Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Regional Mikroplastik-Verbot: Was wird aus Göttingens Kunstrasenplätzen?
Sportbuzzer Sportmix Regional Mikroplastik-Verbot: Was wird aus Göttingens Kunstrasenplätzen?
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
15:23 07.08.2019
Kunstrasenplätze, hier der Platz am Rehbach in Grone während der Bauphase, sind wegen Mikroplastiks seit einiger Zeit in der Diskussion. Quelle: Hinzmann
Anzeige
Göttingen

Grund für die Aufregung ist eine geplante EU-Richtlinie zur Vermeidung von Mikroplastik. Nach einer Studie des Fraunhofer Instituts für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik rangieren die Verwehungen von Sportplätzen auf Rang fünf aller Quellen für Mikroplastik. Nähere Wasser-Untersuchungen dazu gab es in Norwegen. In Deutschland wären 6000 Kunstrasenplätze betroffen, davon 193 in Niedersachsen, wo außerdem mehr als 100 Minispielfelder dazukommen. Der DFB fürchtet um den Amateur- und den Jugendfußball.

Die Göttinger Kunstrasenplätze in Bildern

„Ich schenke den Forschungsergebnissen keinen großen Glauben. Die Werte haben mit der Realität nichts zu tun“, sagt Olaf Eckermann, Schatzmeister des VfL Olympia Duderstadt, der den Duderstädter Kunstrasenplatz „Auf dem Westerborn“ betreibt. In der Analyse seien die Forscher von einem Nachverfüllung von 2000 Kilogramm pro Jahr ausgegangen – realistisch seien jedoch lediglich 200 bis 400 Kilogramm. Das lasse den Schluss zu, dass auch entsprechend weniger Mikroplastik in die Umwelt gelange.

Das kann Alexander Frey, Geschäftsführer der Göttinger Sport und Freizeit GmbH (GoeSF), die sämtliche Kunstrasenplätze in Göttingen betreibt, nur bestätigen: „Wir bewegen uns in einem Bereich von 100 bis maximal 200 Kilogramm, die pro Jahr nachverfüllt werden“, sagt er. Frey kann sich gut vorstellen, dass skandinavische Plätze, die in der Studie analysiert worden sind, eine andere Bauform haben.

Das sagt die Verbandsspitze

Beim Kreisfußballtag in Göttingen hat sich NFV-Präsident Günter Diestelrath mit der Kunstrasendiskussion beschäftigt: „Natürlich müssen Kunstrasenplätze möglichst umweltfreundlich betrieben werden, aber man muss auch die wirtschaftliche Situation der Vereine berücksichtigen“, sagte Diestelrath, der einen Bestandsschutz für vorhandene Plätze forderte. „Umrüstungen vor Ende der Nutzungsdauer dürfen nicht zulasten der Vereine gehen. Da sind nicht die Vereine in der Pflicht, sondern es muss andere Lösungen geben.“ Der NFV-Präsident verwies darauf, dass es allein in Niedersachsen 193 Kunstrasenplätze und mehr als 100 Minispielfelder gebe. Eine mögliche Stilllegung von Plätzen sei im Hinblick auf den Spielbetrieb „eine gravierende Einschränkung, die nicht zu kompensieren ist“. Grund zur Panik gebe es jedoch nicht. Drei Punkte seien ihm wichtig: Die Plätze könnten problemlos weiter genutzt werden, die Betreiber sollten sich penibel an die Vorgaben der Hersteller halten, und im Fall einer notwendigen Sanierung sollten die Vereine mit Kommunen und Experten nach Lösungen suchen, die die Verwendung von Gummigranulat ausschließen.

Während zum Beispiel in Göttingen ein „Kraftabbau“, also eine gelenkschonende Abfederung, mithilfe eines Kunststoff-Belags unter der Kunstrasendecke erfolge, könne es sein, dass etwa in Norwegen die Federung allein durch eine viel größere Menge an Granulat bewerkstelligt werde. Das würde die ermittelten hohen Werte von „verfrachtetem“ Material, Granulat, das beispielsweise ins Wasser gelangt, erklären.

