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Regional „Psychiatrie-Erfahrene“ für den Sport begeistern
Sportbuzzer Sportmix Regional „Psychiatrie-Erfahrene“ für den Sport begeistern
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17:51 28.07.2011
Großer Einsatz: Am Jahnstadion wird verbissen gekämpft.
Großer Einsatz: Am Jahnstadion wird verbissen gekämpft. Quelle: Heller
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Göttingen

Stefan fiebert mit seiner Mannschaft mit – immerhin gilt es, den amtierenden Meister zu schlagen. Sein Team, die Devils Frankfurt, steht beim Easi-Cup in der Endrunde gegen Vorjahressieger Sport Linz auf dem Platz.
300 Sportler aus ganz Europa sind dieses Jahr zu der viertägigen Veranstaltung nach Göttingen gekommen. Das Besondere: Der Easi-Cup richtet sich an chronisch psychisch Kranke. Sie spielen Fußball oder Volleyball, tragen Schwimm- und Laufwettkämpfe aus. „Der gemeinsame Sport soll Appetit machen auf mehr“, erklärt Frank Müller-Gerstmaier, Vorsitzender des Göttinger Vereins „Come together“, Ausrichter des Easi-Cups. Psychisch Kranke schafften es häufig nicht, ihren Alltag mit den Anforderungen der „normalen“ Sportvereinslandschaft in Einklang zu bringen.

Auch Stefan fällt es schwer, mit anderen Menschen Schritt zu halten. Er sei „Klient“ beim Frankfurter Verein für soziale Heimstätten. Die Ärzte haben bei dem 44-Jährigen eine Psychose diagnostiziert. „Beim Sport kommt man auf andere Gedanken“, sagt er. Stefan hat beim Easi-Cup in Göttingen den 4000-Meter-Lauf mitgemacht und ist im Gruppenbad Eiswiese die Wettbewerbe Brust, Freistil und Staffel geschwommen. „Ich bin froh, dass ich das geschafft habe. Mein Ziel war: Zähne zusammenbeißen und durch.“

So wie bei Stefan steigert die sportliche Betätigung bei vielen psychisch Kranken das Selbstwertgefühl. Einige Mannschaften haben beim Easi-Cup, der jedes Jahr in einem anderen Land ausgetragen wird und vergangenes Jahr in Amerfoort in den Niederlanden stattfand, besonderen sportlichen Ehrgeiz entwickelt. Die Devils Frankfurt wollen gewinnen, und so spielen sie auch auf dem Fußball-Kleinfeld: konzentriert, mit viel Einsatz, und manchmal sehr hart.

„0:13 haben wir gegen die Frankfurter verloren“, berichtet Patrick. Der 21-Jährige ist Torwart und Kapitän bei der Fußballmannschaft Pro Move (Ifas Göttingen). Das Team hat sich kurzfristig gegründet und ist beim Sportfest dabei, um Spaß zu haben. „Wir sind ein zusammengewürfelter Haufen, anders als die Frankfurter“, sagt der 47-jährige Dirk. „Wir überlegen aber bereits, regelmäßig Fußball zu spielen,“ ergänzt Teamkamerad Konstantin (24).

Sollte das Team Pro Move diese Vorhaben in die Tat umsetzen, wäre ein wesentliches Ziel des Easi-Cups erreicht. „Dadurch, dass regionale sozialpsychiatrische Versorger und Psychatrie-Erfahrene gezielt eingeladen werden, erfolgt vor Ort eine nachhaltige Mobilisierung für sportliche Aktivität“, unterstreicht Veranstalter Müller-Gerstmaier.

Von Björn Dinges