auch sein Übriges dazu. "Es war ein guter Start und hat Spaß gemacht. Aber es geht noch besser, da die Aufregung in der Vorrunde immer recht groß ist", verrät Routinier Mieke Zimmermann.

Julia Lehmann macht Hoffnung auf die folgenden Durchgänge: "Bei der Deutschen Meisterschaft war die Vorrunde von uns am stärksten. Ich denke, das wird heute nicht so sein." Dann folgt eine Videoanalyse mit Cheftrainer Markus Zimmermann und ein kurzes Ausspannen.

"Viel Zeit bleibt uns nicht. Wir müssen uns erneut warm machen und mental vorbereiten", erklärt Paula Staats. In der kurzen Entspannungsphase werden Glückwünsche per WhatsApp empfangen und über am Rücken gerissene Kleider der Holländerinnen gelacht, Michael Lieberum trägt passende zum zweiten Advent ein Weihnachtsgedicht vor. Markus Zimmermann wird noch der Bundesadler aufs Jackett geheftet, seine Tänzer haben den Vogel schon in der Vorrunde getragen. 

Den Vogel abgeschossen hat lautstärketechnisch unterdessen in der Arena das zweite ungarische Team, Szigo TSE, das eine rock'n'rollige Choreografie tanzt, zu der viele Fans mitwippen und -klatschen. Gleich kommen die Russen vom Team Olympia. Auf deren Kleidung, speziell die der Tänzerinnen, freue ich mich schon ganz besonders.

14.54 Uhr

Manchmal reicht nerviges Nachfragen beim für die Technik zuständigen Kollegen. Die genaue Noten rückt er zwar nicht raus, erklärt aber, dass es für Göttingen "ganz gut" aussehe. Damit dürfte das Ticket in die Zwischenrunde gebucht sein. Die Auswertung erfolgt übrigens momentan noch ganz altmodisch mit Stift und Papier, da das technische Equipment noch im Flugzeug festhing. Soll aber demnächst eintreffen, so dass nachher das Scoring live am Monitor verfolgt werden kann. 

© Arne Bänsch

Unterdessen waren die Teams CDS Floris Bistrita aus Rumänien, auffällig geworden durch ein äußerst gewagtes, folkloristisches Outfit Damen, und Dance Club of Dance School Starlet Brno (was für ein Name...) auf dem Parkett. Sie reißen das Publikum nicht von den Sitzen, was sich gleich aber ändern dürfte, denn jetzt ist Gastgeber Szilver TSE Szentes aus Ungarn dran.

14.48 Uhr

"Sah toll aus", sagt einer, der es wissen muss. Peter Krüger, Tanzlehrer aus Nienburg und Vater von TSC-Tänzer Dennis Krüger, fand den Auftritt der Göttinger "sehr kontrolliert und gut für eine Vorrunde. Es ist noch Luft nach oben, es ist angesichts der Konkurrenz aber richtig, nicht gleich beim ersten Auftritt alles rauszuholen." 

Ich könnte Ihnen jetzt auch verbotenerweise die Wertung für Göttingen verraten, die mein Nebenmann in seinen Laptop eingibt. Um das Verbot zu eliminieren, muss ich aber noch ein paar Bestechungsforint sammeln. Falls sich Spender finden, gebe ich auch meine Kontonummer preis.

14.40 Uhr

Boom! Was für ein Auftritt. Ohne jegliche Neutralität zu verlieren, darf ich Ihnen mitteilen, dass die Göttinger mit der "Postmodern Jukobox" das Publikum in der Arena begeistern. Mit Choreografin Ariane Schießler an der einen und Maskottchen Bernd dem Brot an der anderen Hand marschiert Trainer Markus Zimmermann vorweg aufs Parkett, ihm folgen in edle Fräcke gezwängte Tänzer und in schicke Kleidchen gehüllte Tänzerinnen. Soweit ich es als Tanzsportlaie beurteilen kann, sah das toll aus.

