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Regional Leichtathletik-Meisterschaften in Göttingen: Werfer überzeugen
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13:36 26.03.2014
Laufen, Springen, Baden gehen: der 3000-Meter-Hindernislauf unter den Augen der gut 4500 Zuschauer im Göttinger Jahnstadion.
Laufen, Springen, Baden gehen: der 3000-Meter-Hindernislauf unter den Augen der gut 4500 Zuschauer im Göttinger Jahnstadion. Quelle: Theodoro da Silva
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Göttingen

Dann haut der 21-jährige Deutsche Meister einen gewaltigen Versuch auf 81,99 Meter raus. Knapp 2000 Zuschauer im Göttinger Jahnstadion (insgesamt werden an beiden Tagen 4500 gezählt) jubeln, Röhler ballt die Siegerfaust, und sorgt für einen der Höhepunkte der Deutschen U-23-Meisterschaften der Leichtathleten.

„Viele haben mir vorher schon in den Mund gelegt, dass ich das locker gewinne, aber ich wusste, dass mein Teamkollege da nicht mitspielt“, sagt Röhler. In knapp drei Wochen will er bei der U-23-Europameisterschaft in Tampere gewinnen, im August bei der Weltmeisterschaft in Moskau ins Finale der besten Acht.

Sonnabendabend als Höhepunkt

Eigentlich ist der Sonnabendabend als Höhepunkt vermerkt gewesen: die 100 Meter der Männer. Doch das Stadion ist zu diesem Zeitpunkt bereits wie leergefegt. Das Rennen ist zwar knapp, die 10,44 Sekunden von Robert Polkowski sind ein Fingerzeig, mehr aber auch nicht. Bei den Frauen gewinnt Anna-Lena Freese vom FTSV Jahn Brinkum in Abwesenheit von Favoritin Tatjana Pinto in soliden 10,46 Sekunden. Der Südwind macht den Sprintern zu schaffen. Über die 200 Meter der Männer wiederholt Robin Erewa (Bayer Leverkusen) seinen Vorjahreserfolg, jedoch in wenig berauschenden 21,19 Sekunden. Die ganze Saison über war der Kurvenlauf sein Problem. In Göttingen setzt sich Erewa aber vom Start weg an die Spitze. „Der Sieg tröstet ein wenig über die schwache Zeit hinweg“, gesteht der dunkelhäutige Modellathlet.

Technisch ganz stark

Herausragende Ergebnisse liefern neben Hochspringer Mateusz Przybylko, der den Göttinger Phillip Rietz (2,09 Meter) mit starken 2,20 Metern schlägt, vor allem die Werfer. „Das war technisch ganz stark. Spätestens 2016 bei Olympia in Rio holt die eine Medaille“, schwärmt Diskus-Bundestrainer Werner Goldmann, der auch Olympiasieger und Weltmeister Robert Harting betreut, von Anna Rüh. Deren 63,74 Meter reichen locker zum U-23-Titel. „Ich bin froh, dass ich meine WM-Norm für Moskau nochmal bestätigt habe“, freut sich die Athletin des SC Neubrandenburg.

4500 Zuschauer, motivierte Sportler und Medaillen: Das waren die Deutschen U-23-Leichtathletik-Meisterschaften im Jahnstadion in Göttingen. © Theodoro da Silva

Vize-Meisterin Shanice Craft tröstet sich mit dem Sieg im Kugelstoßen, übt danach aber Kritik. „Das Stadion ist wunderschön, die Stimmung aber gar nicht. Die Werfer werden kaum beachtet“, bemängelt die Bundespolizistin. Dagegen war Hammerwerfer Paul Hützen (Leverkusen), der den allerersten Wettkampf der Meisterschaft mit 68,04 Metern zu seinen Gunsten entschied, von der Atmosphäre angetan.

Olympia-Achte Krause

Dass die rund 2500 fachkundigen Fans am Sonntag besonders den 800-Meter-Lauf der Frauen verfolgen, liegt speziell an einem Namen: Gesa Felicitas Krause. Die Olympia-Achte über die 3000 Meter Hindernis tritt überraschend über die doppelte Stadionrunde an. „Ich will an meiner Schnelligkeit arbeiten“, sagt die 20-Jährige Sportlerin der LG Eintracht Frankfurt. Ein weiterer Grund für den Streckenwechsel: Konkurrenzlosigkeit. Im nationalen Kontext läuft die Hessin in einer anderen Welt. In Göttingen gewinnt Cornelia Griesche in 10:27,28 Minuten. Zum Vergleich: Krauses Bestzeit liegt über eine Minute darunter.

Von Rupert Fabig

► Kommentar: Würdige Atmosphäre

Von einem Volksfest zu sprechen, wäre ein wenig übertrieben. Aber wenn 900 Leichtathleten der nationalen Nachwuchs-Elite sich in und um das Jahnstadion begegnen, hier ein berlinertes „Kiek mal, der is och nich übel“ zu hören ist und dort ein Vertreter des VfB Stuttgart gegenüber einem Chemnitzer Kollegen von der „traumhaften Anlage“ schwärmt, liegt der Schluss nah: Die Deutschen U-23-Meisterschaften stehen Göttingen gut zu Gesicht.

Zwar sah es wegen der schieren Größe des Jahnstadion-Areals nicht so aus, doch sind die geschätzten 4500 Zuschauer im Vergleich zu den schlecht besuchten Titelkämpfen in Göttingen 2009 durchaus als Erfolg zu werten. Auf Höhe der Weitsprunggrube saßen die Zuschauer zum Teil bis hoch unters Tribünendach und sorgten für eine würdige Atmosphäre.

Der Erfolg hat viele Väter, so etwa die LGG-Helfer und die Schüler der BBS 1 Arnoldi-Schule, des Felix-Klein-Gymnasiums und der Geschwister-Scholl-Gesamtschule. Sie alle trugen dazu bei, dass Göttingen sich als ambitionierter Leichathletik-Standort präsentierten konnte.

Von Eduard Warda

Eduard Warda

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