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Regional Schenk sieht Chancen gegen Männerbündelei
Sportbuzzer Sportmix Regional Schenk sieht Chancen gegen Männerbündelei
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18:16 06.07.2011
Fifa-Präsident: Joseph „Sepp“ Blatter im vergangenen Jahr bei einer Pressekonferenz in Zürich.
Fifa-Präsident: Joseph „Sepp“ Blatter im vergangenen Jahr bei einer Pressekonferenz in Zürich. Quelle: dpa
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Göttingen

Über eine Stunde müssen die wenigen Zuhörer, die sich parallel zum Spiel der deutschen Frauenfußball-Nationalmannschaft gegen Frankreich im Hörsaal des Sportinstituts am Sprangerweg eingefunden haben, auf die vielgefragte Frau im verspäteten ICE warten. Doch für die Botschaft, die Schenk mitbringt, lohnt es sich. Ihr Vortrag ist Teil der Vortragsreihe „Friede, Freude, Frauenfußball?“ anlässlich der Frauen-WM am Institut für Sportwissenschaften.

Silvia Schenk spult trotz der langen Anreise keinen Standard-Vortrag über die viel kritisierte Männerwirtschaft bei der Fifa und dem IOC herunter. Das Thema „Männerbündelei im Sport als Form der Korruption“ liegt ihr am Herzen, denn ihre Karriere ist eng mit dem Sport und auch ihrem persönlichen Kampf um Mitbestimmung im Sport verbunden. In jungen Jahren, als Mittelstreckenläuferin bei den Olympischen Spielen 1972 in München, später als Dezernentin für Sport in Frankfurt oder als Präsidentin des Bundes Deutscher Radsportler (BDR) von 2001 bis 2004. Und auch heute, im Vorstand des Anti-Korruptions-Vereins „Transparency International“.

In sieben Thesen formuliert sie, wie Männerbündeleien entstehen, sich gegenseitig erhalten und was passieren muss, um sie aufzubrechen. Die Themen verschwimmen, Schenk geht es nicht allein um die Korruptionsbekämpfung, es geht auch um Gleichberechtigung in Sportbünden. „Männerbünde entstehen schon auf dem Platz, da waren Frauen lange außen vor. Die Männer kennen und vertrauen sich, warum sollte man sich dann gegenseitig kontrollieren?“ Diese Philosophie gebe es auch in internationalen Gremien. Doch gerade dort sei Sportpolitik so komplex geworden, dass in vielen Gremien überforderte Funktionäre säßen. „Autokratische Macher“ wie Sepp Blatter bildeten sich heraus. Gerade der Fußball mit seiner immensen Popularität sei für Politik, Wirtschaft und Medien ein unentbehrlicher Partner.

„Es ist unglaublich viel in Bewegung“, sagt Schenk. Ihr langer Atem hat dazu beigetragen, die aktuelle Debatte über die großen Sportverbände anzustoßen. „Der Druck auf die Verbände ist hoch. Die vier Hauptsponsoren der Fifa haben sich öffentlich geäußert, weil sie einen Imageschaden für sich befürchten. Adidas-Chef Herbert Hainer fordert offensiv Aufklärung von der Fifa.“ Dass sei vor Jahren noch nicht denkbar gewesen, sagt die 59-Jährige. „Und die Fifa ist erst der Schlüssel zu anderen Sportarten.“

Von Hendrik Maßen