Zum Schreien jedenfalls sah Zimmermann aus, der an der Kopfseite des Parketts Platz nimmt und wie ein Dirigent jeden Tanzschritt seiner Schützlinge anleitet, dabei rhythmisch mitschwingt und Parts der Lieder singt. Während die Slowaken vom Interklub Bratislava - da weiß man wenigstens, wo die herkommen - die Tanzfläche zu rocken versuchen, gehe ich mal Stimmen sammeln.

14.26 Uhr

Musikalisch mischt die Niederlande, die als Finalkandidat gilt, unter anderem "Imagine" von John Lennon mit Opus` "Live is life" und "People help the people" von Birdie. Jetzt aber Göttingen. Daumen drücken!

14.23 Uhr

Die Holländer treten keineswegs in orange auf. Stattdessen fallen die Damen mit glänzenden, äußerst attraktiven Kleidern auf. Die Göttinger stehen derweil in den Startlöchern. Hier gibt es keine langen Pausen zwischen den einzelnen Formationen.

14.21 Uhr

Die Tschechen sind durch. Auffällig: Wie fast jede Formation ist auch die der Osteuropäer im Durchschnitt ein ganzes Stück älter als die der Göttinger. Und wie bei ebenfalls den meisten Teams ist die Musik weniger gut abgestimmt und fließend wie beim TSC, der gut 40000 Euro für die Komposition und Aufnahme in einem Münchener Studio zahlte. Wie stark der Auftritt Tschechiens war, lässt sich noch nicht absehen. Die Wertungen sind bis zum Schluss geheim.

14.12 Uhr

Die Kampfrichter werden aufs Parkett gebeten, sämtliche Offizielle vorgestellt. Nun aber mal gut, wir wollen das Parkett brennen sehen. Als Erstes startet gleich TK Chvaletice aus Tschechien, dann kommt DSV Dance Impression aus den Niederlanden, wobei interessant zu beobachten sein wird, ob diese Formation in oranje tanzt, ehe die Göttinger schon dran sind.

14.10 Uhr

Es geht los. Gerade wird die Eröffnungsrede gehalten. Leider kann ich nicht als Übersetzer dienen, da sie natürlich auf Ungarisch gesprochen wird. Ab und an klatschen die Zuschauer aber - nämlich dann, wenn die Namen der teilnehmenden Formationen erklingen.

Mit am lautesten wird es beim TSC Schwarz-Gold Göttingen, der die meisten Fans am Start hat - mal abgesehen natürlich von Gastgeber Ungarn. Alle anderen Formationen erhalten Höflichkeitsbeifall der gut 400 Zuschauer, die bislang in der Arena sind. Verwechselungsgefahr besteht im Übrigen mit der österreichischen Mannschaft, die ebenfalls TSC Schwarz-Gold heißt.

14.02 Uhr

13 Formationen gehen in der ersten Runde an den Start. Eine einzige davon hat das Pech, danach die Segel streichen zu müssen. Schon blöd, wenn man es zur WM geschafft hat und dann exklusiv in Runde eins rausfliegt. Sieht trotz der beeindruckenden Qualifikationsleistung immer blöd aus.

Aber keine Sorge: Das Göttinger Tanzsportteam wird es unter Garantie nicht treffen, alles andere käme einer Sensation gleich. Da ist es wahrscheinlicher, dass Ungarns Regierungschef Viktor Orban freiwillig eine Flüchtlingsfamilie bei sich aufnimmt und sein Freund Horst Seehofer als Babysitter engagiert wird.

13.51 Uhr

Die Ränge in der Lauber-Arena füllen sich langsam. Viel Mühe haben sich die Organisatoren aus Ungarn gemacht, die relativ kurzfristig für Minsk als ursprünglichen Ausrichter eingesprungen sind. So potthässlich die Halle von außen ist, der Innenraum ist optisch schön aufbereitet worden. Spannung liegt in der Luft.

