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Regional Tennissport ebnet Weg zum Studium in den USA
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18:13 24.07.2009
Oft dabei: Bettina Radke verbringt in den Semesterferien viel Zeit mit ihrem Hund Eddy.
Oft dabei: Bettina Radke verbringt in den Semesterferien viel Zeit mit ihrem Hund Eddy. Quelle: CR
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Schon früh hat sich Radke vom Elternhaus in Pöhlde bei Herzberg abgenabelt. Nach einem Schuljahr in den USA ging sie nicht wieder zurück ans Herzberger Gymnasium. „Weil ich eh schon in Göttingen trainiert habe, hatte mein Vater die Idee, dass ich auch dort zur Schule gehen könnte.“ So suchte sich die Elftklässlerin ein Zimmer in einer WG, ging ans Hainberg-Gymnasium und trainierte und spielte bei und für den TSC an der Calsowstraße. Mehr als fünf Jahre gehört die 21-Jährige inzwischen zur Damen-Mannschaft, hat mit dem Team sogar eine Saison in der Regionalliga gespielt.

Nach dem Abitur im vergangenen Jahr sollte ein Studium folgen. Den Entschluss, dieses in den USA zu beginnen, verdankte Radke einem Zufall. Der Trainer der „Hope International University“ in Fullerton („eine halbe Stunde südlich von Los Angeles“) hatte die deutsche Rangliste durchforstet und potenzielle Spielerinnen direkt angeschrieben und diesen ein Stipendium angeboten. Radke nahm an und verabschiedete sich im August vergangenen Jahres in Richtung USA.

„Da war dann alles erst einmal neu und ich kannte niemanden. Wir haben zu viert in einem Zimmer geschlafen. Das war ein ziemliches Chaos. Damit bin ich anfangs gar nicht klar gekommen. Ich hatte zwar vorher auch in einer Dreier-WG gewohnt, aber da hatten wir alle unser eigenes Zimmer und jeder seine Privatsphäre“, erzählt die Studentin. „Die ersten beiden Wochen waren schlimm. Ich habe mich allein gelassen gefühlt, aber inzwischen ist es viel schöner, als ich es mir vorgestellt habe“, sagt sie mit strahlenden Augen.

Im ersten Semester hat Radke zunächst viel trainiert und lediglich ein Turnier gespielt. „Fünfmal die Woche Tennistraining, dreimal morgens vor der Uni Konditionstraining. Und das alles, wo ich doch gar nicht so ein Morgentyp bin.“ Im zweiten Semester war dann Doppelbelastung angesagt. Zwischen Ende Februar und Ende April hat Radke 28 Punktspiele für ihr Universitätsteam gespielt. „Das war oft ein Rhythmus Dienstag-Donnerstag-Sonnabend. Da hab ich nach dem Tennis nur noch geduscht, mich an den Schreibtisch gesetzt und bin später ins Bett gefallen.“

Fehler werden beklatscht

Den Unterschied auf dem Tennisplatz zwischen ihrem Heimatland und den USA hat sie schnell mitbekommen. „Hier geht alles fairer zu, auch von Seiten der Zuschauer. Drüben werden Doppelfehler und ärgerliche Fehler beklatscht und mit dummen Sprüchen bedacht. Dadurch hab‘ ich mich anfangs aus dem Konzept bringen lassen. Inzwischen habe ich ein dickeres Fell bekommen“, ist sie durch eine harte Schule gegangen. „Ich denke, träume und fluche dort auf dem Platz auch in Englisch.“

Nach ihren gut dreimonatigen Semesterferien wird Radke nicht nach Fullerton zurückkehren. Durch die Wirtschaftskrise hat die private Universität Probleme, Stipendien zu finanzieren. Die Teammitglieder wurden frühzeitig informiert, so dass sich die TSC-Spielerin, die in ihren Ferien noch einige Punktspiele für die Göttingerinnen sowie Turniere gespielt hat, nach einer Alternative umsehen musste. Die war schnell gefunden. Ende August setzt sie ihr Studium in unmittelbarer Nähe an der Concordia University in Irvine fort. „Das ist näher am Strand, da teile ich mir dann mit einer Tennis-Mannschaftskameradin, die ich bereits kenne, ein kleines Zimmer“, freut sie sich schon auf den Ortswechsel.

Zukunft in Deutschland

Nach vier Jahren will Radke ihren Bachelor in der Tasche haben, länger darf sie in den USA für ein Team auch nicht spielen. Für einen anschließenden Master-Studiengang müsste sie an der Uni als Assistenz-Trainerin arbeiten, um weiter finanziell gefördert zu werden. „Grundsätzlich sehe ich meine Zukunft aber in Deutschland. Dafür bin ich hier viel zu sehr verwurzelt. Wenn ich dort allerdings noch Berufserfahrung sammeln könnte, würde ich die Gelegenheit wahrscheinlich nutzen.“ Ihre Perspektiven sieht die 21-Jährige im Bereich Sport-Marketing oder Event-Management. „Ich war schon als Volunteer beim Davis-Cup und beim Hamburger Rothenbaum-Turnier im vergangenen Jahr“, hat sie bereits Erfahrungen gesammelt.

Ende August verabschiedet sich Radke wieder in Richtung USA. Weihnachten wird sie in Deutschland verbringen und vielleicht Anfang Januar, „wenn die Termine günstig liegen“, ein, zwei Hallen-Punktspiele für die TSC-Damen mitspielen. Ihr Bruder wird sie demnächst besuchen, ihre Eltern wollen Ostern 2010 kommen. „Es ist mir wichtig, dass sie sehen, wie ich dort lebe.“ Nur einer muss zu Hause auf sie warten: der erst 15 Monate alte Schäferhund Eddy. Ihn hatte Radke mit beim Göttinger Turnier um den Harz-Leine-Cup, bei dem sie im Halbfinale ausgeschieden ist. „Er ist noch kein richtiger Tennisplatz-Hund, ist noch zu wild. Er stürzt sich immer auf die Bälle.“

Von Kathrin Lienig

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