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Regional „Mit dem Titel hat keiner von uns gerechnet“
Sportbuzzer Sportmix Regional „Mit dem Titel hat keiner von uns gerechnet“
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09:34 30.08.2011
Frischgebackene Europameisterinnen: die Göttingerinnen Maj vom Hofe und Nele Aha (von links).
Frischgebackene Europameisterinnen: die Göttingerinnen Maj vom Hofe und Nele Aha (von links). Quelle: Theodoro da Silva
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Göttingen

„Wir haben Geschichte geschrieben, das ist das Schönste“, sagt vom Hofe. Nie zuvor war es nämlich deutschen Nachwuchs-Basketballern gelungen, bei einem EM-Turnier ganz oben zu stehen. Neun Erfolge aus neun Partien standen für die Mädchen am Ende zu Buche. „Mit dem Titel hat keiner von uns gerechnet“, versichert Nele Aha.

Für die beiden Göttingerinnen war es das erste große internationale Turnier, die Zielsetzung lautete Halbfinale. Die mit 71:64 gewonnene Partie gegen Bulgarien sei auch die schwerste gewesen, drei Sekunden vor Schluss kassierte die DBB-Auswahl den Ausgleich. In der Verlängerung ließ man Bulgarien dann mit einer enormen Energieleistung keine Chance mehr. „Als wir das Spiel gewonnen hatten, der Moment war der Beste“, erinnert sich Aha.

Der Finaleinzug bedeutete gleichzeitig den Aufstieg des DBB-Teams in die A-Gruppe, „der Titel war dann der Bonus“. Das Erfolgsgeheimnis der Mannschaft seien der Zusammenhalt und die Stimmung innerhalb der Mannschaft gewesen, zudem „haben wir das Turnier über von unserer Schnelligkeit gelebt“. Einige Spielerinnen anderer Länder seien „drei Köpfe größer und 30 Kilo schwerer“ gewesen, scherzt Aha, diese Mannschaften habe man durch Fastbreaks und smartes Teamspiel geknackt. Unfreiwillig komisch wurde es auf dem Parkett auch: Im Spiel gegen die Schweiz „hat mir die Gegnerin beim Einwurf dreimal hintereinander den Ball auf denselben Fuß geworfen“, lacht Aha über die kuriose Situation.

Spaß gemacht hat den Beiden der zweiwöchige Trip nach Osteuropa auf jeden Fall, trotz harter Trainingseinheiten. „Wir haben uns intensiv mit Videoanalysen der Gegner auf jedes Spiel vorbereitet. Wenn ein Land eine wirklich herausragende Spielerin hatte, gab es da noch eine Extraschulung, wie man ihr das Leben schwer machen kann“, erläutert vom Hofe. Nele Aha, die in der Starting Five stand, bekam teilweise bis zu 20 Minuten Spielzeit.

Auch abseits des Feldes waren die Deutschen gefragt: Vom Hofe wurde vom bulgarischen Frühstücksfernsehen interviewt. „Dort wurden in jeder Sendung drei Teams vorgestellt und jeweils eine Spielerin dazu eingeladen. Das war echt lustig.“ Eine Übersetzerin sorgte während der Europameisterschaft dafür, dass keine Verständigungsprobleme aufkamen. Alles in allem, so vom Hofe, sei es eine „große Erfahrung“ gewesen, „wir haben sehr viel gelernt im Sommer“. Insgesamt 50 Tage dauerten Vorbereitung und Turnier, „vorher waren wir unsicher, ob wir das packen“, verrät Aha. „Aber wir sind froh, es durchgezogen zu haben. Mit dem restlichen Team sind wir nun gut befreundet.“

Motivation kam aber auch von Deutschlands bestem Basketballer: „Dirk Nowitzki hat uns auf dem Lehrgang in Heidelberg per Videobotschaft viel Erfolg gewünscht. Das hat uns den Extraschub gegeben“, betont vom Hofe. „Wir haben auch geantwortet. Nun ist Dirk wieder dran“, lacht sie.

In der kommenden Saison steht für beide eine Doppelbelastung an. Neben der WNBL stehen sie auch im Zweitligateam der BG 74. „Das ist ganz neu für uns. Von der Mannschaft wollen wir lernen“, freuen sie sich auf die Chance.

Von Tobias Christ