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17:37 21.03.2017
Von Christian Roeben
Daniela Bermudez aus Kolumbien fährt am 17.03.2017 in Göttingen (Niedersachsen) auf ihrem Longboard eine Straße herunter.
Daniela Bermudez aus Kolumbien fährt am 17.03.2017 in Göttingen (Niedersachsen) auf ihrem Longboard eine Straße herunter. Quelle: Swen Pförtner
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Göttingen

Um mit dem Longboard - einer Art überdimensionales Skateboard - Abhänge hinabzurasen, sind starke Nerven und ein ausgezeichnetes Körper- sowie Balancegefühlt nötig - Bermudez hat beides. „Ich mag Sportarten, die etwas riskant sind“, erklärt die 26-Jährige, die seit Januar in Göttingen lebt. Im vergangenen Jahr schloss das 1,64 Meter große Energiebündel die Wettkampfserie in ihrem Land als viertbeste Frau ab, obwohl sie die Disziplin „Downhill“ turniermäßig erst seit 2015 betreibt.

Bis zu 100 Km/h schnell

„Ich fahre schon lange Skateboard. So habe ich auch meinen Freund kennengelernt. Der hatte ein Longboard. Dann habe ich mich im Internet darüber informiert und wollte es auch unbedingt mal ausprobieren“, erklärt die Südamerikanerin, die aus der kolumbianischen Hauptstadt Bogota stammt.

Aus dem Ausprobieren wurde schnell mehr. Inzwischen trainiert Bermudez zwei- bis dreimal wöchentlich. Um auch in Göttingen mit dem Longboard Fahrt aufzunehmen - bei Wettkämpfen können die Akteure je nach Strecke gut 100 Stundenkilometer erreichen - musste sie erst die Straßen in und um ihre neue Heimat auf Zeit auskundschaften. In Bovenden und Eddigehausen ist die Sportlerin bereits fündig geworden. „Man muss allerdings auf die Autos aufpassen“, erklärt sie. „Ich versuche Straßen zu finden, in denen keine Autos fahren dürfen, sonst kann es gefährlich werden. Eigentlich ist es besser, mit Freunden zu fahren. Dann kann man gegenseitig auf die anderen aufpassen.“

© Swen Pförtner

Wie riskant das schnelle Abwärtsfahren auf dem Longboard sein kann, hat die PhD-Studentin bereits am eigenen Leib erfahren müssen. Trotz Ganzkörper-Schutzkleidung und Helm mit Gesichtsschutz brach sich Bermudez bei einem Sturz das Schlüsselbein - ihre bislang schlimmste Verletzung „Hautabschürfungen oder Prellungen sind ganz normal“, erklärt die Kolumbianerin ganz cool.

Hoffnung auf internationale Wettkämpfe

Völlig sicher fühlt sie sich hingegen im täglichen Leben in Göttingen. In Europa war die Downhill-Longboarderin nie zuvor. „Es ist eine große Veränderung, alleine schon wegen der Sprache“, versichert die 26-Jährige, die ab April Deutschkurse belegen will und bereits das deutsche Bier „liebt“. Verständigungsprobleme hat Bermudez, die in der Schule und Universität nur Englisch gelernt hat, aber trotzdem nicht. „Göttingen ist eine sehr internationale Stadt, und viele Deutschen sprechen Spanisch, das hat mich überrascht.“ Nun hofft Bermudez, bald erstmals auch internationale Wettkämpfe bestreiten zu können. Für den Sommer plant sie Trips nach Österreich, Tschechien und Rumänien, um auch dort ihre Frau auf dem Longboard zu stehen: „Ich hoffe, dazu werden die Zeit und das Geld reichen.“