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Regional Nordic Walking lässt die Sonnenenergie hinein
Sportbuzzer Sportmix Regional Nordic Walking lässt die Sonnenenergie hinein
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18:34 17.11.2011
Von Michael Bohl
Leicht und locker: Wolfgang Apsel (links) und Michael Bohl auf den ersten gemeinsamen Trainingsmetern. Quelle: Pförtner
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Duderstadt

Schneckenstechen? Ich soll mich im Schneckenstechen versuchen? Ein wenig skeptisch schaue ich doch, als mir die Aufgabe zufällt, mich im Rahmen unserer Selbsttest-Serie um die Sportart Nordic Walking zu kümmern. Die beste Ehefrau von allen (also meine) dreht zwar regelmäßig – unter dem Einsatz der Stöcke – mit Begeisterung ihre Runde auf dem Duderstädter Stadtwall, doch ich habe unter Sport eigentlich immer etwas verstanden, was mit Spielen und Bällen zu tun hat.

Doch was soll‘s – das Los hat es eben nicht gut mit mir gemeint?! Immerhin habe ich schnell einen Vereinsübungsleiter gefunden, bei dem ich ein Schnuppertraining absolvieren kann. Ich habe schon häufiger über die Laufgruppe des Tischtennis-Klubs TT Tiftlingerode berichtet, die aber nicht nur aus Langstreckenläufern besteht, sondern zu der auch siegreiche Walker zählen – zum Beispiel Martin Woltermann, der schnellste „Geher“ beim Duderstädter Sparkassenlauf 2011. Ihre Erfolge haben die Tiftlingeröder nicht zuletzt ihrem Trainer Wolfgang Apsel aus Duderstadt zu verdanken – und auch ich ernenne ihn zum Coach meines Vertrauens.

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Ich treffe mich mit dem Übungsleiter am Wallaufgang am Westertorteich. Er hat mir nach Absprache zwei Stöcke mitgebracht und erklärt mir zunächst, wie ich diese handhaben muss. Die Hände in die jeweils richtige Schlaufe am Griff zu stecken, ist kein Problem, zumal die Buchstaben L und R mir verraten, wo es lang geht. Danach lauern aber bereits die ersten Fehlerquellen. „Die meisten Anfänger versuchen gleich einen festen Griff,“ berichtet Apsel, „aber ich halte den Stock nicht fest – ich bringe ihn locker nach hinten und habe ihn doch stabil in der Hand.“ – Jetzt weiß ich auch, wozu die bereits erwähnten Schlaufen benötigt werden.

Gemeinsam setzen wir uns in Bewegung. Ich soll die Stöcke nur schleifen lassen, doch auch so bekomme ich auf Anhieb die wirklich großartige Walking-Wirkung zu spüren. Die „Gehhilfen“, erläutert Apsel, führten automatisch dazu, dass sich der Walker aufrichtet. Die Folge: „Das Brustbein kommt raus, und du fühlst dich voller Energie, die dir entgegenkommt. Du nimmst den Sonnen-Energiepunkt in dich auf, du fühlst dich leicht und locker. Die Muskulatur baut sich besser auf, und du gehst viel geschmeidiger, denn du kommst gleich in den Rhythmus des Körpers – alles fällt leichter, und du fühlst dich einfach nur gut.“

„Das stimmt!“, muss ich zugeben. Ich fühle mich sofort an meine letzte Kur und die dortige Premiere beim Aqua Jogging erinnert: Wegen meiner Kniebeschwerden darf ich nicht richtig laufen, und nach jahrelanger Entwöhnung war das Laufen im Wasser ein unbeschreiblich tolles Gefühl.

Der nächste Schritt beim Walken fällt mir allerdings schwer. Der Versuch, die Stöcke gezielt einzusetzen, misslingt. „Anfassen, loslassen!“, kommandiert Apsel, und ich bemühe mich, die Anweisung zu befolgen. Die Konzentration auf den Bewegungsablauf („Schulter nach oben unten, Bauchnabel oben hinten“, erklärt mein Trainer) zieht jedoch Anspannung nach sich. „Nicht verkrampfen!“, lautet daher Apsels folgender Hinweis. Es ist aber genau wie mit dem ungezwungenen Beisammensein, zu dem man eingeladen wird – das klappt nicht. Wir belassen es also beim „schleifenden“ Gang, bei dem die Stöcke jedoch ebenfalls sogleich ihren Effekt entfalten. Apsel: „Die Stöcke verhindern das Zusammenfallen des Oberkörpers – es ist wie bei einer Marionette, das Brustbein wird nach vorn gezogen. Ich komme automatisch in die Haltung, bin sofort gerade.“

Als Gesundheitssport – so mein Eindruck – ist Nordic Walking klasse. „Für deine Rückenprobleme ist das eine wunderbare Geschichte“, versichert mir der Übungsleiter. Selbst meine Arthrose in den Knien müsse mich bei entsprechendem Training nicht bremsen – im Gegenteil. „Ich habe einen in der Gruppe, der legt mit Stöcken 5000 Meter in 38 Minuten zurück. Wenn er aber für das Sportabzeichen 50 Meter läuft, kriegt er sofort Probleme“, erzählt Apsel.

Unabhängig vom Schneller-Werden könnte mich Walking schon allein dank des Befreit-Fühlens reizen. Ohne fachkundige Anleitung, warnt Apsel, sollte man es allerdings nicht tun. Was bedeutet, dass meine Frau ihre Wallrunden vorerst weiterhin allein drehen muss – schließlich hat sie keinen Trainerschein!