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Regional Stehbrett-Paddeln: Test auf dem Göttinger Kiessee
Sportbuzzer Sportmix Regional Stehbrett-Paddeln: Test auf dem Göttinger Kiessee
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00:17 17.07.2013
In See gestochen: Etwas wackelig und zu Beginn ausschließlich geradeaus fahrend testet Hauke Rudolph die Trendsportart Stehbrett-Paddeln.
In See gestochen: Etwas wackelig und zu Beginn ausschließlich geradeaus fahrend testet Hauke Rudolph die Trendsportart Stehbrett-Paddeln. Quelle: Vetter
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Göttingen

Mit anderen Worten: In den Kiessee fallen ist nicht eines der Dinge, die man in Göttingen unbedingt getan haben sollte.

Doch genau das habe ich eben getan: Ich bin in den Kiessee gestürzt, weil ich die Knie nicht gebeugt, sondern durchgedrückt hatte, und auf diese Weise fast kerzengrade stand. Und das ist nicht die richtige Position für jemanden, der sich auf einem Stehpaddel-Brett übers Wasser bewegt.

Stehpaddel-Brett? Ja, genau so heißen die schmalen, schnittigen Bretter, die seit einiger Zeit immer häufiger auf den Seen, Bächen und Flüssen dieser Republik zu finden sind. In Hamburg gibt es davon schon so viele, dass man auf der Alster langsamer vorankommt als auf der Mönckebergstraße in der Rushhour.

Wobei die kosmopolitischen Hanseaten natürlich nicht den eingedeutschten Begriff Stehpaddel-Brett benutzen, sondern – weitaus cooler – Stand Up Board, oder auch kurz SUP.

Wie ein steinerner Regent auf seinem Marmorsockel

Erfunden wurden die SUPs von polynesischen Fischern, die auf ihnen vor Tahiti kreuzten. Später gelangten sie nach Hawaii und verbreiteten sich von dort aufs amerikanische Festland, nach Japan und Europa. Viel zu ihrer wachsenden Popularität hat der ehemalige Surf-Weltmeister Robby Naish beigetragen, dessen Ausrüstungsfirmen für Surfer mittlerweile auch SUPs produzieren.

Als großer Surfer, der er war und ist, besticht Naish bestimmt auch mit hervorragenden Fähigkeiten fürs SUP-Paddeln. Denn es hilft ungemein, wenn man schon mal auf einem Surfbrett gestanden hat. Ich habe das nicht. Und deshalb habe ich schon Mühe, mich überhaupt aufs Brett zu stellen, ohne mich sogleich fallenderweise ins Wasser zu begeben.

Auf Meer und Seen sind immer mehr Stehbrett-Paddler zu sehen. Auch auf dem Göttinger Kiessee. ©Vetter

Doch es gelingt. Ich stehe. Vorsichtig tauche ich das Paddel ins Wasser. Und tatsächlich – ich komme voran. Langsam zwar, aber stetig. Natürlich bewege ich mich ausschließlich geradeaus, die Fahrtrichtung zu ändern, will mir zunächst nicht gelingen. Und so paddle ich fröhlich voran, bis etwa in die Mitte des Sees.

Da werde ich überholt. Von einem Paddler, der so sicher auf seinem Brett steht, wie ein steinerner Regent auf seinem Marmorsockel. „So musst du das Ding halten“, ruft er mir zu, und demonstriert im Vorbeirasen die Paddelbewegung, die zum Kurswechsel führt.

Vorsichtig, ganz vorsichtig

Aha, denke ich, und mache es ihm nach. Und wieder habe ich ein rasches Erfolgserlebnis – mein Brett bewegt sich in die Richtung, die ich ansteuere. Prima, mein Brett macht das, was ich will, und einigermaßen schnell bin ich mittlerweile auch unterwegs. Tief tauche ich das Paddel ein, ziehe voll durch, jage übers Wasser wie ein Delphin, der die Fütterung nicht verpassen möchte.

Bis – ja bis ich vergesse, die Knie zu beugen, ich die Balance verliere, falle, und wenig später in den über mir zusammenschlagenden Fluten des Kiessees verschwunden bin.

Irgendwann tauche ich wieder auf. Mit viel Mühe gelingt es mir, das Brett an der Trageschlaufe zu packen und wieder auf die richtige Seite zu drehen. Das Ruder kriege ich auch zu packen. Anschließend gelingt es mir, meinen Fuß aus dem Griff der Wasserpflanze zu befreien. Und schließlich schaffe ich es sogar, mich wieder an Bord zu hieven.

Ich paddle an Land. Vorsichtig, ganz vorsichtig. Stehbrett-Paddeln ist empfehlenswert. Es macht sehr viel Spaß. In den Kiessee zu fallen dagegen überhaupt nicht.

Von Hauke Rudolph

Info

Stehpaddel-Bretter sind zwischen drei und 3,50 Meter lang, 80 bis 90 Zentimeter breit und wiegen zehn bis 15 Kilo. Sie bestehen aus hochwertigem Kunststoff und kosten zwischen 800 und 1400 Euro, ein Paddel schlägt mit 80 bis 400 Euro zu Buche.

Die Bretter sind leicht zu transportieren, weil sie – ähnlich wie zum Beispiel eine Luftmatratze – aufblasbar sind.  Andreas Keil, Inhaber des „Spinloop“ in Göttingen, verkauft und vermietet die Bretter. Nach den Sommerferien wird er auch Seminare auf dem Kiessee anbieten.