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Regional Weltrekordversuch: Manfred Putz fährt 1000 Kilometer durch Deutschland
Sportbuzzer Sportmix Regional Weltrekordversuch: Manfred Putz fährt 1000 Kilometer durch Deutschland
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19:28 18.06.2013
Extreme Herausforderung: Manfred Putz auf Trainingsfahrt in Südafrika. Quelle: EF
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Hamburg/Duderstadt

Start und Ziel sind jeweils die Niederlassungen von BMW, Förderer des Projekts. Unterstützt wird er bei den Vorbereitungen und unterwegs von Mitgliedern seiner Mannschaft, dem Ottobock Handbike Team.

Geschätzte 50 Stunden Handbiken ohne zu schlafen – macht man das wirklich nur, um die bisherige 700-Kilometer-Bestmarke von Lars Hoffmann zu übertreffen? „Ein Grund ist sicher, eine neue Bestmarke aufzustellen“, antwortet Manfred Putz. Mit Behindertensport im Extrembereich wolle er „ vielen Menschen zeigen, was alles möglich ist, wenn man sich selber keine Barrieren stellt.“

Und dann kommt noch etwas hinzu: „Wenn ich im Handbike sitze, vergesse ich meine Schmerzen, ich tauche in eine andere Welt ein, eine Welt voller Freiheit und Genuss und Leidenschaft.“

Querschnittsgelähmt ist Manfred Putz seit einem Verkehrsunfall 1996. Als Leistungssportler hat der 43-Jährige  seitdem viel erreicht. Im Einzelzeitfahren wurde er 2006 Europa- und 2007 Weltmeister. Dem Weltcupgesamtsieg folgte bei den Paralympics in Peking 2008 ein vierter Platz. Über all die Jahre sammelte er 15 Titel als Österreichischer Staatsmeister.

Aber diese Wettkämpfe sind etwas ganz anderes als sein neues Projekt, das eine extreme Auseinandersetzung mit sich selbst ist. Die 1000 Kilometer wollen gut vorbereitet sein. Bei einem achtwöchigen Trainingslager in Südafrika legte Putz 5000 Kilometer zurück. Wöchentlich fährt er jede Woche 20 Stunden Handbike. Die Trainings- und nicht minder wichtigen Ernährungspläne entstehen in Zusammenarbeit mit seinem Coach Geri Bauer am Olympiastützpunkt Salzburg-Rif.

Das Organisatorische vor und während der 1000 Kilometer liegt in Händen von Michael Biermann, Mannschaftskamerad von Manfred Putz im Ottobock Handbike-Team: „Ich bin total gespannt, wie er diese Tortur angeht. Aber es ist toll, dass er sich solche Ziele steckt.“ Es geht um Selbsterfahrung im Grenzbereich.

Daneben aber auch um eine Botschaft, die öffentliches Bewusstsein für die Leistungsfähigkeit von Sportlern mit Behinderung schaffen soll. Das Team denkt auch an die Menschen, für die Sport trotz oder gerade wegen ihres Handicaps die Lebensqualität erhöhen könnte.

Auch dafür soll die Aktion Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit wecken. Das Ottobock Team ist immer wieder bei der Handbike-Woche der Manfred-Sauer-Stiftung in Lobbach aktiv. Die Handbiker versuchen, Menschen zu sportlichen Aktivitäten zu motivieren, die dort vorwiegend wegen Querschnittslähmungen in der Reha sind. Zwei einwöchige Kurse im Juli stehen wieder bevor. Vielleicht mit jemand, der 1.000 Kilometer am Stück gefahren ist, im Guinness-Buch der Rekorde seinen Platz findet und nach dem Motto lebt: „Alles ist möglich, man muss es nur tun.“

eb