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Regional Regel gibt noch mehr Spielraum für Diskussionen
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19:12 09.11.2011
Stehen oft in der Kritik: Fußball-Schiedsrichtergespanne, hier auf dem Weg zur „Arbeit“. Quelle: Pförtner
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Duderstadt

Die Auslegung der umstrittenen Regel, nach der ein Schiedsrichter das Spiel laufen lassen muss, wenn ein Spieler zwar im Abseits steht, aber nicht aktiv oder irritierend in das Spielgeschehen eingreift, sei problematisch, sagt Christian Rahlfs, Schiedsrichterobmann des Fußballkreises Göttingen. „Die Schiedsrichter müssen schon genug schwierige Situationen beurteilen. Das passive Abseits gibt noch mehr Spielraum für Diskussionen“, so Rahlfs, der die aktuelle Auslegung zumindest für „überlegenswert“ hält.

„Wir auf Kreisebene haben von Seiten des DFB oder der FIFA noch keine offiziellen Informationen erhalten“, betont Rahlfs, so dass die Schiedsrichter im Raum Göttingen bislang lediglich dazu angehalten seien „klare Irritationen wegzupfeifen“. Speziell für sehr junge Schiedsrichter und Assistenten, die in den Ligen auf Kreis- und Bezirksebene verstärkt eingesetzt werden, sei die Entscheidungsfindung in Sekundenbruchteilen eine Herausforderung, die kaum zu bewältigen sei. „Das kann man vielleicht von Profi-Schiedsrichtern in der Bundesliga erwarten, aber nicht von so jungen Leuten.“ Eine spezielle Schulung für die Kreis- Gespanne gebe es nicht, erklärt der Schiedsrichter-Obmann, der das passive Abseits zudem für viel zu komplex hält: „Aus meiner Sicht ist die neue Auslegung für alle Beteiligten nicht verständlich.“

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Tobias Dietrich, Trainer von Fußball-Bezirksligist SV Germania Breitenberg, stimmt Rahlfs da zu. „Man sollte es mit den Abseitsregeln nicht übertreiben, sonst wird es auch für die Zuschauer unübersichtlich“, mahnt er und empfiehlt, bei Behinderungen generell auf Abseits zu entscheiden.

Einer, der sich mit den Schwierigkeiten der Zuschauer auskennt, ist Horst-Peter Gries. Der Ansetzer und Mitglied der Schiedsrichterkameradschaft leitet Spiele in der zweiten Kreisklasse und musste sich schon einige Sprüche bezüglich seiner Abseits-Entscheidungen anhören: „Viele verstehen die Regel nicht. Die meinen, das war gar kein Abseits, obwohl es das war. Früher war die Regel da eindeutiger“, erinnert sich Gries. Das Kernproblem, erläutert Dietrich, sei die subjektive Auslegung des einzelnen Spielleiters. „Was ist passiv, was nicht? Wer soll das entscheiden?“, verdeutlicht Dietrich, der durch eine klarere Definition auch die jungen Assistenten im Vorteil sieht. „So sind sie oft überfordert und trauen sich nicht, die Fahne zu heben.“

Auch für Frank Hundeshagen, Trainer von Fußball-Kreisligist SV Hertha Hilkerode, ist das passive Abseits „gerade in den unteren Ligen eine Regel, die nicht gelebt werden kann. Das macht es außerdem sehr schwer, selbst auf Abseits zu spielen. Ich fand die Regel von Anfang an nicht gut.“

Allerdings kristallisieren sich auch Befürworter der passiven Abseitsregel heraus: Die junge Generation. Der 20-jährige Nachwuchs-Schiedsrichter Niklas Milczewski, der Spiele bis zur Oberliga selbst leiten darf und sogar in der A-Jugend-Bundesliga an der Seitenlinie steht, sieht die jetzige Regelung „gerade richtig gewählt“. Bei einem eingespielten Gespann, wie es bis zur Kreisliga noch fungiert, seien die Entscheidungsfindungen realtiv problemlos. „Der Fußball entwickelt sich immer weiter, da müssen sich auch die Regeln ändern“, behauptet der Mingeröder.

Unterstützt wird der am höchsten pfeifende Schiedsrichter aus dem Eichsfeld von keinem geringeren als seinem Bruder Maurice. Der 16-Jährige, der sich im Talentkader des Bezirkes befindet und selbst schon jetzt Herren-Kreisliga-Spiele pfeift, hat die Abseitsregel von Anfang an so kennengelernt, wie sie heute besteht und komme nach eigenen Aussagen damit zurecht. Es sei zwar ein bisschen schwierig, die richtige Entscheidung zu treffen, aber „der Fußball besteht daraus, als Schiedsrichter diesen Spielraum zu haben“, spricht sich Maurice Milczewski für die passive Abseitsregel aus.

Von Christian Roeben und Joscha Kuczorra