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Göttingen: Pongratz und Arriagada Krüger holen Boulder-Titel

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19:00 14.09.2020
Die Wolfsburgerin Hannah Pongratz, die für Hannover startet, ist bei den Nord-Ostdeutschen Meisterschaften 2020 im „BiG“ nicht zu schlagen. Quelle: Foto: R
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Göttingen

Elias Arriagada Krüger vom AlpinClub Berlin und Hannah Pongratz vom AlpinClub Hannover heißen die nord-ostdeutschen Champions 2020 im Bouldern: Bei den sogenannten Regionsmeisterschaften Nord-Ost in der Kletterdisziplin ließen die beiden am Sonnabend in der Halle des „BiG“ (Bouldern in Göttingen) die Konkurrenz hinter sich.

Beim Bouldern kommt es auf stahlharte Muskeln und strapazierfähige Gelenke an, aber auch auf Präzision und Konzentration – das macht die Sportart so beliebt. In der Halle des „BiG“ in Göttingen traf sich am Sonntag die Crème de la Crème des nord-ostdeutschen Sportkletterns.

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Nicht nur in der Finalrunde ist Bouldern stets ein Kampf gegen die Uhr, denn ein Boulder, eine Aufgabenstellung, die auch als „Problem“ bezeichnet wird und mit mehreren „Griffen“ (Haltemöglichkeiten) an der Wand angebracht ist, muss in vier Minuten durchstiegen sein. Auf dem Weg zum Topgriff gibt es leichtere und schwerere Griffe, wer gleich im ersten Versuch bis zum Topgriff durchsteigt, also prompt die Lösung findet und dabei den gelben Strich, den Bonus, passiert, erhält die Maximalpunktzahl. Abzüge gibt es, wenn mehrere Versuche vonnöten sind und/oder auf halbem Weg Schluss ist.

35 Kletterer sind bei den Titelkämpfen dabei

In der Herrenkonkurrenz sind in der Halle des „BiG“ 21 Herren und 14 Damen am Start, ein „kleines, aber erlesenes Feld“, wie Ingo Simon, bei der Sektion Göttingen des DAV für den Klettersport zuständig, betonte. „Wir haben eine Zeit mit wenigen Wettkämpfen hinter uns. Man hat den Athleten teilweise angemerkt, dass sie aus dem Klettermodus raus sind.“ Dazu kommen 30 Helfer, darunter 20 Schiedsrichter. Ausrichter war diesmal die Sektion Göttingen des des Deutschen Alpenvereins (DAV).

Siegerehrung bei den Herren. Quelle: R

Die Helfer müssen bei Wettkämpfen unter anderem kontrollieren, ob die Isolation eingehalten wird – quer durch die Halle ist ein Vorhang gespannt, der gewährleisten soll, dass Boulderer, die später in den Wettkampf einsteigen, keinen Blick auf die Versuche, die eingeschlagenen Routen der Konkurrenten, erhaschen. Vor dem Wettklettern ist eine Besichtigung erlaubt.

Siegehrung bei den Damen. Quelle: R

Alma Bestvater aus Weimar, amtierende Deutsche Meisterin, muss sich bei den Titelkämpfen in Göttingen hinter Titelverteidigerin Hannah Pongratz mit dem zweiten Platz begnügen. „Es war auf jeden Fall schwer, bei mir lief es aber so wie vorgestellt“, sagte die 18-jährige Wolfsburgerin, die für Hannover startet. Vor allem aber freute sich Pongratz, „endlich mal wieder bouldern zu können“ – die vergangenen Monate sei die längste Zeit ohne Wettkämpfe in den vergangenen sieben Jahren gewesen. Dritte in der Damenkonkurrenz wurde Lucia Dörffel von der DAV-Sektion Chemnitz.

Auch bei den Herren gewinnt der Titelverteidiger

Bei den Herren triumphierte mit Arriagada Krüger ebenfalls der Titelverteidiger. „Ich habe mich eigentlich nicht so wohl gefühlt, war etwas übertrainiert“, sagte der 19-Jährige, dessen Fokus nun auf den Deutschen Meisterschaften am kommenden Wochenende in Augsburg liegt. „Ich lasse mich überraschen. Eigentlich ist es immer ein Kopfsache, man muss cool bleiben“, ergänzte er. Auf den Plätzen: Linus Raatz (ebenfalls Berlin) und Lasse von Freier (Hannover).

Klettern ohne Seil

Der Name Bouldernkommt von englisch boulder (Felsblock). Gemeint ist das Klettern ohne Kletterseil und Klettergurt an Felsblöcken, Felswänden oder an künstlichen Kletterwänden in Absprunghöhe (das heißt bis zu einer Höhe, aus der ohne Verletzungsgefahr von der Wand abgesprungen werden kann). Seit den 70er-Jahren ist das Bouldern eine eigene Disziplin des Sportkletterns und hat vor allem seit den 90er-Jahren eine rasante Entwicklung erlebt. Der Boulderweltcup findet seit 1998 statt. Bei den Kletterweltmeisterschaften 2001 in Winterthur war die Disziplin erstmals bei einer Weltmeisterschaft präsent. Bei den Olympischen Spielen in Tokio soll im sogenannten „Olympic Combined“ um Medaillen gekämpft werden, also in einer Kombination aus Bouldern, Lead- und Speedklettern.

Klettern ist ein Boom-Sport, wenn Corona nicht dazwischen gekommen wäre, hätte Bestvater Deutschland bei der Olympia-Premiere in Tokio vertreten. Was macht den Sport aus? „Es ist zum einen der Fitness-Gesichtspunkt, die Kraft, zum anderen der mentale Aspekt, die Herausforderung. Denn es gibt immer neue Probleme, die man lösen muss. Es wird nie langweilig“, sagt Torsten Ihlemann, „BiG“-Geschäftsführer und beim DAV-Landesverband Nord für Wettkämpfe zuständig. Die besten Boulderer, ergänzt er, seien effizient – und vielseitig.

Sie erreichen den Autor unter E-Mail: e.warda@goettinger-tageblatt.de 

Von Eduard Warda