„Die Vermeidung von Mikroplastik ist ein berechtigtes Anliegen, keine Frage. Aber die Untersuchungen legen skandinavische Verhältnisse zugrunde. Das passt nicht so richtig“, glaubt Frey. Die drei Plätze, die im vergangenen Jahr in Göttingen gebaut worden sind, hätten zudem Rückhalteschächte, die Granulat von Millimeter-Größe filterten. Ältere Plätze würden momentan nachgerüstet. Der Ertrag sei jedoch verschwindend gering, so der GoeSF-Chef. Das hänge auch damit zusammen, dass zur Nachverfüllung hauptsächlich Quarzsand, vermengt mit Gummigranulat, verwendet werde.

„Was kommt da auf uns zu?“

„Ich habe erst mal geschluckt und mir gedacht: Was kommt da auf uns zu?“, berichtet Rüdiger Lösch, Vorsitzender des SV Viktoria Bad Grund. Der Viktoria-Kunstrasenplatz sei vor zwei Jahren neu verfüllt worden, und darum seien Zuschüsse auch ohne Weiteres abzurufen gewesen. Immerhin habe die Maßnahme 25000 Euro gekostet. „Wenn das ganze Gummigranulat als Sonderentsorgung aus den Plätzen raus muss, können das die Vereine gar nicht stemmen“, glaubt Lösch.

Die Lebensdauer eines Kunstrasenplatzes beträgt rund 15 Jahre – der Platz in Duderstadt sehe für seine elf Jahre „noch ganz gut aus“, sagt Olympia-Schatzmeister Eckermann, der erst mal Kontakt mit dem damaligen Architekten aufgenommen hat. „Es ist ja noch nichts beschlossen, und wir bewegen uns in Richtung 15 Jahre. Dann kommt sowieso was Neues drauf“, sagt Eckermann pragmatisch.

„Diskussion auf einem anderen Level führen“

 Frey regt sich über die Panikmache der vergangenen Wochen auf: „Die Dramatik müsste raus. Die Diskussion darf man führen, aber auf einem anderen Level.“ Der GoeSF-Geschäftsführer geht zunächst einmal davon aus, dass es einen Bestandsschutz und eine Frist gibt. Es sei nicht zu befürchten, dass in zwei bis drei Jahren Plätze vom Granulat befreit werden müssten.

Ein anderer Gesichtspunkt: Weil die „Verfrachtung“, also die jährliche Verlustmenge von Granulat, so gering sei, und sich außerdem vorhandenes Gummimaterial dauerhaft gesetzt habe, will die GoeSF die Nachverfüllung ausschließlich auf Quarzsand umstellen. „Es ist keine evidente Verschlechterung der Eigenschaften zu erwarten“, sagt Frey.

Zukunft: Quarzsand oder Kork

Hersteller würden wahrscheinlich in Zukunft den Untergrund so gestalten, dass er allein für die Abfederung sorge, prognostiziert Frey. Zwischen den Kunstrasenhalmen käme dann zur Verfüllung ausschließlich Quarzsand zum Einsatz – oder auch Kork, wie auf den teilweise überdachten Plätzen am Göttinger Hochschulsport. Bis dahin heißt es: „Ich bin gespannt darauf, was uns Brüssel beschert“, wie Eckermann sagt.

Kontakt Sie erreichen den Autor unter

E-Mail:
e.warda_frMA@goettinger-tageblatt.de

Twitter:
https://twitter.com/eduardwarda

Facebook:
https://www.facebook.com/edouard.dawar

Von Eduard Warda

Besser ging es nicht: Mit einer fehlerfreier Fahrt hat der 22-jährige Franz Kadlec aus Reichersbeuern das 20. ADAC Nacht-Trial des MSC Weser-Solling in Uslar-Fürstenhagen gewonnen.

07.08.2019

Die Senioren-Europameisterschaften der Minigolfer laufen seit Mittwoch, 7. August, im italienischen Predazzo auf den Systemen Beton und Miniaturgolf. Noch bis Sonnabend, 10. Augsut, spielen die Starter aus aus 14 Nationen um die verschiedenen Titel.

07.08.2019

Sören Lange hat Magdeburger Wurzeln, ist aber nicht dabei, wenn der Northeimer HC am Sonnabend, 17. August gegen den Erstligisten SC Magdeburg in der ersten Runde des DHB-Pokals antreten wird. Der Torjäger macht dann Urlaub auf Mallorca.

07.08.2019