Die Zuschauer sind gut drauf, die 42 Göttinger Fans sind längst da und haben auf ihren Edelplätzen direkt am Parkett Platz genommen. Vorsichtiger Optimismus macht sich breit. "Ich glaube an den Finaleinzug und drücke ganz fest die Daumen, dass eine gute Platzierung rausspringt", sagt Torsten Lehmann

Um die gute Platzierung kämpft das Göttinger Tanzsportteam schon sehr bald. Die TSC-Formation muss relativ früh auf die Bühne, tanzt bereits als dritte Mannschaft. Das Göttinger Tageblatt berichtet in kurzen Abständen von den Auftritten sämtlicher Formationen. Wer sich zudem noch einen Ticker mit mehr Expertise wünscht, dem sei der Twitter-Kanal des TSC-Vorsitzenden Jens Wortmann ans Herz gelegt, der unter twitter.com/tanzsportteam ebenfalls aus der Halle schreibt.

09.40 Uhr

Der WM-Tag hat begonnen. Früh ging es raus aus den Federn für die Tänzer des TSC Schwarz-Gold. 5.15 Uhr in Zimmer 15 - dort wurde frisiert, was dafür sorgt, dass die Damen jetzt schon kaum noch auseinander zu halten sind - und das Schminken folgt erst noch. Ein Frühstück später sitzt der Deutsche Vizemeister bereits im Bus auf dem Weg zur Stellprobe und wird vom Vereinsvorsitzenden Jens Wortmann mit beckenbauerschen Worten verabschiedet: "Geht's raus und tanzt."

Während der Fahrt zur Arena offenbart Pécs sein Antlitz, was bei der nächtlichen Ankunft am Vortag nicht zu sehen war. Den Charme, der Fünfkirchen nachgesagt wird, versprüht die Stadt während des zehnminütiges Trips allerdings nicht. Die Plattenbauten erinnern eher an eine Mischung aus Iduna-Zentrum und Groner Bunker. Die Lauber Dezsö Városi Sportarnok passt nicht in dieses Bild - sie gleicht eher dem Hagenweg 20 und hat ihren Platz in der Hall-of-Fame der hässlichsten Sportarenen so was von sicher.

© Arne Bänsch

Zumindest von innen genügt sie den Ansprüchen, die Kabine des Göttinger Tanzsportteams ist geräumig genug, um einen mentalen Durchgang zu absolvieren. Dazu wird den Südniedersachsen eine Betreuerin gestellt - selbstredend, dass sie weder des Deutschen noch des Englischen oder irgendeiner anderen Sprache außer Ungarisch mächtig ist. "Championslook" fordert Cheftrainer Markus Zimmermann vor dem ersten Auftritt auf Parkett. Der gelingt, zwar gibt es noch einige kleiner Fehler, dennoch ist Zimmermann keineswegs unzufrieden. Die Proben der anderen Teilnehmer sind zwar streng geheim, aber so viel kann ich bereits verraten: Von vier den Formationen, die am Sonntagmorgen geübt haben, wirkte die Göttinger am stärksten. 

 

Erneut so souverän muss der TSC am frühen Nachmittag seine Leistung abrufen. Die eineinhalbjährige Glücksfee Josephine Hahne, Tochter von Anke Poppinga-Hahne und Co-Trainer Peter Hahne, zog den Umschlag mit der Nummer drei, der bedeutet, dass Göttingen in Runde eins als dritte Formation aufs Parkett muss. "Startplatz eins wäre der Horror gewesen, an dritter Stelle zu tanzen, ist in Ordnung. Das gibt uns genügend Zeit zum Aufwärmen", erklärt Hahne.

 

Zurück im Hotel wird geschminkt, ein wenig gegessen und eine weitere Videoanalyse von der Stellprobe durchgeführt. Gegen 12.10 Uhr geht es wieder in die Arena. Die Tänzer wirken bereits konzentriert, aber zugleich zuversichtlich und vorfreudig.

0.22 Uhr

Großer Applaus brandet im Speisesaal des Sport- und Wellness-Hotels Makár in Pécs auf. Sie sind da. Nun haben auch die letzten der 42 Fans des Tanzsportteams Göttingen die rund 1200 Kilometer lange Tour nach Ungarn hinter sich gebracht. Die Belohnung ist der Beifall der Tänzer und ein herrliches Abendessen, bei dem besonders das Torten-Büffet positiv auffällt. Wenn sich der Großteil der Berichterstattung bis hierher so liest, als stünde bei der Reise bislang der kulinarische Genuss im Vordergrund, liegt das daran, dass bei der Reise bislang der kulinarische Genuss im Vordergrund stand. Bislang. Denn langsam aber sicher ändert sich der Fokus.

