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Regional Göttinger TM-Sportschule bietet umstrittene Kampfkunst-Disziplin an
Sportbuzzer Sportmix Regional Göttinger TM-Sportschule bietet umstrittene Kampfkunst-Disziplin an
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15:44 15.10.2013
In der Zange: Trainer Roman Mieczkowski (links) demonstriert mit Schüler Maxim Denisenko einen Würgegriff. Quelle: Theodoro da Silva
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Göttingen

Befürworter weisen indes darauf hin, dass das Risiko schwerer Verletzungen, insbesondere im Kopfbereich, erheblich geringer sei als etwa beim Boxen.

Roman Mieczkowski, Leiter und Trainer der Göttinger TM-Sportschule, bietet den Vollkontaktsport seit zwei Jahren an. MMA, vor rund 30 Jahren aus Brasilien und den USA nach Europa geschwappt, verbindet die Schlag- und Tritttechniken des Boxens, Kickboxens, Karate und Thaiboxens (Muay Thai) mit den Bodenkampf- und Ringtechniken (Grappling) von Brazilian Jiu Jitsu, Ringen, Judo und des in Russland entwickelten Sambo.

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Gerade trainiert Mieczkowski vier junge Athleten im Grappling. Hier werden komplexe Techniken einstudiert, die aus vielen, genau aufeinander abgestimmten Schritten bestehen. Sie heißen Chokes oder Armbars und werden bis ins Detail abgestimmt. Gerade kniet der 19-jährige Roman Schwarz über dem 28-jährigen Ibrahim Inci.

Beide kämpfen in der Weltergewichtsklasse, deren Obergrenze bei 77 Kilogramm liegt. Schwarz bemüht sich, seine Fäuste zwischen Brustkorb und angewinkelte Oberarme seines Kontrahenten zu bohren, was der zu verhindern versucht. Der Jüngere deutet eine Drehung nach links an. Inci entspannt seinen Körper für einen Moment, in Erwartung, reagieren zu müssen.

Doch Schwarz rollt sich nach rechts und schlingt seine Beine um die von Inci. Der kann sich nicht mehr bewegen und signalisiert durch Abklopfen, dass er aufgibt. Jeder Versuch, der Umklammerung zu entkommen, wäre mit einem schmerzhaften Ziehen in seinen Bändern verbunden.

In der nächsten Übung demonstriert Mieczkowski einen höchst effektiven Würgegriff, der nach dem Prinzip der Schraubzwinge funktioniert. Ziel ist hier, den Hals des Gegners in der Kniebeuge einzuklemmen.

Beim „Choke“ Kehlkopf schützen

„Fuß nachziehen, seine Halsschlagader ist dort. Wenn du dann enger ziehst, wird er abklopfen“, erklärt Mieczkowski einem seinem Schützling Maxim Denisenko. Der Trainer achtet besonders darauf, dass bei diesem Griff, einem „Choke“, der Kehlkopf geschützt bleibt.

In der TM-Sportschule werden vor allem Combat-Sambo und Allkampf Pro trainiert. Inci, genannt Ibo, belegte im Allkampf-Turnier 2012 in Berlin den zweiten Platz seiner Gewichtsklasse. Stolz berichtet er: „Es waren ungefähr 400 Zuschauer da und circa 40 Kämpfer.

Die Stimmung war genial.“ Incis Technik im Allkampf wird vom Jeet-Kwan-Do dominiert, einer Variation des Taekwando.

Dass viele MMA nicht als Sport ansehen, empört ihn: „Das hier ist Sport. Ich prügele mich ja schließlich nicht auf der Straße. Die Kunst des Kampfes liegt darin, nicht zu kämpfen“, doziert er ein wenig nebulös. Fairness sei ihm wichtig.

„Da ist kein Hass oder so etwas"

Als sein Gegner im Berliner Kampf sich eine blutende Wunde zugezogen hatte, habe er dies sofort dem Schiedsrichter gemeldet. „Da ist kein Hass oder so etwas. Wir geben uns vor dem Kampf die Hand. Danach haben wir uns umarmt und geredet“, berichtet Inci.

Auch Mieczkowski weiß um das negative MMA-Image, hält die Kritik aber für ungerechtfertigt und überzogen. In seiner TM-Sportschule leitet der Doktorand am Sportinstitut der Universität Göttingen auch Selbstverteidigungskurse für Kinder.

Darüber hinaus besuchen Mieczkowski und sein Vater Tadeusz, ein studierter Sportpädagoge, regelmäßig Schulen, um junge Menschen in Sachen Gewaltprävention zu unterrichten.

Von Sven J. Jenssen