Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Regional Mit Rückhandschuss zum WM-Titel
Sportbuzzer Sportmix Regional Mit Rückhandschuss zum WM-Titel
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:31 19.03.2012
Nur einige ihrer Medaillen und Pokale: Waltraud Zehne hat im Seniorentischtennis alles gewonnen.
Nur einige ihrer Medaillen und Pokale: Waltraud Zehne hat im Seniorentischtennis alles gewonnen. Quelle: Hinzmann
Anzeige
Göttingen

Sehr ehrgeizig sei sie nie gewesen und trainiere auch nicht mehr als üblich, obwohl sie Pfingsten bei den Deutschen und im Sommer bei den Weltmeisterschaften in Stockholm antritt. „Ich spiele in einer Herrenmannschaft beim ASC 46 in der 2. Kreisklasse. Das ist eine gute Vorbereitung.“ In Schweden steht sie im Einzel und mit ihrer Spielpartnerin Martha Wilke im Doppel in der Ü-80-Klasse an der Platte. „Im Doppel haben wir ganz gute Chancen.“

„Tischtennis-Touristen“

Es wäre der vierte Doppeltitel für das Duo nach den Triumphen in Dublin (1992, Ü 60), Manchester (2002, Ü 70) und Rio de Janeiro (2008, Ü 75). Im Einzel sei die Konkurrenz sehr groß. „In dem Alter spielen nur noch Frauen, die wirklich gut sind“, meint sie. In den Altersklassen darunter gebe es auch einige „Tischtennis-Touristen“. Sie spüre vor einem Match immer Anspannung, nervös sei sie jedoch nicht mehr. „Das kann natürlich ein Vorteil sein“, sagt Zehne. Falls sie gewinnt, wäre es der zweite Titel im Einzel nach 1992 für die Rückhandspezialistin. „Mein bester Schlag ist der Rückhandschuss, Top-Spin habe ich nie richtig gelernt.“

Mit 15 Jahren hielt Zehne das erste Mal einen Tischtennisschläger in der Hand. „Den habe ich von einer Bekannten geschenkt bekommen“, erinnert sie sich. Der Schläger war auf einer Seite mit Kork, auf der anderen mit Gummi beklebt. „Und schräg war der auch noch. Das musste ich bei den Schlägen ausgleichen“, sagt sie schmunzelnd. Ihr Talent zeigte Zehne 30 Jahre lang in der Frauen-Oberliga, der seinerzeit höchsten Spielklasse in Deutschland. Höhepunkt: Der Sieg im Deutschlandcup mit der Mannschaft 1962.

„Ich spiele sehr offensiv und versuchte aktiv Punkte zu holen“, erklärt sie ihre Spielphilosophie. Für ihr Alter sei sie sehr beweglich. „Das hat mir mein Gegner vergangene Woche bescheinigt.“ Ein 26-Jähriger, gegen den sie immerhin einen Satz gewinnen konnte. „Es ist immer interessant gegen junge Leute zu spielen.“

Sportmedaille für Verdienste

Neben den sportlich errungenen Medaillen besitzt sie die Sportmedaille für Verdienste um den Niedersächsischen Sport: „Die wurde mir 1993 verliehen.“ Da habe sie auch Gerhard Schröder, damals Ministerpräsident von Niedersachsen, kennengelernt. „Ein netter Kerl.“
Neben dem Tischtennisschläger greift Zehne zweimal in der Woche zum Tennisracket. Zumindest, solange es die Zeit zulässt. Die 80-Jährige übernahm 1947 mit 16 Jahren die Gebäudereinigungsfirma ihres Vaters, der tödlich verunglückte. „Ich kam direkt von der Handelsschule und musste die Familie ernähren.“ Dort arbeitet sie immer noch. „Mein Neffe übernimmt irgendwann mal, aber über den Zeitpunkt habe ich mir noch keine Gedanken gemacht.“

Solange sie körperlich keine Probleme bekomme, spiele und arbeite sie weiter. Für ihre Fitness verzichtet sie auf Alkohol, seit 40 Jahren hat sie auch nicht mehr geraucht. Aber sie esse alles, was sie wolle. „Für meine Gesundheit danke ich dem Herrgott.“

Von Michael Kerzel