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Regional „Und schon sind wir beim Herrenfußball“
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17:50 02.07.2010
Renate Lingor fand früher Lothar Matthäus gut: „Da habe ich ihn auch noch nicht reden gehört.“ Quelle: Theodoro da Silva
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Eine halbe Stunde lang habe er bei der Vorbereitung auf die Veranstaltung benötigt, um die Anzahl ihrer Erfolge niederzuschreiben. Dabei sei ihm aufgefallen, dass es für die 34-Jährige im Jahr 2004 nicht so gut gelaufen sei – „nur“ Bronze bei den Olympischen Spielen: gespielte Verärgerung seitens Lingor, ein gegluckster „Unverschämt“-Zwischenruf aus dem Publikum. Torwandschießen am Ende des Abends entfalle, entrüstet sich die zweimalige Weltmeisterin, Kindt könne es sowieso nicht mit ihr aufnehmen.

Der von Kindt provokant inszenierte Beginn setzt sich mit der Frage nach den Chancen des deutschen Männerteams bei der WM fort, und wieder muss sich Lingor entrüsten: „Ich bin keine fünf Sekunden hier, und schon sind wir beim Herrenfußball.“ Sie sei mit Löws Assistenten Hansi Flick befreundet, verrät sie dann doch, und dieser habe sich begeistert von den Spielern geäußert. Deswegen traue sie der Mannschaft „auf jeden Fall das Halbfinale“ zu.

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Die an diesem Abend unvermeidliche Frage nach dem Unterschied zwischen Männer- und Frauenfußball beantwortet Lingor wiederum mit Esprit. Der Fußball der Frauen heute entspreche demjenigen der Männer zu Zeiten Franz Beckenbauers, tut sie kund. „Er ist halt langsamer“ – taktisch sei man hingegen besser als Beckenbauer und Co.

Was so spritzig beginnt, verliert dann leider an Fahrt. Die rund 40 Zuhörer, viele davon Göttinger Fußballerinnen, erfahren, dass im Herrenbereich der Druck größer ist, dass Lingor als Botschafterin der Frauen-WM im eigenen Land 2011 viele Termine wahrzunehmen hat, und dass ihr zu Beginn ihrer Karriere, auch wegen ihres Vaters, einem „kleinen, wieselflinken Dribbler“, vieles leicht gefallen ist. Kindt lässt sich nach und nach das Heft aus der Hand nehmen, unter anderem, weil er die Zuhörer dazu ermuntert, einfach mal per Zwischenfrage zu intervenieren. Das tun sie auch, und so gerät der rote Faden langsam, aber sicher aus den Augen.

Interessante Erkenntnisse stellen sich angesichts des Sammelsuriums an Themen trotzdem ein. Zum Beispiel, dass Lingors Idol Lothar Matthäus war. „Da habe ich ihn allerdings auch noch nicht reden gehört.“ Oder dass sie vom Vorschlag, für die Frauen kleinere Tore und Bälle einzuführen, nichts hält. Oder dass der freiere Umgang mit Homosexualität im Frauenfußball ihrer Meinung nach mit der liberaler geprägten Epoche zu tun hat, in der weibliche Kicker ihren Sport groß gemacht haben.

Schmissig wird der Abend erst wieder am Ende der mit knapp zwei Stunden etwas großzügig bemessenen Fußballplauderei. Die Mutter des Göttinger Fußballtalents Pauline Bremer möchte wissen, wie sie sich angesichts der Fülle von Terminen verhalten soll. Lingor zögert und zaudert, um dann festzustellen: „Sicherlich habe ich meinen Eltern viel zu verdanken.“ Frau Bremer lacht, sie weiß, was auf sie zukommt. Aber vielleicht hat ihre Tochter dafür irgendwann Autogrammkarten in der Tasche – genauso wie Lingor. Nach dem Schlusspfiff finden sie reißenden Absatz.

Von Eduard Warda

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