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Regional Sandpiste wird über Nacht zum Schlammbad
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18:55 13.05.2011
Hardy Grüne: „Wegen Überschwemmungen sind viele Straßen für den allgemeinen Verkehr gesperrt – nicht so für uns.“ Quelle: EF
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Zum Ende zieht unser kleines Afrika-Abenteuer offensichtlich noch mal tüchtig an. Hinter uns liegt nämlich eine der härtesten Wochen der gesamten Tour, und obwohl wir alle in den vergangenen knapp vier Monaten ordentlich an Muskelmasse hinzugewonnen haben, gehen wir unisono auf dem Zahnfleisch.

Rund 700 Kilometer auf sandigem und erdigem Terrain durch die namibische Wüste standen auf dem Wochenplan. Schon normalerweise keine einfache Aufgabe, die durch diverse Wetterunbillen noch verschärft wurde. So warf uns heftiger Gegen- beziehungsweise Seitenwind fast von unseren Rädern, setzten gewaltige Gewitterstürme die rudimentären Pfade unter Wasser und verwandelten eine bei Trockenheit prima zu befahrene Sandpiste in ein Schlammbad, auf dem es kaum ein Fortkommen gab. Nie zuvor hat die Region derartige Regenmengen erlebt – und ausgerechnet jetzt pedalen wir durch das Herzstück des namibischen Tourismus.

Doch so hart die fünf Tage auf den Rädern auch waren, die Landschaft entschädigte für vieles. Der viele Regen verwandelte die Wüste in ein wunderschönes Naturschauspiel, das ständig neue Vorführungen für uns bereit hielt. Nachdem wir die berühmten Sanddünen von Sossusvlie verlassen hatten, ging es durch ein Gebirge versteinerter roter Dünen, auf denen der Regen einen weichen, grünlichen Flaum hinterlassen hatte. Ganz verzaubert von diesem Bild kämpften wir uns über eine raue Kies- und Sandpiste, während uns böiger Gegenwind das Radlerleben erschwerte. Mit jedem Kilometer verwandelte sich die weiche und baumlose Wüste dann allmählich in ein savannenähnliches Areal, das von unzähligen Springböcken bevölkert war und eine tiefe Ruhe ausstrahlte. Mitten drin erreichten wir nach rund 150 Tageskilometern unser Camp – eine auf der Landkarte als Betta ausgewiesene Tankstation mitsamt Minishop und Campingplatz, die in Nambia als „Ort“ durchgeht.

Tags darauf fühlten wir uns auf unseren Stahlrössern erneut wie Cowboys im Wilden Westen. Menschenleere und in der Hitze brutzelnde Savanne zu beiden Seiten, nur vereinzelt kleine Gehöfte und etwa alle 100 Kilometer ein Rasthof, dem im Grunde genommen nur die typischen Salontüren fehlten, um zu einem klassischen Western zu passen. Am Abend fesselte Mutter Natur uns dann mal wieder mit einem gewaltigen Spektakel und legte unseren Campingplatz mit einem tosenden Gewitter binnen Minuten komplett unter Wasser. Die ganze Nacht über goss es wie aus Eimern, und als wir am Morgen auf die Piste zurückkehrten, war das Entsetzen groß. Jene feste Sandoberfläche, über die wir tags zuvor noch mit bis zu 40 km/h beinahe geflogen waren, hatte sich in ein schlammiges und rutschiges Gebilde verwandelt, auf dem es quasi kein Fortkommen gab. Drei Stunden brauchten wir für die knapp 31 Kilometer bis nach Bethanie, wo uns eine geteerte Straße erlöste. Bisweilen war es sogar leichter, abzusteigen und ein Stück weit zu Fuß zu gehen, als sich mit dem Rad durch das wie Tapetenkleister wirkende Sand-/Wassergemisch zu quälen.

Der Höhepunkt einer Woche der körperlichen Qualen war der fünfte und letzte Tag. 174 Kilometer standen für unsere Radequipe an – davon über 130 „im Gelände“. Selbst unsere stärksten Rennfahrer sahen am Ende eines epischen Tages gezeichnet aus und hatten ihre längste Tagesfahrtzeit seit dem Start in Kairo registriert. Zum Ende will es uns Afrika offenbar noch mal so richtig zeigen...