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Regional Tischtennis: Bjarne Kreißl vom SCW auf dem Weg in Mini-Nationalmannschaft
Sportbuzzer Sportmix Regional Tischtennis: Bjarne Kreißl vom SCW auf dem Weg in Mini-Nationalmannschaft
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17:31 19.08.2014
Ein Ass, das Asse serviert: das Duderstädter Tischtennis-Talent Bjarne Kreißl vom SCW.
Ein Ass, das Asse serviert: das Duderstädter Tischtennis-Talent Bjarne Kreißl vom SCW. Quelle: EF
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Weende/Duderstadt

Weitere fünf Minuten später ist Christian Kreißl baff vor Verwunderung: „Bjarne hat den Ball ständig sechs- bis siebenmal zurückgespielt. Ich dachte, das gibt es doch gar nicht bei einem Dreijährigen. Der muss echt Talent haben.“ Knapp acht Jahre später hat Bjarne Kreißl die Vermutung seines Vaters eindrucksvoll belegt. National gibt es kaum einen bedeutenden Wettbewerb, bei dem der für den SCW spielende Elfjährige nicht vorne mitspielt, im Kreis gilt er in seiner Altersklasse als unschlagbar.

Dritter beim Talent-Cup in Düsseldorf, ebenfalls Platz drei vor 7000 Zuschauern bei den internationalen Austrian-Youth-Championships in Linz gegen 460 Konkurrenten aus 24 Länder, Sieger bei einem internationalen Turnier in Prag – die Liste der Erfolge lässt sich problemlos fortsetzen. Kreismeister? Geschenkt. Aufnahme in den Landeskader? Na klar. Nationalmannschaft? Auf dem besten Weg dorthin.

Bei den beiden ersten Sichtungsstufen des Deutschen Tischtennisverbands in Kienbaum und Heidelberg schlägt Kreißl jeden seiner 25 Gegner. „Wenn ich mich in den Sommerferien bei der dritten Stufe auch durchsetze, bin ich in einer Art Mini-Nationalteam“, erklärt der Rechtshänder, dessen Vorbild Europameister Dimitrij Ovtcharov ist.

„Unser Leben ist nach Tischtennis getaktet“

Die Chancen dazu stehen nicht schlecht. Sein Stützpunkttrainer, der Göttinger Tim Wiegand, sowie sein Vereinscoach Joachim Vogt bescheinigen ihm Potenzial für eine Profikarriere. Der Aufwand ist allerdings immens. 25    000 Kilometer ist Vater Christian, selbst begeisterter Tischtennisspieler beim TSV Nesselröden, jährlich mit dem Auto unterwegs, um Bjarne zum Training oder zu Turnieren zu fahren.

„Unser Leben ist nach Tischtennis getaktet“, unterstreicht er. Fünfmal in der Woche trainiert sein Sohn, davon zweimal in Hannover im Landesstützpunkt. Es gibt Tage, an denen verlässt er morgens um 7 Uhr das Haus und ist abends um 21 Uhr zurück.

Dazu kommen fast jedes Wochenende Turniere, Spiele für den SCW in der Schüler-Niedersachsenliga oder Lehrgänge. „Das ist anstrengend, macht mir aber ganz viel Spaß“, sagt der Sechstklässler des Eichsfeld-Gymnasiums. Zudem achten seine Eltern, die eine beeindruckend detaillierte Chronik über jedes seiner Spiele führen, darauf, dass er sich nicht übernimmt, betont Kreißl. Auf kurz oder lang stehe wohl ein Wechsel aufs Sportinternat nach Hannover an, ergänzt er.

Bis es soweit ist, möchte er aber weiter in Göttingen seine fast waffenscheinpflichtige Vorhand in Richtung Gegner donnern, verbissen am Positionsspiel arbeiten und spätestens am Jahresende endlich seinen Vater besiegen.
In der Freizeit verbringt der FC-Bayern-Fan jede Minute mit Fußball. „Stillstand“, sagt Christian Kreißl, „gibt es bei Bjarne nicht.“ Nicht einmal früh am Sonnabendmorgen um 6.30 Uhr.

Von Rupert Fabig