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Regional Freibad am Brauweg wird zur riesigen Zeltstadt
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21:07 26.06.2011
Fröstelnd am Beckenrand: Die Lufttemperatur lag am Sonnabend mit 15 Grad Celsius sieben Grad unter der des Wassers.
Fröstelnd am Beckenrand: Die Lufttemperatur lag am Sonnabend mit 15 Grad Celsius sieben Grad unter der des Wassers. Quelle: Theodoro da Silva
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78 Staffeln waren gemeldet. Knapp 2000 Starts an zwei Veranstaltungstagen – ein wahres Mammutprogramm für Organisatoren und Athleten. Nur das Wetter wollte am Sonnabend nicht mitspielen: Es blieb bedeckt mit einigen Nieselschauern, gelegentlich schüttete es auch mal richtig. Dafür entschädigte der Sonntag mit zunehmend sonnigen Abschnitten und milden Temperaturen.

Den Sieg im Mannschaftswettbewerb sicherte sich Ausrichter Waspo 08 mit 2145 Punkten. Traditionell wurde der Wanderpokal an den Zweitplatzierten, das Team des ASC 46 (698 Punkte), weitergereicht. Vorjahressieger TSV Pattensen belegte Rang 4 mit 624 Punkten hinter den Wasserfreunden Northeim (624 Punkte). Besonders deutlich wurde die Überlegenheit der Waspo-Schwimmer bei den Staffeln: Von neun Rennen gewannen sie sieben, zweimal hatte DT Bremen die Nase knapp vorn. Erfolgreichster Schwimmer war Rico Paul (Jahrgang 1998), der sich neun Goldmedaillen sicherte. Acht mal ganz oben auf dem Treppchen stand Sebastian Kamlot, Miriam Zimmer erschwamm sieben mal Gold. Auch der Waspo-Nachwuchs zeigte sich in Erfolgslaune: Julia-Sophie Steinmetz (Jahrgang 2002) sicherte sich wie Kevin Fuhrmann (Jahrgang 2001) sechsmal Gold.

„Für die Schwimmer ist der Regen nicht sehr erfreulich“, sagt Waspo-Abteilungsleiter Klaus Pense. „Die Wassertemperatur beträgt 22 Grad, draußen sind es nur 15“, erläutert er die erschwerten Bedingungen. Nach dem Schwimmen helfe nur „heiß duschen und warm anziehen bis zum nächsten Sprung ins Becken“, um Erkältungen vorzubeugen. Das Hauptbecken war während der Wettkämpfe für die Sportler reserviert, Sprungbecken und Nichtschwimmerbereich aber für Besucher geöffnet. „Bei dem Wetter stören wir da wenigstens keinen“, spielt Pense auf die gegen null tendierende Anzahl zahlender Freibadgäste an. „Das Wetter können wir nicht kaufen“, nimmt er die Launen Petrus’ mit Humor. „Dafür ist das Wasser sehr schnell“, gute Zeiten seien trotz des Regens möglich gewesen. Dies hätten ihm bereits mehrere Starter bestätigt.

Die Organisation verlaufe reibungslos, 50 Helfer und 45 Kampfrichter gingen mit „großem Engagement zu Werke“, ohne diese Freiwilligen „wäre eine solche Veranstaltung nicht möglich.“ Tradition habe mittlerweile das Zelten auf dem Freibadgelände, für die Kinder wurde nach der sportlichen Betätigung am Sonnabend noch eine Disco veranstaltet. Auch für Verköstigung war gesorgt, das Lieblingsgericht der Kinder, „Currywurst mit Pommes“ stand weit oben auf der Bestellungsliste. „Über 200-mal Frühstück, Mittag- und Abendessen gehen über den Tresen“, weiß Pense. Die Stimmung war das gesamte Wochenende über gut, die Kinder entspannten sich zwischen den Wettkämpfen beim Frisbee oder in der Wasserrutsche, einige sprangen auch vom Fünf-Meter-Brett. Überraschungen gab es natürlich auch: So kam als Reaktion auf das über die halbe Anlage gerufene „Du bist Dritter im Freistil“ ein lauter Jubelschrei aus einer der Umkleidekabinen.

„Die Organisation ist spitze, die Kinder sind zufrieden, und am Wetter kann man nichts ändern“, fasst Silke Harenberg, Trainerin beim Polizei SV Braunschweig, ihre Eindrücke zusammen. Mit 20 Teammitgliedern ist sie angereist, „freundlicherweise hat uns die Waspo ein großes Gemeinschaftszelt zur Verfügung gestellt. Warme Klamotten und Schlafsäcke haben wir sowieso dabei, insofern ist der Temperaturunterschied zwischen Becken und draußen kein Problem“, erläutert die fünfmalige Weltcupsiegerin im Quadrathlon. Diese Disziplin besteht aus Schwimmen, Laufen, Radfahren und Kanufahren.

Auch Kathleen Wolf, Jugendwartin des TSV Leipzig 76, hat „nichts zu meckern.“ Das Wetter sei nicht wichtig, man könne es sowieso nicht ändern, „zum Glück“, wie sie findet. „Das wäre ja furchtbar, wenn man das auch noch vorbestellen könnte“, scherzt sie. 31 Kinder stehen an diesem Wochenende unter ihrem Kommando, und „alles ist sehr gemütlich.“ Wie um ihre Worte zu unterstreichen, richtet sich urplötzlich in der hinteren Ecke des riesigen Zelts ein Schlafsack auf und ein ausgeschlafenes, rundum glückliches Jungengesicht kommt zum Vorschein, das aussagt: „Schön ist’s hier“.

Von Tobias Christ