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Regional Luisa Grube aus Nörten-Hardenberg will zu den Paralympics
Sportbuzzer Sportmix Regional Luisa Grube aus Nörten-Hardenberg will zu den Paralympics
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18:03 16.12.2019
Luisa Grube (l.) mit ihrem Guide in Aktion. Ihr Traum ist die Teilnahme an den Paralympics 2022 in Peking.
Luisa Grube (l.) mit ihrem Guide in Aktion. Ihr Traum ist die Teilnahme an den Paralympics 2022 in Peking. Quelle: R
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Nörten-Hardenberg

Es gibt nicht viele Ski-Asse in der Region Südniedersachsen, aber sie gehört bestimmt dazu: Die sehbehinderte Skirennläuferin Luisa Grube aus Nörten-Hardenberg ist auf einem guten Weg, sich für die Paralympischen Spiele 2022 in Peking zu qualifizieren.

Die 18-Jährige, deren Heimatverein der SSV Nörten-Hardenberg ist, absolviert vor Weihnachten ein Trainingslager im österreichischen Pitztal – Läufe mit ihrem neuen Guide Lucia Rispler stehen auf dem Programm. Von der 21-jährigen deutschen Spitzenfahrerin Rispler ist Grube ganz begeistert: „Ich muss mich erst mal an Lucia gewöhnen, aber sie fährt echt gut und kann mir viel beibringen“, sagt sie.

Sehkraft liegt bei fünf Prozent

Der Guide ist notwendig, weil Grube, Tochter des ehemaligen SSV-Trainers Marko Grube, seit ihrer Geburt lediglich eine Sehkraft von fünf Prozent hat. Außerdem ist ihr Blickfeld enorm eingeschränkt. „Es ist, als ob man durch eine Klopapierrolle guckt“, sagt die 18-Jährige.

Mit dem Guide ist Grube auf der Piste per Headset verbunden: Der Guide fährt voraus und beschreibt die Strecke, beim Slalom gibt es Kommandos für die Schwünge: „Hopp, hopp, hopp.“ Die Nörtenerin bevorzugt allerdings „eher die schnelleren Sachen“ wie Riesenslalom – „vielleicht irgendwann auch mal Abfahrt“.

Grubes Trainerin trägt einen berühmten Namen: Es ist Meike Hujara, deren Vater Günter mehr als 20 Jahre lang FIS-Renndirektor und damit zuständig für die Herrenrennen im alpinen Ski-Weltcup war. Luisa Grube gehört dem Nachwuchsteam des Deutschen Behindertensportverbandes (DBS) an – wobei Nachwuchs in diesem Fall relativ ist: „Es fahren auch 35-Jährige mit“, berichtet Grube lachend. Meike Hujara war es auch, die ihr den neuen Guide vermittelte.

Zum Skisport kam Luisa Grube einerseits über die Skiurlaube mit den Eltern, auf der anderen Seite gibt es seit langer Zeit ein Idol, und das heißt Noemi Ristau. Die Skirennläuferin ist ebenfalls sehbehindert und gewann mit ihrem Guide unter anderem WM-Bronze. In Marburg, wo Ristau als Ergotherapeutin arbeitet und Grube die Schule besucht, haben sich die beiden über ihren Klub kennengelernt – beide gehen für Blau-Gelb Marburg an den Start.

Bei den Deutschen Meisterschaften feierte Grube im vergangenen Winter ihr Debüt und gewann prompt die Silbermedaille in der Disziplin Riesenslalom Paraski Alpin. Mittlerweile sind auch regionale Förderer und Sponsoren auf das Talent aufmerksam geworden: Grube wird unterstützt von der KSN SportStiftung der Kreis-Sparkasse Northeim und der flippo-Gruppe aus Katlenburg-Lindau.

„Ich kenne es nicht anders“

Nicht sehbehinderte Skiläufer bremsen sofort ab und bekommen es mit der Angst zu tun, wenn die Brille etwas beschlagen ist – Grube sieht kaum etwas und stürzt sich, ihrem Guide folgend, trotzdem die Piste hinunter. „Für mich ist es eigentlich normal, ich kenne es nicht anders“, sagt die 18-Jährige. „Für mich sehe ich genug, und es macht mir nicht so viel aus. Es macht mir Spaß, und ich habe ein Gefühl der Freiheit.“

Früher spielte sie auch Handball, aber irgendwann ging das nicht mehr, „weil der Sport auch immer schneller wird“. Nun kann sie sich auf das Skifahren konzentrieren. Die Teilnahme an den Paralympics 2022 in Peking ist zwar ein Traum, „aber ich möchte eigentlich generell erst mal besser werden, und dafür muss ich mit meinen Guide gut eingespielt sein“, sagt sie.

Demnächst fährt sie Europacups im Riesenslalom, und im Januar wird wieder trainiert. Vor allem aber muss sich Grube auf ihr Abitur in Marburg vorbereiten, das im März ansteht. Möglicherweise zieht Grube im Anschluss nach Innsbruck um, dann könnte sie noch intensiver mit Rispler trainieren. Ganz fest steht das aber noch nicht.

Von Eduard Warda