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Regional Paralympics als Werbeplattform
Sportbuzzer Sportmix Regional Paralympics als Werbeplattform
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18:37 28.02.2012
Von Mark Bambey
Von Sponsoren und Fans umrahmt: Roberto La Barbera beim Weitsprung während des International Paralympic Day in Berlin. Quelle: Coudenys
Göttingen

Die Medienpräsenz ist in den vergangenen sechs Jahren enorm gestiegen, und Experten prognostizieren für London 2012 ein weiteres deutliches Wachstum. Im Sog des öffentlichen Interesses sehen immer mehr Unternehmen die Paralympics als „effiziente Werbeplattform“. Der Göttinger Jens Hubert hat sich in seiner Masterarbeit mit dem Sponsoring im Behindertensport befasst und empfiehlt den Unternehmen unmittelbares Handeln. 

„Milliardenschwere Werbeverträge wie bei den Olympischen Spielen kann der paralympische Sport noch nicht vorweisen. Doch die Kommerzialisierung beginnt, auch wenn sie erst am Anfang steht“, sagt Hubert. Neben den traditionellen Förderern wie dem in Duderstadt ansässigen Medizin-Technik-Unternehmen Otto Bock und der Bayer AG hätten zuletzt immer mehr Firmen den Weg in den Kreis der Unterstützer gefunden. Als einen Meilenstein beschreibt der Sportwissenschaftler das Vermächtnis des damaligen Bundespräsidenten Horst Köhler. Dem bekennenden Behindertensport-Fan und Vater einer blinden Tochter ist es zu verdanken, dass sich die Allianz AG und die Deutsche Telekom AG als Förderer des sogenannten Top-Teams engagieren. Köhler hatte 2006 die Vorstandsvorsitzenden zu einer Reise zu den Paralympischen Winterspielen in Turin eingeladen.

Mehr Geld für den Spitzensport bedeutet dabei auch gleichzeitig bessere Bedingungen für die Athleten. Denn im Gegensatz zu den Olympioniken, die sich dank lukrativer Sponsoringverträge und der deutschen Sporthilfe meistens als Vollprofis auf ihren Sport konzentrieren könnten, sei dies für Paralympioniken nicht selbstverständlich. Einzelsportler-Sponsoring sei im Behindertensport noch nicht sehr weit verbreitet. Otto Bock unterstützt mit dem deutschen Paralympics-Medaillen-Kandidaten Heinrich Popow, der Australierin Kelly Cartwright und der russischen Handbikerin Svetlana Moshkovich gleich drei Athleten. „Einer der wenigen deutschen Vollprofis war der 2011 abgetretene Gerd Schönfelder, der bei Paralympischen Winterspielen 16 Goldmedaillen gewinnen konnte“, betont Hubert.

Die meisten Athleten haben also nicht nur einen aufwendigen Alltag zu bewältigen, sondern müssen ihren trainingsintensiven Sport auch mit einer vollen beruflichen Tätigkeit vereinbaren. Dank des Top-Teams können die Athleten mehr Zeit für Training und Wettkämpfe aufbringen. Berufstätige Sportler können sich bis zur Hälfte ihrer Arbeitszeit freistellen lassen. „Das ist eine fantastische Unterstützung, die man mit Geld gar nicht aufwiegen kann, und dafür bin ich  sehr, sehr dankbar“, zitiert Hubert die deutsche Top-Team-Athletin Kirsten Bruhn. Für die Freistellung erhalten die Arbeitgeber einen finanziellen Ausgleich von bis zu 1500 Euro im Monat.

Jens Hubert

Jens Hubert

Jens Hubert wurde am 26. Dezember 1978 in Hagen geboren. Sein Erststudium mit der Fächerkombination Sportwissenschaften, Soziologie und Romanische Philologie schloss er 2006 an der Georg-August-Universität ab, wo er sich 1999 eingeschrieben hatte. An der Friedrich-Schiller-Universität in Jena studierte er ab 2009 Sportmanagement. Hubert ist in der Region unter anderem als Tennislehrer tätig.

„Immer mehr deutsche Konzerne entdecken die gehandicapten Sportler als gesellschaftliche Vorbilder, die dem Konzern sehr positive Imagewerte und folglich eine hohe gesellschaftliche Akzeptanz verschaffen“, beschreibt der 33-Jährige.  „Für die Wirtschaft empfehle ich den Behindertensport und seine Größen als Werbeplattform. Der heutige Einstieg in ein Sponsoring im Behindertensport ist für die Wirtschaft noch vergleichsweise günstig, wird aber mit dem attestierten erhöhten Medienaufkommen in Zukunft deutlich teurer werden“, so Hubert. Allerdings macht er auch auf Risiken aufmerksam. „Die kontinuierliche Medienpräsenz als Transferfaktor für Sponsoringzahlungen aus der Wirtschaft ist bisher zu wenig gegeben“, warnt Hubert. Mit Blick auf die Paralympics hat er in Rücksprache mit ZDF-Paralympics-Fachmann Peter Kaadtmann allerdings Positives zu berichten. „Die Fernsehberichterstattung über die Paralympics hat in den vergangenen Jahren enorm zugelegt. Seit 2000 hat sich die Berichterstattung über die Sommerspiele verdoppelt, über die Winterspiele mehr als vervierfacht. Für die Paralympics in London werden neue Rekorde erwartet“, betont Hubert. Eine Nachricht, die sicherlich nicht nur Sponsoren, sondern auch Sportler und Fans glücklich macht.

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