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Tanzsportteam Göttingen: DM-Traum droht zu platzen

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08:00 04.11.2020
Das Tanzsportteam Göttingen muss momentan das Training wieder runterfahren. Quelle: Heller
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Göttingen

Der Formationstanz ließ ihnen keine Ruhe: Das Zusammenspiel aus Musik und Energie, die die Paare als Einheit auf die Fläche bringen, hat Claudia Fischer, 35-jährige Ökotrophologin, genauso fasziniert wie Suzan Toptas, Lasse Schmidt, Felix König und Richard Bischoff. Für sie geht trotz zahlreicher Entbehrungen durch die Corona-Pandemie ein erfolgreiches Jahr zu Ende. Die fünf Tänzer haben gerade den Aufstieg in die erste Liga geschafft – sie sind von der B- in die A-Formation des Göttinger Tanzsportteams, in die Formation des amtierenden Deutschen Meisters aufgerückt. Eigentlich wollten Sie jetzt mit dem A-Team von Cheftrainer Markus Zimmermann im Dezember in Bremen den Titel verteidigen. Doch daraus wird wohl nichts, denn die Absage droht.

Deutsche Meisterschaft rückt in weite Ferne

Ein dickes Fragezeichen steht hinter den Deutschen Meisterschaften der Formationstänzer, die für den 12. Dezember in Bremen geplant sind. Am Donnerstag soll darüber endgültig entschieden werden. Das ließ Gaby Michel-Schuck, die Pressesprecherin des Deutschen Tanzsportverbandes (DTV), gegenüber dem Tageblatt verlauten. „Ich persönlich halte eine Durchführung für unrealistisch“, bedauert Markus Zimmermann, Cheftrainer des Tanzsportteams Göttingen. „Wir haben aktuell einen sehr guten Trainingsstand und müssen also von 100 auf 0 runterfahren. Für eine sinnvolle Trainingssteuerung ist das der Super-GAU.“

„Das reguläre Formations- und tänzerische Training ist unter diesen Umständen so gut wie unmöglich“, unterstreicht Christopher Linne, Coach der gerade in die erste Liga aufgestiegenen B-Formation. „Aber wir sind sicher, dass unsere Teams mit ihrer hohen Motivation auch diese Situation meistern werden“, sagt Zimmermann. nd

Damit ist auch der Traum von Richard Bischoff, 18-jähriger Schüler am Theodor-Heuss-Gymnasium, „eines Tages die Deutsche Meisterschaft der Formationen mittanzen zu dürfen“, wohl erst einmal geplatzt.

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Andererseits hat Bischoff das Leben noch vor sich. Seit seiner Konfirmation 2017 hat er über einen Tanzkurs bereits den steilen Weg bis in die A-Formation des Tanzsportteams zurückgelegt. In den Bann gezogen hat Bischoff zwischendurch Mary Shelleys „Frankenstein“, sein Lieblingsbuch, und der Filmkrimi „Der Hexer“ von Edgar Wallace. Und wenn der Magen knurrt, dann sind Combinazione al Forno oder Currywurst gefragt.

Richard Bischoff Quelle: R

Suzan Manolya Toptas schwört auf gefüllte Auberginen nach türkischer Art: „ Auf das Rezept meiner Tante ist besonders Verlass, dazu darf ein grüner Salat aber nicht fehlen.“ Die 17-jährige Schülerin der 13. Klasse des Felix-Klein-Gymnasiums ist ebenfalls erst 2017 zum Tanzsport gekommen. „Ich habe auf einem Abschlussball zwei Einzelpaare gesehen, die mich unglaublich fasziniert haben. Es war atemberaubend, wie zwei Paare so synchron die Fläche gefüllt und dadurch den ganzen Saal bewegt haben. Ich wollte auch dieses Gefühl vermitteln können und selber fühlen.“ Weitere Träume stehen noch aus: das Abitur, einige Reisen durch Europa zu unternehmen und dann Medizin zu studieren.

Suzan Toptas Quelle: R

Lasse Schmidt zeichnet gern abstrakte Bilder

Mittendrin im Mathe- und Chinesisch-Studium auf Lehramt steckt der 19-jährige Lasse Schmidt, der neben dem Tanzen in seiner Freizeit gerne abstrakte oder geometrische Bilder zeichnet und außerdem gern Badminton spielt. Sein Traum: „Ich möchte irgendwann einmal gerne den asiatischen Raum mit dem Fahrrad bereisen.“

Lasse Schmidt Quelle: R

Der Wunsch des 22-jährigen Medizinstudenten Felix König ist ein Haus am See. Zu tanzen hat er begonnen in einer Tanzschule in Holzminden, und das bereits „in einer kleinen Spaßformation“. Das Studium hat ihn nach Göttingen verschlagen. Folgelogisch schloss sich dort auch der steile Weg von der C- in die A-Formation des Tanzsportteams an. König, der „Blackout“ von Marc Elsberg als sein Lieblingsbuch bezeichnet und der für den Film „Zurück in die Zukunft“ schwärmt, ist ansonsten recht bodenständig: Angeln, Rennradfahren oder Camping zählen zu seinen weiteren Hobbys, und eine Rinderroulade mit Klößen und Rotkohl gehört zu seinem Leib- und Magengericht.

Felix König Quelle: R

Dazu könnte die Ökotrophologin (Haushalts- und Ernährungswissenschaflerin) Claudia Fischer sicherlich etwas sagen, aber spannend ist auch ihre bisherige bewegte Vita. Die aus Leipzig stammende Formationstänzerin war während ihrer Schulzeit zunächst im Leichtathletik-Leistungssport aktiv. Später bewegte sich ihr Interesse dann mehr in die musikalische und tänzerische Richtung weiter. „Ich habe ein paar Instrumente gelernt und zum Beispiel irischen Stepptanz und Jazz Dance ausprobiert.“

Claudia Fischer Quelle: R

Fischer ist in der Welt schon ein wenig herumgekommen: „Nach dem Abschluss meines Studiums habe ich einige Zeit in Australien und München gelebt, bis mich schließlich der Job nach Göttingen zog und damit auch zum Formationstanzen. Rückblickend finde ich es schade, erst so spät Teil der Formation geworden zu sein. Aber besser spät als nie, sage ich mir, und freue mich, die Chance bekommen und wahrgenommen zu haben.“ Wenn für Fischer neben dem Tanzen etwas Zeit bleibt, dann trifft sie sich mit Freunden, entspannt sich bei Yoga oder Wassersport und absolviert regelmäßige Einheiten beim Physiotherapeuten.

Von Ferdinand Jacksch