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Regional Kachel: Zahlungen sind „völlig falsches Signal“
Sportbuzzer Sportmix Regional Kachel: Zahlungen sind „völlig falsches Signal“
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18:55 19.08.2011
Ziel für Nachwuchsteams: Den Aufstieg in die Bezirksliga – wie der SC Hainberg – wollen alle.
Ziel für Nachwuchsteams: Den Aufstieg in die Bezirksliga – wie der SC Hainberg – wollen alle. Quelle: SPF
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Göttingen

Kachel ist seit vielen Jahren als Spielleiter im Jugendbereich des Fußballs tätig und hat daher auch so einiges erlebt und zu erzählen. Als Ehrenamtlicher, der „täglich zwei Stunden für den Jugendfußball vor dem Computer verbringt“, ist dies auch sein gutes Recht. Was also gibt es Neues im Jugendfußball? „Dieses Jahr schließen sich 14 A-und B-Junioren-Teams aus dem Kreis Osterode an den Kreis Göttingen an. Dies soll 2013/2014 auch mit den restlichen 98 Osteroder Teams passieren“, erklärt Kachel, der seit fünf Jahren in Peter Drebelow einen verlässlichen Partner in Sachen Spielbetriebvorbereitung gefunden hat.

Zudem soll einiges im Bereich Fair Play passieren: „Wir halten die Jugendtrainer dazu an, dass sich auch die Kleinsten vor Spielbeginn gegenüber treten und sich sportlich fair abklatschen. Zudem wird eine Eltern-Fanzone erprobt, die verhindern soll, dass ein Neunjähriger mit dem Ball immer weiter dribbelt, nur weil Opa am Rand mit dem Fünf-Euro-Schein wedelt“, erklärt Kachel.

Überhaupt scheint das Thema Geld im Jugendfußball Kachel am Herzen zu liegen. So beklagt er, dass sich noch spielberechtigte A-Jugend-Landesligaspieler von Kreisliga-Herrenmannschaften anderer Vereine abwerben lassen, weil sie dort 50 Euro im Monat bekommen. Dies mache viel im Jugendfußball kaputt und sei ein „völlig falsches Signal“, so Kachel. Auch das ständige Abwerben der Spieler unter den Jugendvereinen beklagt der Funktionär, der sich zu der Aussage „Da ist der Göttinger Jugendfußball schon genauso ein Sumpf wie im Herrenbereich“ hinreißen lässt. So würden beispielsweise viele Eichsfelder Jugendvereine nur noch für die Kreisklasse melden, da sie Angst hätten, in der Kreisliga ihre Spieler an die Göttinger Vereine zu verlieren.

Klare Worte eines Ehrenamtlichen, der scheinbar vieles leid ist. „Ich habe das Gefühl, dass im Jugendfußball zu viele Einzelinteressen verfolgt werden, statt an die Kinder zu denken“, macht Kachel klar, der im letzten Jahr selbst konsequent agierte und nach 28 Jahren den SCW in Richtung SG Lenglern/Harste verließ. „Mir wurde da zu oft Parteilichkeit vorgeworfen“, so der Übungsleiter, der nun nur noch einfaches Vereinsmitglied sein will.

Auch die Neugründung des JFV Göttingen sieht Kachel durchaus kritisch: „Im Grunde genommen ist so etwas nicht verkehrt. Allerdings gibt es dabei immer ein gewisses Risiko: Wenn das Konstrukt nicht funktionieren sollte, verliert der RSV 05 seine lang erkämpften hohen Klassen und muss von vorn beginnen. Ich hoffe sehr, dass sich alle Teilnehmer dieser Verantwortlichkeit für den Göttinger Jugendfußball bewusst sind.“

Bleibt nur noch die Frage zu klären, was jemand, der seine gesamte Freizeit dem Ehrenamt widmet, zur Entspannung unternimmt? Kachel lacht: „Ich bin absolut vernarrt in Doppelkopf. Ich spiele in der Online-Bundesliga“, und fügt mit einem Zwinkern hinzu: „Der Aufstieg in die Europa League ist fest eingeplant.“

erk