 

"Ihr müsst nun umschalten vom Reise- in den Turnier-Modus", sagt Cheftrainer Markus Zimmermann mit ruhiger, aber deutlicher Stimme. Seine Schützlinge lauschen ihm aufmerksam. Das Zwei-Bett-Zimmer, in dem sich 25 Mann tummeln ist prall gefüllt. Es ist warm. Zu warm. Dennis Krüger fächert sich mit den Armen Luft zu, Teamsprecher Steffen Sieber hat die rettende Idee: Fenster auf. Nun sind alle Tänzer klaren Kopfes für die folgende Videoanalyse. Zuvor werden allerdings noch finale organisatorische Fragen geklärt. Wann wird geschminkt und frisiert? Welcher Dresscode herrscht auf dem Weg zur Stellprobe und beim Abendspaziergang (Dresscode dafür: "warm")? Wie läuft es in der Arena ab? Sieber bittet seine Mannschaftskameraden, die Handys am Wettkampftag nicht übermäßig zu nutzen. Dann schaltet Zimmermann den Beamer ein und präsentiert einige Szenen des morgendlichen Trainings in Wien. "Achtet darauf, sauber zu tanzen. Die Kleinigkeiten müssen stimmen, sonst würden wir eine gute Platzierung wirklich verschenken", rät der erfahrene Coach. Immer und immer wieder. Dazu stoppt er den Film an maßgeblichen Stellen. Choreografin Ariane Schießler wirft ein, dass die Bilder stimmen müssen, um die Wertungsrichter zu überzeugen. Es wird gewarnt: Wer in der Achterreihe aus selbiger tanzt, hat eine Kiste Bier zu bezahlen.

 

Obwohl sich auf die Frage nach der Nervosität kein Athlet outen wollte, ist die Anspannung nun spürbar. Ebenso wie die innige Beziehung unter den Teammitgliedern, die sich gegenseitig durch die Haare kraulen, aufmunternd auf die Schulter klopfen oder einfach nur aneinander geschmiegt die Leinwand beobachten. Das hier ist eine verschworene Gemeinschaft. Einige Tänzer wirken in sich gekehrt, andere überspielen ihre Aufregung mit Gags und kecken Bemerkungen. Bei Spaßvogel Bastian Kalusche dürften sie freilich aus tiefstem Herzen kommen. Um den Optimismus zu wecken, zeigt Zimmermann abschließend nochmals Aufnahmen der starken Leistung des TSC bei der Deutschen Meisterschaft.

 

Die Aktiven sprechen sich Mut zu. Michael Lieberum ("Schreibt sich wie das Gefühl und der Alkohol") erzählt von seiner indischen Gastfamilie, die zwar "keine Ahnung hat, was ich genau mache, aber trotzdem auf dem Schirm hat, was eine WM ist und uns Glück wünscht". Beinahe jeder hat derartige Botschaften erhalten, Zimmermann gar ein Video der Musikgruppe "Wise Guys". Wie oft während der Besprechung das Wort "Weltmeister" fällt, ist erstaunlich. Vor allem für eine Mannschaft, deren offizielles Ziel lediglich der Finaleinzug ist. Aber intern liebäugelt man mit Größerem. Es wird Zeit. Zeit für die Nachtruhe. Und dann Zeit für den ganz großen Auftritt. Der TSC Schwarz-Gold ist heiß. Das Abenteuer Weltmeisterschaft hat endlich so richtig begonnen. Göttinger, drückt die Daumen!

20.00 Uhr

Endlich angekommen! Mit Ausrufezeichen. Zwar ist der Reisebus, mit dem das Göttinger Tanzsportteam nach Pécs gereist ist, komfortabel, und die Busfahrer Jürgen und Bernd sind äußerst nett, sich zwei Tage den Hintern platt zu sitzen, gleicht aber einer Tortur. Besonders die Athleten sind erleichtert, ihre Beine endlich für mehrere Stunden am Stück strecken zu dürfen. 

