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Regional Göttingerin Birte Kressdorf sucht nach der Ärmelkanal-Querung Ruhe
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17:55 19.09.2014
Von Kathrin Lienig
Erste Etappe im Ärmelkanal: Bei optimalen Bedingungen schafft Birte Kressdorf dreieinhalb Kilometer im 18 Grad kühlen Salzwasser. Quelle: EF
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Göttingen

Gemeinsam mit Jörg Büttner, Nadja Karlson und Andreas Farrenkopf war die Langstrecken-Spezialistin der Waspo 08 von Dienstagmittag bis in die Nacht zu Mittwoch die 33 Kilometer durch den Ärmelkanal geschwommen.  

Auch nach zwölf Stunden Schlaf im Göttinger Bett „bin ich noch wahnsinnig müde“ berichtete die 24-Jährige. Außerdem sei eine Erkältung im Anflug und ihre Mundhöhle durch das Schlucken des Salzwassers „total entzündet“. Viel Ruhe wird sich die Physikstudentin am Wochenende im heimischen Bad Fallingbostel gönnen.

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„Meine Mutter hat schon gesagt, dass ich all meine dreckige Wäsche mitbringen kann und gefragt, was sie mir kochen soll“, erzählt Kressdorf. Besondere Wünsche hat sie nicht, „nur salzarm soll es sein“.

„Von Zwei-Meter-Wellen nur hin- und hergeschaukelt“

Vier einstündige Etappen ist die Freiwasser-Spezialistin geschwommen, damit eine mehr als ihre Staffelkollegen. Die erste, gestartet von einem Kiesel-Strand nahe Dover, sei angenehm gewesen. Im „superglatten“, 18 Grad frischen Wasser schaffte die Wettkampfschwimmerin etwa dreieinhalb Kilometer. In ihrem zweiten Durchgang am späten Nachmittag wurde Kressdorf „von den Zwei-Meter-Wellen nur hin- und hergeschaukelt“.

Zwar habe zu diesem Zeitpunkt auch noch die Sonne geschienen, doch habe sie viel Wasser geschluckt. „Das war einfach nur anstrengend.“ Stockdunkel war es, als sie das dritte Mal ins Wasser gestiegen ist. Mit je einem Knicklicht am Badeanzugträger und hinten an der Schwimmbrille war sie selbst ebenso spärlich beleuchtet wie das Boot, das gerade mal einen Lichtpegel von etwa zwei Metern im Wasser bot.

„Diese Verhältnisse kannte ich überhaupt nicht. Es ist einfach nur unheimlich, im pechschwarzen Wasser zu schwimmen. Da musst du dich drauf verlassen, dass der Aufpasser im Boot auch tatsächlich auf dich aufpasst.“ Entfernt zu sehende, beleuchtete Kreuzfahrtschiffe waren in dieser Situation ein echter Lichtblick.

Wirklich abenteuerlich wurde die letzte Etappe vor der französischen Küste. Weil Nebelschwaden die Sicht behinderten, wurde Kressdorf die letzten 900 Meter nur noch von einem motorbetriebenen Schlauchboot begleitet. Als sie im knietiefen Wasser an der französischen Küste westlich von Calais stand, sah sie im Dunkeln nur den Leuchtturm und ein paar Häuser.

„In allen Lagen geschlafen“

Dann ging es im Badeanzug frierend im Schlauchboot zurück zu den Teamkameraden und weiter nach Dover, wo sie nach gut drei Stunden den Hafen erreichten. Im schnellen Boot zurück habe sie „in allen Lagen geschlafen“.

Von Seekrankheit, die sie zuvor in den Schwimmpausen auf dem Boot – trotz Kautabletten – geplagt hatte, nun keine Spur mehr. „Später haben wir in unserem Apartment noch gegessen und sind dann müde ins Bett gefallen.“

Ihr Trainingspensum wird Kressdorf jetzt langsam herunterfahren und abtrainieren. Den Ehrgeiz, noch einmal allein durch den Ärmelkanal zu schwimmen, hat sie nicht. „Zwölf Stunden sind mir zu langweilig. Dann lieber den Bodensee in vier Stunden.“ Aber erst nach dem Master-Abschluss und der Promotion.

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Exakt 13 Stunden hat es gedauert, dann war die Querung des Ärmelkanals perfekt. Das Viererteam mit Waspo-08-Schwimmerin Birte Kressdorf war am Dienstagmittag, 16. September, im englischen Dover ins Wasser gestiegen und hatte am Mittwoch gegen 2.15 Uhr das französische Festland erreicht.

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