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Regional Otto Bock hilft Kilimandscharo-Erstbesteigerin
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18:28 22.07.2011
Beim Sommerfest des Bundespräsidenten: Heinrich Popow, Bettina und Christian Wulff mit Kelly Cartwright.
Beim Sommerfest des Bundespräsidenten: Heinrich Popow, Bettina und Christian Wulff mit Kelly Cartwright. Quelle: EF
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Diese Aussagen der attraktiven Australierin wären nichts Besonderes, hätte sie nicht im Alter von 15 Jahren eine Operation über sich ergehen lassen müssen, die Menschen zerbrechen lassen kann. Die Diagnose nicht-therapierbarer Knochenkrebs ließ der Teenagerin damals keine andere Chance, als sich das rechte Bein amputieren zu lassen.

Jetzt, sieben Jahre nach der Operation, blickt die 22-Jährige auf eine Paralympics-Teilnahme in Peking, zwei Weltmeister-Titel und einen Weltrekord zurück. Ebenso selbstverständlich nahm sie im August 2009 ein Abenteuer in Angriff, das zuvor noch keine oberschenkelamputierte Frau bestanden hatte: Den Aufstieg auf den Kilimandscharo, mit 5895 Metern Afrikas höchsten Berg. „Das war wirklich die härteste Sache, die ich je gemacht habe, und ich bin schon stolz, dass ich das geschafft habe und die erste Oberschenkel-Amputierte bin, die den Kilimandscharo erklommen hat“, sagt Cartwright.

Am stärksten habe sich die letzte Etappe des siebentägigen Abenteuers in ihr Gedächtnis eingebrannt. „Wir sind nachts gelaufen, um den Sonnenaufgang vom Gipfel aus zu sehen. Es war unglaublich“, so Cartwright. Um ihr C-Leg – ein hydraulisches Kniegelenksystem, bei dem Stand- und Schwungphase komplett von einem Mikroprozessor gesteuert werden – aufzuladen, nutze sie die mitgeführte Technik eines Kamerateams, das die Bergsteiger-Gruppe begleitete. „Vor dem Aufstieg hatte ich zwar Respekt, aber ein wenig gefürchtet hatte ich mich vor der Kälte auf dem Berg. Und vor dem Abstieg, denn dann ist der Druck auf meinen Stumpf besonders groß“, sagt die Spitzensportlerin.

Schmerzen am Stumpf sind der australischen Ausnahme-Athletin nicht fremd, denn ihr rechtes Bein musste oberhalb und nicht im Kniegelenk abgenommen werden. „Deswegen gibt es viel weiches Gewebe, das aufgrund des Drucks schmerzen kann“, erklärt Karl Becker. Der Leiter Orthopädie-Technik bei Otto Bock hält Cartwright für „unglaublich talentiert. Ich kenne keinen Menschen, der mit so einer hohen Amputation noch so enorme Kraftwerte erreicht.“

Trotz ihrer beiden WM-Titel und des Weltrekordes bei der Weltmeisterschaft im Januar dieses Jahres im neuseeländischen Christchurch ließen sie die Schmerzen an ihrem Stumpf zweifeln, ob der Hochleistungssport wirklich das Richtige für sie ist. „Ich habe dann Heinrich Popow kennengelernt, und ich habe ihm von meinem Problem erzählt“, schildert Cartwright. Der ebenfalls oberschenkelamputierte Deutsche, der in Christchurch Weltmeister über 100 m und im Weitsprung wurde, berichtete ihr dann von seinem technischen Dienstleister Otto Bock und brachte beide Seiten zueinander.

Anfang Juli verbrachte die Australierin dann zwei Wochen in Duderstadt, wo ein komplettes Technik-Team um Orthopädie-Mechaniker Wolid Sharif sich des schmerzenden Stumpfes annahm. „Es ist wirklich schon unglaublich viel besser geworden. Ich hoffe sehr, dass ich nun verletzungsfrei trainieren kann, um im kommenden Jahr bei den Paralympics in London in Top-Form zu sein“, sagt Cartwright. Einem ersten Leistungstest unterzieht sich die Athletin an diesem Wochenende bei den internationalen Deutschen Meisterschaften in Singen, wo sie sowohl über die 100 Meter als auch im Weitsprung an den Start gehen will.

„Kellys Geschichte ist unglaublich. Sie zeugt von so viel Kraft und Willen. Kelly kann vielen amputierten Menschen als Vorbild dienen. Ein normales, bewegtes Leben ist die Grundlage, Leistungssport ausüben zu können. Mit ihr als Mobilitätsbotschafterin sprechen wir deswegen nicht über Gold, Silber oder Bronze bei Paralympics oder Weltmeisterschaften, sondern über gelebte Inklusion“, betont Dirk Artmann, Leiter des Ressorts Unternehmenskommunikation bei Otto Bock. „Als Botschafterin von Otto Bock kann ich noch mehr Menschen erreichen. Ich will ihnen mitteilen, dass das Leben nach einer Amputation nicht vorbei ist. Wenn ich mit meiner Geschichte da ein kleines Vorbild sein kann, dann ist das gut“, unterstreicht Cartwright.