Tanz-WM in Pécs - der zweite Tag

Pécs macht auf den ersten Blick, der allerdings im Dunkeln auf Fünfkirchen geworfen wurde, einen sympathischen Eindruck. Die fünftgrößte Stadt Ungarns beherbergt etwa 145000 Einwohner und ist das Zentrum der Donauschwaben. Aldi, Lidl, Spar, sogar Fressnapf - die Universitätsstadt ist merklich deutsch geprägt. Auch sprachlich bestehen wenig Probleme. Im Gegensatz zum überwiegenden Teil Ungarns. An der Autobahntankstelle sprechen die Bediensteten keine Silbe Deutsch und Englisch. Auf fließendem Ungarisch parlieren sie in Richtung verdutzter Gesichter. Der Versuch von Handzeichen-Kommunikation wird erwidert - abermals auf feinstem Ungarisch. Zumindest gelingt es mir, das magyarische Wort für Danke dort zu lernen - zwei Minuten später ist es wieder vergessen. Eine Sprache so schwer wie Sigmar Gabriel.

Ein ganzes Stück enger als die Bande zwischen finno-ugrischer und germanischer Sprachfamilie sind die zwischen den Göttinger Tänzern. Neben Trainer Markus Zimmermann und seiner Frau Mieke, mit läppischen 29 Jahren bereits die Seniorin im Team, gibt es weitere Paare in der Formation. "Das kommt immer wieder vor. Ist ja auch kein Wunder, wenn man so viel Zeit miteinander verbringt", klärt Mieke Zimmermann auf. Dass sich unmittelbare Tanzpartner nicht nur sportlich, sondern auch amourös verbinden, ist hingegen nicht die Regel. "Die Tanzpaare bestimmen nämlich wir Trainer", berichtet Markus Zimmermann. Dabei sind Kriterien wie tänzerische Qualität, Körpergröße und Erfahrung ausschlaggebend. "Oft paaren wir auch Routiniers mit weniger erfahrenen Tänzern", sagt der Coach. Sollte es dann vorkommen, dass der reale Partner fürs Tanzen mit einem anderen Mannschaftsmitglied gekoppelt wird - "dann ist das eben so. Das gehört zu unserem Sport dazu. Und auch, wenn wir das immer wieder gefragt werden, gibt es da keine Eifersüchteleien", versichert Mieke Zimmermann.Ebenso harmonisch verläuft die Zimmerverteilung im adretten Vier-Sterne-Sporthotel mit schmuckem Wellnessbereich. Für den Abend ist im Restaurant ein gemeinsames Essen geplant, sobald zwei Neunsitzer-Kleinbusse mit weiteren Fans aus Göttingen eingetroffen sind. Anschließend soll eine kleine Videoanalyse für die Athleten folgen, ehe die Nachtruhe pünktlich eingehalten werden dürfte. Denn: Der Sonntag beginnt bereits gegen 4.30 Uhr mit dem Schminken.

11.51 Uhr

Kennen Sie "Radar"? Es ist der nervigste Weckton der Welt, der vor allem nach einer zu kurzen Nacht Journalisten dazu animiert, das Interieur ihres Hotelzimmers zerlegen zu wollen. Gott sei Dank sind Formationstänzer entspanntere Zeitgenossen. "Ein paar Stunden mehr Schlaf wären zwar nicht schlecht gewesen, aber wir sind es so gewohnt. Vor Turnieren verbringen wir oft noch weniger Zeit im Bett", sagt Winfried Reimann. So herrscht auch beim im Jugendherbergsstil gehaltenen Frühstück bereits eine gelöste Atmosphäre unter der Göttinger Reisegruppe. Diskutiert werden die Temperaturen im WM-Ort Pécs und wie viele Zuschauer sich am Sonntag wohl in der Arena einfinden.

Dann abermals Aufbruchstimmung: Als nächstes wird eine Halle in Wien angesteuert, wo ein weiteres Training stattfinden soll. Möglich machte diese zusätzliche Einheit der Nienburger Tanzlehrer Peter Krüger, Vater von TSC-Tänzer Dennis-Tim, der gut mit dem Göttinger Cheftrainer Markus Zimmermann befreundet ist und in Wien eine Latein-Formation betreut. Der Trip dorthin beinhaltet eine Stadtrundfahrt unter dem Motto "Wiens schönste Einkaufszentren, Tunnels und Wohnblocks". Ein Fan kalauert derweil: "Das sieht ja aus wie 'n Ort."

