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Regional Norwich gewinnt souverän, RSV 05 enttäuscht
Sportbuzzer Sportmix Regional Norwich gewinnt souverän, RSV 05 enttäuscht
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23:10 20.07.2011
Gruppenbild mit Betreuern: Nach dem letzten Spiel von Norwich City versammeln sich die Spieler zum Erinnerungsfoto.
Gruppenbild mit Betreuern: Nach dem letzten Spiel von Norwich City versammeln sich die Spieler zum Erinnerungsfoto. Quelle: Theodoro da Silva
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Vor einer enttäuschenden Kulisse von etwa 600 Zuschauern, die meisten von ihnen 05-Fans, setzen sich die „Canariens“ in der ersten Partie gegen den Landesliga-Aufsteiger Sparta durch, im zweiten Spiel gegen den Oberliga-Aufsteiger RSV 05. Den Vergleich der Göttinger Teams entscheidet überraschend Sparta durch einen 3:1-Sieg für sich.

Paul Standley hat eine lange Reise hinter sich. Er besorgt sich und seinem Kumpel erst mal zwei Bier. Standley stammt aus Norwich, arbeitet aber seit 20 Jahren für Ford in Köln. Seiner Liebe zu den wegen ihrer grün-gelben Trikots Kanarienvögel genannten Elf von City tat dies aber keinen Abbruch, und so organisiert er den deutschen Fanklub und nahm gestern leichten Herzens die 293 Kilometer lange Strecke auf sich. Grant Holt, den stürmenden Kapitän, will er sehen, und Wesley Hoolahan, aber auch die Neuen – genauso wie das Dutzend Fans, das von der Insel angereist ist.

Im ersten Vergleich mit Sparta ist den Norwich-Spielern nicht unbedingt anzumerken, dass sie gerade ein anstrengendes Trainingslager in Teistungen absolvieren. Aber auch die Göttinger Vertretung präsentiert sich gut, muss im ersten von drei 45-minütigen Vergleichen nach sieben Minuten das 0:1 hinnehmen: Eray Sen schießt bei einem Befreiungsversuch City-Neuzugang und U-21-Nationalspieler James Vaughan an, der mit einem strammen Schuss Patrick Feddern keine Chance lässt. Zehn Minuten später zappelt der Ball erneut im Sparta-Tor, und wieder ist es Vaughan, der eine scharfe Hereingabe von Chris Martin per Kopf verwertet. Der Landesligist hält tapfer dagegen und kommt zumindest zu Fernschüssen durch den agilen Neuzugang vom RSV Mathis Klein und Maurice Taubert (Holtensen). Doch Simeon Jackson am langen Pfosten (22.) und George Francomb, der völlig frei zum Schuss kommt (29.), sorgen für ein standesgemäßes Ergebnis.

Sparta-Trainer Heiko Bause ist nach der Partie „sehr zufrieden“. Körperlich sei Norwich „so was von überlegen gewesen“, sagt Verteidiger Lukas Pochopien, der später verabschiedet wird. „Aber es sind auch nur Menschen.“ Ersatztorwart Torben Schmied, der erst nach den Gegentreffern für Feddern kommt, darf sich rühmen, gegen einen englischen Erstligisten „zu Null“ gespielt zu haben.
In der zweiten Partie dauert es drei Minuten länger, bis der Ball im Tor liegt. Am langen Pfosten hat der walisische Nationalspieler und City-Neuzugang Steve Morison keine Mühe, per Kopf zu treffen (10.). Die Gangart ist nun härter, das Geschehen schaukelt sich etwas hoch. Gelbe Karten werden verteilt, im Fokus des City-Zorns steht RSV-Stürmer Nicola Grimaldi. Dieser möge bitte vom Platz genommen werden, lautet der lautstark geäußerte Wunsch eines Norwich-Betreuers in Richtung der Organisatoren. Grimaldi bleibt. Später regt sich auch City-Coach Paul Lambert, Ex-Profi von Borussia Dortmund, auf. „Ist gut jetzt, es reicht“, wird er vom Göttinger Schiedsrichter-Assistenten Sven Begas gemaßregelt. Begas hatte bereits als Leiter der ersten Partie Courage bewiesen, als er Jackson für eine Schwalbe verwarnte.

Die Gemüter beruhigen sich, und Elliot Bennett (21.) sowie zweimal Elliot Ward (34., 43.) sorgen für den 4:0-Endstand. Den fünften Gegentreffer verhindert RSV-Keeper Dennis Koch, als er einen Morison-Schuss noch an die Latte lenkt.
„Das war für uns eine gute Vorbereitung“, sagt Lambert, der nach dem Abpfiff zu den Protesten wegen harten Einsteigens nichts sagen will. Mit der Leistung seines Teams sei er glücklich, die Göttinger Mannschaften hätten „einen guten Job gemacht“. City sei fünfmal hintereinander richtig hart eingestiegen, berichtet RSV-Akteur Erol Saciri. „Als wir dann mal ein Zeichen gesetzt haben, fangen die an zu weinen.“ Trotzdem wünsche er Norwich „viel Glück in der Premier League“.

Mike Wegener, Kotrainer des RSV, ist nicht wegen des 0:4, sondern wegen des 1:3 gegen Sparta bedient. „Ich bin absolut enttäuscht, die Einstellung hat überhaupt nicht gestimmt. Einige Spieler müssen sich überlegen, ob ihre Einstellung der Oberliga gerecht wird“, sagt er. Die Tore für Sparta erzielen Weska und zweimal Zackenfels, der Gegentreffer gelingt Siric. „Der Hammer“, sagt ein hocherfreuter Sparta-Coach Bause.

Auch RSV-Teammanager Jan Steiger bläst ein wenig Trübsal: „Die Zuschauerzahl ist okay, ein paar mehr wären schön gewesen“, sagt er. Zu diesem Zeitpunkt ist Paul Standley schon auf der Heimfahrt. Am Sonnabend beim Testspiel gegen eine Eichsfeld-Auswahl in Teistungen will er wieder dabei sein. Obwohl er glaubt, dass Lambert in dieser frühen Phase der Vorbereitung eigentlich gar nicht so viele Norwich-Fans dabei haben möchte.

Von Eduard Warda