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Regional Kremer: „Man darf sich nicht entmutigen lassen“
Sportbuzzer Sportmix Regional Kremer: „Man darf sich nicht entmutigen lassen“
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18:18 29.11.2011
Balanceakt in luftiger Höhe: Heribert Kremer beim Slacken auf dem Albaniplatz. Quelle: Vetter
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Das fünf Zentimeter breite, fest verwebte Band schwingt ein wenig hin und her, als Heribert Kremer darauf balanciert. Durch kleine Bewegungen der ausgestreckten Arme kann er die Schwingungen aber schnell ausgleichen. Bis der 27-Jährige Göttinger den ersten Salto auf dem Band hinlegt, sieht das „Slacken“ (sprich: Släkken) gar nicht so schwierig aus. Doch selbst das simple Geradeaus-Balancieren auf der Slackline ist alles andere als einfach. „Beim ersten Versuch scheitern viele, man darf sich davon aber nicht entmutigen lassen“, sagt Kremer. Fast jeder, der ein paar dutzend Male versuche, auf der Slackline zu laufen, könne es nach ein paar Stunden. „Wer sich besonders doof anstellt, braucht vielleicht einen Tag.“

Die große Frage für den Schwierigkeitsgrad ist: Wie fest und wie weit wird die Slackline gespannt? „Häufig spannt man sie bei gutem Wetter zwischen zwei Bäumen“, erzählt Kremer. Der Abstand betrage für gewöhnlich zwischen 15 und 30 Metern. Wird die Slackline mit einer Kratsche relativ fest gespannt, gelingt das Balancieren leichter. Da das Band aus einem sehr eng gewebten Stoff besteht, kann es – straff gespannt – kaum schwingen.

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Anders sieht es bei so genannten Rodeo Lines aus. Diese werden relativ locker gespannt und erhöhen den Schwierigkeitsgrad enorm. Befindet sich der Körperschwerpunkt nicht genau über dem Band, beginnt es zu schwingen, und man fällt herunter. Zur größeren Abwechslung kann man die Slackline außerdem auf drei weitere Arten spannen, erklärt Kremer: „Die Highline wird einen Meter oder höher über dem Boden gespannt, die Longline ist mindestens 80 Meter lang, und die Waterline verläuft über einen Fluss oder See.“

Letztere Möglichkeit ist vor allem im Sommer bei Slackern auf der ganzen Welt beliebt. „Neben dem offensichtlichen Grund, dass man sich vom anstrengenden Sport mal eben im Wasser erholen kann, hat die Waterline den Vorteil, dass sie das Verletzungsrisiko enorm verringert“, sagt Kremer. Das ist nämlich vor allem für Fortgeschrittene nicht zu unterschätzen. Während Anfänger meist relativ vorsichtig und an der Hand von Hilfspersonen über die Slackline laufen, probieren Fortgeschrittene gerne mal etwas Neues aus. „Wenn man dann nach einem Salto nur einen Tick versetzt aufkommt, rutscht die Slackline sofort weg, und das kann verdammt weh tun“, spricht Kremer aus eigener Erfahrung.

Trotzdem ist der Geografie-Student weiterhin vom Slacken begeistert: „Es entspannt mich total, weil man sich beim Slacken auf nichts Anderes konzentrieren kann.“ Vor zwei Jahren hat Kremer  das Slacken in Wien bei einer Freundin zum ersten Mal ausprobiert. Seitdem verbringt er einen Großteil seiner Freizeit im Park auf der Slackline, wenn das Wetter einigermaßen trocken ist. „Und obwohl man alleine auf der Slackline steht, ist es trotzdem ein total geselliger Sport“, sagt Kremer. Zum einen wechseln die Sportler sich regelmäßig ab, weil das Balancieren auf dem Band ein Höchstmaß an Konzentration und Anstrengung erfordert. Zum anderen bleiben sehr häufig Leute stehen, die Fragen zu der Trendsportart haben und diese auch einmal ausprobieren wollen.

In den meisten Fällen stellen Probierfreudige fest, dass das Slacken doch nicht so einfach ist wie es aussieht. „Ein guter Gleichgewichtssinn, die Anspannung der inneren Muskulatur und ein bisschen Intuition sind das A und O fürs Slacken“, erklärt Kremer. Seine Erfahrung: Vor allem Kinder lernen das Slacken sehr schnell. Doch nach oben sind der Trendsportart kaum Altersgrenzen gesetzt. Kremer erzählt: „Meine Mutter ist 64. Sie hat neulich im Garten angefangen zu slacken und macht ziemlich schnell Fortschritte. Es ist also nie zu spät, damit anzufangen.“

Von Marina Engler