Am Zwischenziel angelangt, legen die Sportler in beeindruckender Manier den mentalen Schalter um. Umgehend ist Konzentration angesagt. Trainer-Ehefrau Mieke Zimmermann, Paula Staats und Steffen Sieber laufen sich noch auf dem Parkplatz warm, Reimann rauht mit einer speziellen Bürste die Sohle seiner Tanzschuhe auf, um auf dem Parkett nicht zu rutschen. Für die Tänzer geht es nun zum Training, die Anhängerschaft steuert die benachbarte Bäckerei Schwarz an, um die Sachertorte-Vorräte zu plündern. Sabine und Dirk Montag decken sich mit 40 Brötchen und allerlei Aufschnitt ein, um die Tänzer später zu versorgen. Obwohl ihre Tochter Michaela nicht mehr in der A-Formation tanzt, begleitet das Ehepaar ihr Team weiterhin. "Wenn das Virus einen gepackt hat, lässt es einen nicht mehr los", begründet Sabine Montag. So hat jeder im Umfeld seine Aufgabe.

Die von Choreografin Ariane Schießler ist es, der Formation den Feinschliff zu verpassen. Das tut die Berlinerin mit den Schuhen im Leoparden-Look, die bereits Mannschaften aus Berlin und Polen zum WM-Titel geführt hat, mit klaren Ansagen. "Die Bewegung geht in der Musik völlig unter", mahnt sie und fragt: "Wo ist da der Kopf?" Spezielle Sequenzen werden so lange wiederholt, bis sie sitzen. Es wird auf die Stellung der Fußspitzen und Beinbeugung geachtet. Dabei wird den Aktiven warm. Die Trainingsjacken fliegen nach fünf Minuten an die Hallenwand - obwohl sich selbst das Essen des Vorabends für die in der Halle vorherrschenden Temperaturen schämen würde. Zimmermann filmt das Geschehen wie ein Regisseur von erhöhter Position. Co-Trainer Peter Hahne achtet penibel auf die technischen Feinheiten.

Nach einer intensiven Stunde rollt der Reisebus weiter in Richtung Fünfkirchen. Prognostizierte Fahrzeit bis zur Destination: drei Harry-Potter-Filme. Vom Zielort wird der TSC-Vorsitzende Jens Wortmann morgen live via Twitter von der WM tickern. Auf dem Kanal @tanzsportteam sind seine Berichte zu lesen.

Sonnabend, 0.03 Uhr: Es war eine weise Entscheidung, die Anreise nach Pécs auf zwei Tage auszudehnen. Während beispielsweise die Konkurrenz des Deutschen Meisters aus Braunschweig die gut 18-stündige Fahrt in einer Tour bewältigt, dürfen die Göttinger Tänzer am Freitagabend nahe Wien zumindest ein wenig entspannen. Wobei: Im Bus fallen die Athleten keineswegs durch einen kräftezehrenden Lebensstil auf. Denn der gemeine Tänzer reist nicht sonderlich anders als der Otto-Normal-Sportler: Bananen und Süßkram futternd, abgeschirmt von Kopfhörern und Filme schauend. Wenngleich es in Zweifel zu stellen ist, ob sich zum Beispiel die Profi-Basketballer der BG Göttingen auf ihren Auswärtsreisen Harry Potter in Endlosschleife (und schon gar nicht in Deutsch) geben. 

