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Regional Perfektes Duo: „Fiddle Faddle“ und Tischtennis
Sportbuzzer Sportmix Regional Perfektes Duo: „Fiddle Faddle“ und Tischtennis
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17:47 12.09.2011
Von Kathrin Lienig
Geschafft: die Sportgymnastinnen des MTV Geismar bei ihrem Schlussbild. Quelle: Theodoro da Silva
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Göttingen

Die Benefizgala, deren Erlös jeweils zur Hälfte an städtische Nachwuchsprojekte im Sport und in der Kultur geht, soll einen dauerhaften Platz im Göttinger Veranstaltungskalender bekommen. Einen Zwei-Jahres-Rhythmus könnten sich die Macher gut vorstellen.

Sie sind am Ende ihrer Choreografie, da ist das Göttinger Symphonie Orchester schon fertig mit Amadeo Vives’ Fandango aus „Dona Francisquita“. Die kurzfristig eingesprungene KAZ-Gruppe „Akro Ladies“ lässt sich aber (nach nur einer Woche Vorbereitungszeit) davon nicht beeindrucken. Die zwei Frauen und drei jungen Mädchen bauen in aller Seelenruhe ihr Abschlussbild – und bekommen jede Menge Beifall.

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Sport meets Music – zum zweiten Mal nach 2010 haben der Stadtsportbund und das Göttinger Symphonie Orchester am gestrigen Sonntagabend die Benefizgala in der nahezu ausverkauften Göttinger Stadthalle veranstaltet. Die Zuschauer genossen erneut eine ungewöhnliche Mischung aus Bewegung und Musik. Vertreter unterschiedlicher Sportarten demonstrierten, dass ihr Sport sehr wohl mit klassischer Musik harmonieren kann – mal temporeich, mal langsam und ruhig. Die einzelnen Gruppen hatten sich wochenlang auf die Show vorbereitet, sich teilweise auf – für sie – ungewöhnliche Rahmenbedingungen eingelassen und wurden gestern mit tosendem Applaus von den Zuschauern für ihren Mut und ihre Choreografien belohnt.

Danach wird es fernöstlich: Musik (Orientalischer Festmarsch aus der Aladdin-Suite von Carl Nielsen) und Sport passen perfekt zusammen. Die Modern-Arnis-Gruppe des ASC 46 trainiert nicht unbedingt mit musikalischer Untermalung, hat sich aber eine stimmige Choreografie mit Stöcken und Messern erarbeitet.

Mit angezogener Handbremse müssen die Rollkunstläuferinnen ihren Blumenwalzer aus dem Tschaikowsky-Ballett „Der Nussknacker“ auf die kleine, t-förmige Bühne bringen. Sie sind konzentriert die Sieben- bis 13-jährigen Mädchen – und sie machen keine Fehler. Kaum ein Wackler, kein Sturz, das Publikum ist begeistert, die Läuferinnen strahlen.

Jacques Offenbachs „Can Can“ aus Orpheus in der Unterwelt ist eigentlich untrennbar mit hochgerafften Röcken und viel nacktem Bein verbunden. Es geht auch anders: Minimalistisch wirken die exakten Schritte der Linedance-Gruppe des MTV Grone. Statt aufreizenden Kostümen gibt es Cowboyhut, schwarze Jeans und Westernstiefel. Aber alles passt perfekt.

Modern Dance (ASC 46) und der Joseph-Strauss-Walzer „Nilfluthen“ passen auch zusammen. Die sechs Frauen mischen Teile ihres Tanzstils mit denen aus dem Ballett, sie erzählen eine Geschichte mit komischen Elementen. In ihrem Metier sind die Tänzer der Lateinformation des TSC Schwarz-Gold bei der „Rumba melodica“ aus „Danzorama“ von Ernst Fischer. Drei Paare beherrschen die Bühne, haben eine große Präsenz. Der Diabolo-Künstler Zargo bedient sich bei Mozarts „Jupiter-Symphonie“ nicht nur eines einzigen Gerätes. Auch mit Keulen und Bällen jongliert er im Takt der Musik.

Mutige Flugelemente und hohe Pyramiden zeigen die BG-Cheerleader zu Johann Strauß‘ „Blitz und Donner“. Die Parkour-Trendsportler und Trampolinturnerinnen vom ASC 46 zeigen zu Leroy Andersons „Belle of the ball“ Salti, Schrauben und Überschläge. Dass sie jede Menge Spaß bei ihrer Show haben, kommt rüber. Dynamisch interpretieren vier Spielerinnen und Spieler aus dem Tischtennis-Nachwuchsbereich von Torpedo Andersons „Fiddle Faddle“. Sie wirken vor dieser großen Kulisse gar nicht aufgeregt, spielen sie doch ihre Punktspiele – wie einer der Spieler im Interview mit Moderator Andreas Lindemeier erläutert – „vor unseren Eltern und vielleicht noch zehn anderen Zuschauern“.

Aber auch das GSO hat mal Pause. Der Comedy Company reicht bei ihrer sehenswerten Wasserballett-Improvisation im Hip-Hop-, Rock- und Opernformat ein Keyboard zur musikalischen Untermalung. Der Göttinger Grundschulchor bekommt Unterstützung von der sportlich, in Fußballtrikots gekleideten Lehrerband. Drei mutige Grundschüler wagen sich an den Ganz-Schön-Feist-Klassiker „Die Liebö“ (Tränen lügen nicht). Sie bekommen nicht nur tosenden Applaus, sondern werden anschließend auch noch vom „Original“ geadelt: „Wir sehen das als Hommage an uns. Aber es ist doch schon erstaunlich, dass uns Grundschüler die Butter vom Brot nehmen“, sagt Rainer Schacht von Ganz Schön Feist. Zum großen Finale kommen die „echten“ Feisten dann aber gemeinsam mit ihren jungen Nachahmern auf die Bühne. Auf den T-Shirts der Kinder prangen hinten GSF-Autogramme.

Begeistert waren nicht nur die Zuschauer nach mehr als zwei Stunden Programm. Auch GSO-Chefdirigent Christoph-Mathias Mueller ist zufrieden – und verschwitzt: „Das habe ich noch nie erlebt, dass zu einer Mozart-Symphonie rhythmisch mitgeklatscht wurde.“ Er freut sich auch darüber, ein Publikum in die Stadthalle gelockt zu haben, „das sonst nicht unbedingt zu unseren Konzerten kommt“.

„Besser als im vergangenen Jahr“, schwärmt ASC-Präsident Andreas Bartsch und liefert auch gleich die Erklärung nach: „Der Sport stand dieses Mal mehr im Vordergrund. Wir haben gesehen, was für ein Potenzial in dieser Stadt steckt.“ Zufrieden war auch Stadtsportbund-Vorsitzender Andreas Gruber: „Es ist genial gelaufen. Aber bei diesen tollen Leuten im Hintergrund konnte auch nichts schief gehen“, lobte er das Stadthallenteam für die Unterstützung.