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Regional Noch ist Neele Eckhardt im Olympia-Modus
Sportbuzzer Sportmix Regional Noch ist Neele Eckhardt im Olympia-Modus
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14:56 23.03.2020
Wann Neele Eckhardt wieder einmal eine Startnummer tragen und in einem Wettkampf starten wird, steht noch in den Sternen. Quelle: Swen Pförtner
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Göttingen

„Mir geht es gut.“ Dieser Satz hat im Moment eine ganz besondere Bedeutung. Für Neele Eckhardt vielleicht sogar noch ein bisschen mehr, denn nach vielen gesundheitlichen Problemen in der Vergangenheit hat sie – gut vorbereitet und fit – eine erfolgreiche Hallensaison gehabt und richtet den Fokus jetzt auf die Sommersaison, in der die Olympischen Spiele in Tokio das Highlight sein sollten.

„Ich persönlich sehe nicht, dass Tokio stattfindet. Dort sind einfach zu viele Sportler zu eng zusammen“, lautet die Meinung der 27-Jährigen. Sie hofft darauf, dass zunächst einmal eine Entscheidung fällt, ob die Spiele in der japanischen Metropolo überhaupt stattfinden oder vielleicht verschoben werden. „Bis dahin trainiere ich natürlich so, als würde ich dort starten. Außerdem gibt es Ende August auch noch die Europameisterschaft in Paris“, gibt sie zu bedenken. „Sport ist ja eigentlich mein Lebensmittelpunkt, wird aber gerade zu absoluten Nebensache.“

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Kaum Zeit, um Norm zu erfüllen

„Für uns Athleten ist das zurzeit eine extrem schwierige Lage. Der Qualifikationszeitraum war ohnehin schon sehr früh, weil die Spiele mit Start im Juli ja auch schon früh stattfinden sollen“, sagt Eckhardt. Erste Wettkämpfe wurden bereits abgesagt. Der Zeitraum, die Olympianorm noch zu erfüllen, werde immer kleiner. „Irgendwann wird es dann auch unfair. In China hat es schon wieder die ersten Wettkämpfe gegeben. Da hat eine Kugelstoßerin gerade Weltjahresbestleistung erreicht“, beobachtet die Athletin der LG Göttingen das globale Geschehen in ihrem Sport.

Vor gut einer Woche ist Eckhardt von einem Trainingslager auf Teneriffa zurückgekehrt. Anfang März war sie dorthin mit ihrem Trainer Frank Reinhardt und der Weitspringerin Merle Homeier aus Hannover gereist. „Während wir dort waren, hat sich die Lage dramatisch verändert. Am letzten Tag wurde dann das Stadion, in dem wir trainiert haben, geschlossen. Zum Glück sind wir noch regulär nach Hause geflogen“, erzählt die Dreispringerin, die mit Temperaturen zwischen 23 bis 26 Grad auf der Kanaren-Insel „überragendes Wetter“ hatte. „Frank hatte dieses Trainingslager organisiert, als feststand, dass die Hallen-Weltmeisterschaft in China abgesagt werden musste. Wir fahren schon seit 2011 regelmäßig nach Playa de las Americas. Das Stadion ist gut, der Kraftraum ist in Ordnung und wir haben eben die Wettergarantie.“ Das Trainingslager habe sie ein ganzes Stück weiter gebracht. „Es ist etwas anderes, wenn man in dieser Umgebung trainieren kann – abseits vom Alltagsstress.“

Gute Lösungen gefunden

Am Montag, 23. März, sollte die nächste intensive Trainingsmaßnahme in Portugal laufen. Die findet nicht statt. Auch mit dem ab dem 24. April in der Türkei geplanten Trainingslager rechnet Eckhardt nicht – angesichts des Einreisestopps für Deutsche, den die türkische Regierung verhängt hat. Also bleibt nur das individuelle Training mit Frank Reinhardt vor Ort. „Wir haben hier gute Lösungen gefunden. Für uns passt das alles. In diesem Fall ist es von Vorteil, dass die Leichtathletik eine Individualsportart ist“, berichtet die Dreispringerin und schiebt hinterher: „Wahrscheinlich habe ich eine Luxussituation.“

Physiotherapie vermeidet Neele Eckhardt im Moment, ebenso wie Einkäufe. „Das hat mein Mann übernommen, er opfert sich“, erzählt die 27-Jährige, die seit Februar 2019 mit Richard Noack verheiratet ist. Weil sie Asthma hat und regelmäßig Cortison nimmt, zählt die Sportlerin – trotz ihrer Fitness – zu einer Risikogruppe, sollte es zu einer Infektion mit dem Coronavirus kommen. „Ich hatte zwei Lungenentzündungen in den vergangenen zehn Monaten, da muss ich einfach vorsichtig sein.“

Langweilig werde ihr zu Hause aber nicht. „Wir sind gerade umgezogen und es stehen noch genügend Kartons zum Ausräumen da“, berichtet Eckhardt.

Eckhardt bei DOSB-Livestream mit dabei

Die Spitze des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) hat in einem Videochat mit mehr als 200 Athleten des Team Deutschland die aktuelle Situation zu den Olympischen Spielen in Tokio (24. Juli bis 9. August) analysiert. Präsident Alfons Hörmann, Dirk Schimmelpfennig (Vorstand Leistungssport), Britta Heidemann (IOC-Athletenkommission) und Fechter Max Hartung haben Stellung bezogen.

Dabei wurde angekündigt, ein Stimmungsbild aller betroffenen Athleten bezüglich der Frage der Ausrichtung der Olympischen Spiele in Tokio einzuholen. Mit dabei war auch die Dreispringerin Neele Eckhardt (LG Göttingen). Ergänzend zu dieser erstmals in der Geschichte des DOSB initiierten Befragung der Athleten wird in den kommenden Tagen der Austausch mit den betroffenen Spitzenverbänden stattfinden.

Von Kathrin Lienig

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