Für die Partystimmung sind schon eher die mitreisenden Fans zuständig. "Wir sind ein verrückter Haufen", sagt Silvia Siegmann-Liwocha, die die Schwarz-Goldenen seit Jahren begleitet. Viele der Anhänger sind angestammtes Personal auf Roadtrips. Cheftrainer Markus Zimmermann und seine Freundin Mieke arbeiten dazu in Teilzeit als Babysitter, die Busfahrer Jürgen und Bernd flachsen ohne Unterlass. So lässt sich auch ein nerviger Stau rund 100 Kilometer vor der österreichischen Hauptstadt, die - Achtung, Bildungsauftrag! - im Übrigen als lebenswerteste Stadt der Welt gelistet wird, stressfrei und gut gelaunt überstehen.Apropos gute Laune: Die kommt beim Abendessen auf, das keine Wünsche offen lässt. Höhepunkt des Tages ist nämlich zweifellos der Besuch im Restaurant, dessen Speisequalität irgendwo zwischen "Gutes von gestern" und Vitakraft-Hamsterfutter rangiert, und das im Überlebenskampf in beinharter Konkurrenz zum benachbarten Snack-Automaten in der Hotellobby steht. Spezialität des Hauses ist Tiefgefrorenes. Wahlweise wird Schnitzel on the rocks oder Penne semifreddo serviert. Den TSC-Tänzern mundet es derart, dass sie die Gerichte schon nach wenigen Bissen untereinander feil bieten und gut gefüllte Teller als Gruß an die Küche zurückwandern lassen. "Das Beste war eindeutig die Cola", lobt Pascal Müller überschwänglich. Angesichts seiner Ernährung ist es wenig verwunderlich, dass der 24-Jährige aus Delmenhorst bei 1,91 Meter nur drahtige 82 Kilogramm auf die Waage bringt. Überhaupt sind die Formationssportler durch die Bank spindeldürr. "Wir bekommen zwar keinen Ernährungsplan, achten aber schon darauf, was wir in den Tagen und Wochen vor einem Wettkampf essen. Eine gute Fitness hilft natürlich extrem", erklärt Mieke Zimmermann. Einen Abend vor dem Turnier darf aber auf den Teller, "was immer wir wollen". Was das ist? "Immer Nudeln", betont die polnisch-stämmige Victoria Ghadiri und erntet zustimmendes Kopfnicken ihren Teamkollegen. Allerdings: Die Göttinger gabeln mit Vorliebe Pasta al dente, die bereits aus einem Soßenmeer gefischt wurde. Die kulinarische Messlatte für Ungarn liegt am Samstagabend also verdammt hoch.

13.07 Uhr: Das erste Etappenziel ist erreicht: Die Formation des TSC Schwarz-Gold hat die Grenze überquert. Nun ja, zumindest aus Sicht von Busfahrer Hans-Jürgen Mattausch: "Wir verlassen jetzt Deutschland", sagt er, als der komfortable Reisebus ein Schild mit der Aufschrift "Freistaat Bayern" passiert.
Und was machen Tänzer während einer langen Reise? Filme schauen. Glücklicherweise wird keiner der klassischen Tanzfilme eingelegt, sondern "Das fliegende Klassenzimmer". Cheftrainer und Bayern-Fan Markus Zimmermann liest derweil den Kicker, andere Mitreisende schlafen bis zur ersten Pause und laben sich später am Kaffee, den Bernd, der zweite Busfahrer - nicht zu verwechseln mit dem als Maskottchen fungierenden Brot -, kredenzt.
Auf dem Rastplatz sind alle Göttinger gut auszumachen. Dank blauer Ansteckbuttons, auf denen "Postmodern Jukebox - 2016 Weltmeisterschaft" geschrieben steht, zusätzlich versehen mit einem Bild der A-Formation. Initiator der Aktion war Tänzer Dennis-Tim Krüger, der dafür sorgt, dass die Buttons nun Jacken, Shirts und Hüte zieren.

