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Regional Leichtathletik-Europameisterschaften der Senioren
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21:05 05.09.2014
Von Vicki Schwarze
Quelle: Theodoro da Silva (Symbolfoto)
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Tiftlingerode/Izmir

Und da in Deutschland in diesem Sommer nicht so hohe Temperaturen vorherrschten, flog sie einfach in die Türkei, ein Land mit einer um diese Jahreszeit ziemlich verlässlichen Hitzeperiode. Gebauer hatte die Hafenstadt Izmir im Visier, aber nicht etwa, um dort Urlaub zu machen.

Sie nahm an den Leichtathletik-Europameisterschaften der Senioren teil. Mit zwei Silbermedaillen über die 10 000 Meter und die 4x100-Meter-Staffel und zwei Bronzemedaillen über 5000 Meter und die 4x400-Meter-Staffel lohnte sich das Schwitzen für die 60-Jährige auf jeden Fall.

„Ich liebe es, bei Hitze zu laufen, aber 39 Grad waren selbst mir ein bisschen viel“, erzählt Elisabeth Gebauer. Wobei die Temperaturen auf der Bahn sogar noch viel höher lagen. Doch die Leichtathletin der LG Eichsfeld kämpfte sich durch, denn schließlich wollte sie sich ein großes Ziel erfüllen, hatte sie doch noch nie eine Medaille auf der Bahn gewonnen.

Als beste Deutsche ins Ziel

Vier Tage vor Wettkampfbeginn machte sie sich gemeinsam mit ihrem Mann Helmut, der auch seit Jahren als ihr Trainer fungiert, auf den Weg. Die Eingewöhnungsphase tat ihr gut, denn gleich in ihrem ersten Rennen über die 10 000 Meter präsentierte sie sich in ausgezeichneter Form.

„Das Rennen war schon morgens um sieben Uhr, aber auch da waren es schon 27 Grad“, erinnert sich die Eichsfelderin. Sie teilte sich die 25 Stadionrunden sehr gut ein und ging das schnelle Anfangstempo nicht mit. Es sollte sich auszahlen, denn ihre Mitkonkurrentinnen ließen enorm viel Kraft, so dass Gebauer in der Endphase des Rennens viele erschöpfte Läuferinnen überholen konnte und schließlich in 49:49 Minuten als Silbermedaillen-Gewinnerin das Ziel erreichte.

Über die 400 Meter, die Gebauer laufen wollte, um sich für die Staffel zu qualifizieren, erreichte sie als Fünfte in der Zeit von 78,63 Sekunden und damit als beste Deutsche das Ziel. Die Platzierung ist umso höher einzustufen, da es zuvor aufgrund von Eingabefehlern und Missverständnissen bei den Meldungen nicht möglich war, sich vernünftig einzulaufen, beziehungsweise die entsprechende Konzentration aufzubauen. Am Ende fehlten drei Sekunden zu einer Medaille und einer kleinen Sensation.

Organisatoren bleiben hart

Dann folgte der 5000-Meter-Hitzelauf bei den unglaublichen 39 Grad. Die Teilnehmerinnen hatten sich im Kollektiv für eine  Verlegung in die Abendstunden ausgesprochen, doch die Organisatoren blieben hart, argumentierten, dass auch dann noch Temperaturen weit über 30 Grad herrschen würden und eine solche Mammutveranstaltung keine Veränderungen im Zeitplan zuließen.

Stattdessen forderten sie die Läuferinnen auf, sich nach jeder Runde mit dem bereitgestellten Wasser abzukühlen und zu trinken. „Ich habe tatsächlich in jeder Runde getrunken“, sagte die 60-Jährige, die an fünf Tagen in der Woche trainiert. Unlust kennt sie überhaupt nicht. Wenn sie nach ihrer beruflichen Tätigkeit bei der Caritas in Duderstadt nach Hause kommt, werden die Laufschuhe angezogen und dann geht es in die Natur. „Ich brauche das einfach.“

Ihr Mann und Trainer Helmut ist im Schlepptau immer dabei. Die Einlaufphase absolvieren die Gebauers noch gemeinsam, dann bekommt der Herr des Hauses entsprechenden Vorsprung, der aber relativ schnell aufgebraucht ist. „Ich habe mir im Laufe der Jahre viel angelesen, damit ich Elisabeth richtig vorbereiten kann“, berichtet der ehemalige Zehnkämpfer.

Diskutiert wird bei dem Ehepaar auch schon einmal, spätestens dann, wenn Helmut Gebauer den ursprünglich ausgegebenen Trainingsplan ändert. „So etwas kann ich nicht so gut leiden. Ich weiß immer gern, was mich erwartet.“

Fantastischer Einstand

Im heißen Izmir machte seine Frau über die 5000 Meter dann mehr oder weniger „ihr Ding“. Sie ging die Distanz sehr schnell an. Fast zu schnell, wie ihr Coach empfand. „Mir war schon richtig ein bisschen mulmig“, gibt er seine Empfindung wieder.

Doch sein Schützling ignorierte sein Zeichen zum Abreißen lassen und bewies Stehvermögen. Wie sich herausstellen sollte eine richtige Entscheidung, denn im Verlauf des Rennens brachen zwei Russinnen, eine Türkin und eine Portugiesin total ein, so dass die Tiftlingeröderin mit einer eher mäßigen Zeit von 23:40 Minuten, aber viel eingesparter Kraft für die abschließenden Wettkämpfe, zu einer Bronzemedaille lief.

Einen fantastischen Einstand feierte Gebauer am Abschlusstag in der 4x100-Meter-Staffel, in die sie durch eine perfekte Vorstellung im Probetraining gerutscht war. Vor den Russinnen holten sich die Deutschen in 1:05 Minuten die Silbermedaille. Und auch in der 4x400-Meter-Staffel gab es erneut Edelmetall für die Deutschen und damit auch für Elisabeth Gebauer, der in der Türkei ein bislang einmaliger Erfolg glückte, denn vor ihr gewann noch keine deutsche Läuferin eine Silbermedaille über die Langstrecke und den Kurzsprint.

Nach zwölf anstrengenden Tagen waren die Eichsfelder dann schließlich froh, wieder heimischen Boden unter den Füßen zu haben. Und sie kehrten auch gesund und munter wieder zurück, im Gegensatz zu vielen anderen Teilnehmern, die durch einen Magen-Darm-Virus ausgebremst wurden. „Selbst bei uns im Hotel waren einige krank, aber wir haben nichts bekommen“, freut sich die Medaillengewinnerin, die sich jetzt auf den Sparkassenlauf am 19. September in Duderstadt vorbereitet.