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Regional Inklusion beim SCW Göttingen durch „Tischtennis auf Augenhöhe“
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12:42 07.01.2020
Inklusiver Tischtennislehrgang des SCW Göttingen: Charly Weber (links) spielt mit Arnd von Rundstedt. Quelle: Pförtner
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Weende/Eichsfeld

Begeisterte Tischtennisspieler aller Altersklassen – mit und ohne Handicap – haben bei der siebten Auflage des inklusiven LehrgangsTischtennis auf Augenhöhe“ die Weender Sporthalle am James-Franck-Ring bevölkert. Ausrichter war erneut der SCW Göttingen mit Unterstützung des Tischtennis-Fördervereins.

Wie im Vorjahr war der Paralympics-Sieger und zweifache Vize-Europameister Karl-Heinz „Charly“ Weber (60) verantwortlich für die Trainingsinhalte. „Jeder, der nicht am Computer sitzt und ein- bis zweimal in der Woche Sport treibt, ist ein Gewinn“, sagte Weber zwischen den Trainingseinheiten. Wegen einer Querschnittslähmung sitzt der 60-Jährige im Rollstuhl und bezeichnet sich selbst als „sportverrückt“.

Acht Übungsleiter sind beim Lehrgang im Einsatz

Mit viel Spaß wetteiferten 46 Spieler aus Lüneburg, Celle, Braunschweig, Bovenden, Krebeck und Wiehl/Nordrhein-Westfalen sowie fünf Rollstuhlfahrer unter anderem aus Holland und der Schweiz an 25 Tischtennisplatten. Angeleitet wurden sie von acht Übungsleitern. Zum ersten Mal dabei: die Göttinger Heinrich-Böll-Schule.

„Es war wieder ein gelungener Lehrgang mit sehr motivierten und interessierten Teilnehmern – ohne jede Berührungsangst“, sagte Joachim Vogt, SCW-Jugendwart und Trainer. Momentan spielen sieben Herren- und vier Jugendmannschaften gemeinsam mit Behinderten für den SCW um Punkte. Besonders begeistert war der 17-jährige Hyobin von „Charly“ Weber. „Er ist als Spieler und als Trainer sehr kompetent. Mit seinem Wissen kann er uns sehr viel beibringen“, sagte der in Südkorea geborene und in Göttingen lebende Sportler.

Weber stellte Spielern und Trainern eine im Leistungszentrum Düsseldorf und in der Nationalmannschaft erprobte Trainingsmethode vor: Der Spieler erhält am Oberkörper ein Trapezgeschirr, das mit einem Bungee-Seil verbunden ist. Dieses wird von einem Mitspieler nach hinten auf einen optimalen Zugwiderstand gehalten. Der Spieler wird von dem Bungee-Seil nach hinten gezogen – Stress pur für Rumpf und Beine. „Diese Krafteinheit hat eine hohe Intensität“, erläutert Vogt.

Auch die vom Duderstädter Unternehmen Ottobock wieder zur Verfügung gestellten Rollstühle wurden intensiv genutzt. Hier machten Nichtbehinderte („Fußgänger“) ihre Erfahrungen aus einem neuen Blickwinkel. „Die Rollstühle kommen hier so gut wie nie zum Stillstand“, unterstrich Weber.

Neurologin verfolgt Lehrgang mit Interesse

Abermals zeigte medizinisches Fachpersonal Interesse an dem inklusiven Tischtennis-Event: Oberärztin Dr. Jana Zschüntsch von der Neurologie der Universitätsmedizin Göttingen behandelt Menschen mit neuromuskulären Erkrankungen (Muskelschwund). Sie sah Ansatzmöglichkeiten, Patienten aus medizinischer Sicht für den Tischtennissport zu begeistern.

„Viele Patienten mit einer Muskelschwäche verlieren besonders im späten Teenageralter oder ab 20 Jahren ihre Gehfähigkeit und sind mit defizitären Gefühlen konfrontiert“, erläuterte die Ärztin. Aus neuromuskulärer Sicht sei Sport wünschenswert, weil gerade die Rumpfstabilität wieder deutlich verbessert werden könne und natürlich auch die psychische Situation.

Einbindung gehandicapter Sportler beim SCW Göttingen

Seit mehr als 25 Jahren beschäftigt sich die Tischtennis-Abteilung des SCW Göttingen mit der Einbindung gehandicapter Sportler. Dabei hat sich eine enge Zusammenarbeit mit der Heinrich-Böll-Schule und ihren Schülern entwickelt, die immer wieder den Weg in die Sporthalle finden. Außerdem entstand 2014 der sogenannte grenzenlose Tischtennis-Lehrgang, der jährlich stattfindet und Anfang Januar bereits zum siebten Mal ausgerichtet wurde. Dabei geht es laut SCW darum, „Vorurteile gegenüber behinderten Menschen abzubauen, miteinander zu trainieren und mit Hilfe von Rollstühlen die fremde Perspektive wahrzunehmen“.

Einige Patienten hätten zwar Interesse, aber noch Scheu, am Sport teilzunehmen, berichtete Zschüntsch. Sie hätten Angst, den Übungen nicht gewachsen zu sein. In dieser Hinsicht hoffe sie, dass Personen wie Matthias „Matze“ Kleinert, Rollstuhlfahrer und aktiver SCW-Tischtennisspieler, „ihnen die Angst nehmen kann und seine positiven Erfahrungen den Patienten mitteilt“.

Für das Modellprojekt „Sport auf Augenhöhe“ hat der Landessportbund (LSB) Niedersachsen den SCW Göttingen mit dem Inklusionspreis 2017 ausgezeichnet. Die Veranstalter planen für Januar 2021 die achte Auflage.

Von Helmut Latermann

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