13.01 Uhr: Der Himmel ist grau, es nieselt. Ein Rentner-Pärchen wartet bereits vor dem Clubhaus des ASC 46 auf die Ankunft des Reisebusses, der die Formationstänzer des TSC Schwarz-Gold am Freitag nach Wien und tags drauf weiter zur Weltmeisterschaft ins ungarische Pécs zur bringen soll. Nach und nach trudeln die Tänzer, die Hauptdarsteller dieses Wochenendes, am Treffpunkt ein. Cheftrainer Markus Zimmermann fährt vor - ihm rasselt erstmal die Süßigkeiten-Ration aus dem Kofferraum. Nervosität? Wohl eher das letzte Hurra des altersschwachen Kartons, der die Köstlichkeiten beinhaltete.
Im Clubhaus herrscht schon geschäftiges Treiben. Die Tänzer kramen ihre Sportkleidung aus dicken Reisetaschen hervor, Angestellte des ASC treffen zur Arbeit ein. "Um 8.20 Uhr beginnen wir mit den Clubhaus-Durchgängen", kündigt Zimmermann den finalen Test in Göttingen an. Noch einmal soll auf Parkett geprobt werden, was in den vergangenen Wochen auf PVC-Boden eingeübt wurde.
Während einige der anwesenden Zuschauer und Ungarn-Mitfahrer über Müdigkeit klagen, müssen die TSC-Athleten bereits aktiv werden. Zunächst mit einem sogenannten mentalen Durchgang. Hierbei geht jeder Tänzer die Choreografie nochmals im Kopf durch, die in München für knapp 40000 Euro komponierte und von einem Sinfonieorchester vertonte Musik läuft, getanzt wird allerdings nicht. Die Sportler wippen in sich gekehrt auf und ab oder stehen einfach nur rum, viele haben die Augen geschlossen, einige gleiten ein wenig übers Parkett. Die Szenerie erinnert stark an Skifahrer, die unmittelbar vor der Abfahrt in Gedanken über die imaginäre Strecke preschen. "Das ist ziemlich wichtig, damit die Abläufe abgerufen werden", erklärt Zimmermann.
Anschließend geht es richtig zur Sache. "Lasst uns zweimal richtig Vollgas geben. Danach können wir für den Rest des Tages umfallen", fordert Teamsprecher Steffen Sieber seine Mitstreiter auf. In der Tat wird sich ein Tänzer nach dem zweiten Durchgang vor Erschöpfung zu Boden fallen lassen. Mit viel Dynamik beginnt die Choreo, zwischendrin gibt es auch ruhigere Parts. Die Göttinger wirken hoch konzentriert. Zimmermann lächelt zufrieden, während er den Auftritt begutachtet, bemängelt anschließend aber einige Details. Das Kinn könne beispielsweise bei allen etwas höher sein. "Nun die letzte Probe auf deutschem Boden", sagt der Coach. Ein Scherzkeks aus den Reihen der Tänzer kontert: "Ich dachte, Österreich und Ungarn gehören auch zu Deutschland." Kurzes kollektives Lachen, dann abermals Vollgas. Sechs Minuten später ist die Musik verklungen, nur noch das Keuchen der Athleten zu vernehmen. "Damit können wir zufrieden sein", lobt Zimmermann seine schweißgebadeten Schützlinge.
In Zeiten von Selfie-Wahn und Smartphone-Sucht muss der Aufbruch natürlich für die sozialen Netzwerke festgehalten werden. ASC-Pressesprecherin Linda Volkmann leitet dazu die Mannequin-Challenge an, nimmt also ein Video auf, in dem alle Beteiligten wie zur Salzsäule erstarrt wirken, so als sei die Zeit stehen geblieben. Mitten in die Aufnahme platzt Michael Wiese - bekannt vom Miniturnier der BG 74 - herein, sichtlich verwundert über das skurrile Geschehen.
Dann geht es ins Freie. Die Tänzer suchen sich Plätze im Bus, achten dabei vor allem darauf, ihren schier endlosen Vorrat an Speisen sicher in den Netzen der Sitze zu platzieren. Auch die mitreisenden Fans steigen ein. Ralf Uschkurat, Papa des 16-jährigem Formationskükens Luisa Uschkurat, ist einer davon. "Das Talent hat sie vom Vater geerbt", verkündet der gut gelaunte Groß Schneener. Zum Scherzen ist auch Busfahrer Jürgen aufgelegt: Nachdem Zimmermann die Anwesenheit überprüft hat, empfiehlt der in Mannschaftskreisen beliebte Heiligenstädter den Herren, sich beim Urinieren zu setzen. "Damit es keine feuchten Knie gibt." Dann lässt er den Motor an und legt den Gang ein. Auf nach Ungarn. Die Mission WM-Medaille beginnt.