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Regional Volleyballer aus Weende und vom ASC 46 Göttingen spielen in Sri Lanka
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Volleyballer aus Weende und vom ASC 46 Göttingen spielen in Sri Lanka

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17:00 24.06.2020
Nach einigen Spielen auf Ascheplätzen gab es in Negombo auch eine Partie in der Halle. Quelle: R
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Göttingen

Einige schöne, aber auch negative Erfahrungen im Zusammenhang mit fremdorganisierten Reisen haben neun Göttinger Volleyballer gemacht, als sie für zwei Wochen Gäste eines Sportaustausches in Sri Lanka waren. Organisiert wurde der Austausch bundesweit vom Asian German Sports Exchange Program (AGSEP) mit dem Ziel, dass deutsche Sportler nach Sri Lanka eingeladen werden, um dort Land, Kultur und Menschen kennen zu lernen.

Die von der AGSEP bundesweit verschickte Einladung kam bei Bernd Großkopf, dem Abteilungsleiter der Sparte Volleyball im Tuspo Weende an, der sie umgehend an Spieler und Trainer weitergab. So fanden sich sechs interessierte Spielerinnen und drei Spieler – darunter mit Nils Häußer und Jonas Leinen auch zwei Aktive des ASC Göttingen, die auf auf der Insel im Indischen Ozean auf Entdeckungsreise gingen.

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Nationalhymne vor dem Anpfiff

Mit den Göttingern landete auch ein 20-köpfiges Herrenteam aus Brandenburg am Flughafen Colombo. Beide Gruppen wurden vom Veranstalter in einem Hotel 50 Kilometer nördlich der Hauptstadt in Marawila untergebracht. Zwei „offizielle Pflichttermine“ hatte die AGSEP für das Göttinger Team organisiert: Zum einen ein Match gegen eine Schülermannschaft vor Ort, außerdem ein Freundschaftsspiel im nahe gelegenen Negombo.

Ihr erstes organisiertes Spiel haben die Göttinger Volleyballer auf Sri Lanka gegen eine Schülermannschaft gemacht. Quelle: R

„Das erste Match gegen die Schülermannschaft von insgesamt knapp zwanzig Zwölf- bis 18-Jährigen fand – für uns sehr gewöhnungsbedürftig – auf einem Ascheplatz statt, eine Tribüne war aufgebaut und gut gefüllt. Vor dem Anpfiff wurden die Nationalhymnen gespielt. Herausragend war die Sprungkraft und Power der jungen Gegner, gegen die wir mit unserer improvisierten Mixedmannschaft dann auch verloren haben“, erinnert sich Häußer. Es folgten mehrere beeindruckende Tagesausflüge.

Fischernetz zwischen den Pfosten

Die Hotelanlage sei jedoch in katastrophalem Zustand gewesen. Auf dem einzigen Volleyballfeld lagen Müll und Scherben, statt eines Sportnetztes baumelte zwischen den Pfosten ein Fischernetz. So entdeckten die Göttinger schon an ihrem ersten Abend bei einem Spaziergang, was den Nationalsport Volleyball in Sri Lanka ausmacht: „Nur wenige hundert Meter hinter der Hotelanlage entdeckten wir ein Volleyballfeld, an dem sich an jedem Nachmittag die Sportbegeisterten der Umgebung versammelten. Erst spielten sich drei bis fünf Leute ein, sobald sie zu zehnt waren, begann das Spiel Fünf gegen Fünf. Und innerhalb kürzester Zeit standen dann bis zu zehn Akteure auf jeder Feldhälfte und spielten. Jung und alt, klein und groß, bei unterschiedlichstem Niveau. Dabei war auch ein Spieler aus dem Nationalmannschafts-Kader, ungefähr 20 Jahre alt und knapp zwei Meter groß. Der hätte vermutlich auch in Deutschlands höheren Spielklassen gut mithalten können“, berichtet Leinen.

Volleyball unter Palmen: Eine Anlehnung an Beachvolleyvall – allerdings auf einem Ascheplatz. Quelle: R

Schnell wurden die Göttinger in das Spiel integriert. „Volleyball läuft da schon bei den Jüngsten ungefähr so ab wie bei uns in Deutschland das Kicken auf dem Bolzplatz – wer Lust hat, darf mitspielen“, ergänzt Leinen. In Sri Lanka treffen sich täglich auf unzähligen Ascheplätzen viele Volleyballer und spielen in unkonventionellen Teamgrößen und ohne Schiedsrichter den Ball übers Netz. Training oder feste Teams gibt es zumindest in diesem Rahmen nicht, dafür hat Volleyball als Breitensport dort ein viel stärkeres Fundament als in Deutschland.

Überraschungen im Angriffsspiel

Zum zweiten „Pflichttermin“ traten die Göttinger in Negombo an. Dieses mal mit Vorankündigung in der Zeitung, vielen Zuschauern in der Sporthalle und gegen ein Mixedteam. „Wir haben uns wacker geschlagen, hatten am Ende aber keine Chance. Die waren eingespielter und haben verdient gewonnen. Danach spielten die Brandenburger noch gegen ein Allstar-Team der Region. In Sri Lanka spielt man einen komplett anderen Stil als wir das kennen. Egal wohin die Annahme geht: ein Zuspieler läuft zum Ball, alle fünf anderen Spieler bieten sich zum Angriff an – ein ziemliches Gewusel, das den Block gut verwirren kann. Sie gleichen fehlende Körpergröße durch enorme Sprungkraft und überraschendes Angriffsspiel aus“, erklärt Häußer.

Zum Freundschaftsspiel in der Halle in Negombo kamen auch Zuschauer. Quelle: R

Am Wichtigsten an dieser Veranstaltung war allerdings die Bekanntschaft mit dem Volleyballfunktionär Mervyn Fernandopulle. Er und die Weenderin Stella Weber haben noch immer Kontakt und planen die Gegeneinladung der Spieler aus Sri Lanka nach Deutschland. „Als Fernandopulle aus beruflichen Gründen in Deutschland war, besuchte er uns in Göttingen und wir gingen in die entscheidende Phase der Planung: Termine für den Gegenbesuch, freie Hallenzeiten samt einem Turnier in Südniedersachsen vor dem Beginn der Saison, Unterbringung, es war schon vieles mit der Stadt und den Vereinen besprochen – doch Corona hat alles lahmgelegt. Die Planungen sind verschoben, nicht jedoch zu den Akten gelegt. Wir hoffen nun, dass es im Jahr 2021 möglich sein wird, die Sri Lankis hier zu empfangen“, sagt Häußer.

Veranstalter hat noch Luft nach oben

Sri Lanka ist ein grandioses Urlaubsziel, die Menschen sind enorm gastfreundlich. Das Haar in der Suppe war die Organisation der AGSEP, die von der Hotelqualität bis zum Eventmanagement deutlich Luft nach oben hatte. Zudem kamen auf unsere Kritik Drohungen zurück, die sich auch nach Ende des Austausches fortsetzten. Und doch: eine einmalige Erfahrung, volleyballerisch wie kulturell“, fasst Häußer zusammen.

Von Peter König

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