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Regional Westphal erstellt Spielpläne für die Bundesliga
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20:02 17.05.2011
„Mehr Möglichkeiten für Spielpläne als Teile im Universum“: Prof. Stephan Westphal in seinem Göttinger Büro. Quelle: Fabig
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„Wir haben uns entschieden, am 2. Januar einen Derby-Spieltag als spezielles Feature anzusetzen“, klärt der Dozent an der Göttinger Universität für numerische und angewandte Mathematik auf. In Kooperation mit der Geschäftsführung der BBL hat er den Spielplan der Saison 2011/2012 erstellt.

Um die Gestaltung des Spielplans der Kollegen von der Fußball-Bundesliga kümmere er sich bereits seit drei Jahren, berichtet der 34-Jährige. Über diese Tätigkeit sei auch die BBL mit ihren chronischen Ansetzungsproblemen auf ihn aufmerksam geworden. „Der Spielplan in der Basketball-Bundesliga war oft verzerrt, die Tabelle daher nicht aussagekräftig, und Teams konnten nur geringfügig planen“, erläutert der aus Oldenburg stammende Westphal die Problematik.

Besonders die Hallenbelegung ist in Zeiten von Multifunktionsarenen wie der Lokhalle, wo sich Hape Kerkeling, Jason Boone und Peter Maffay die Klinke praktisch in die Hand geben, die größte Schwierigkeit bei langfristiger Planung. Hinzu kommen TV-Spiele, die kurzfristige Verlegungen nach sich ziehen, sowie wochenlange Auswärtsreisen, denen drei Heimauftritte in Serie folgen. „Das traditionelle Spielplansystem, in dem die Hinrunde der Rückrunde entspricht, ist in der BBL zum Scheitern verurteilt, wenn gut ein Drittel der angesetzten Partien nicht realisiert werden können“, stellt Westphal klar.

Nun hat sein Team in gut sechsmonatiger Arbeit ein völlig neues System inklusive passender Software entwickelt, das verschiedenste Parameter, ja sogar spezielle Wünsche der einzelnen Vereine berücksichtigt. „Mein Heimatklub Oldenburg hat zwei Jahre in Folge an Weihnachten auswärts gespielt, diesmal wollten sie gern daheim antreten. Das haben wir verwirklicht“, so Westphal, der in Berlin studiert und in Kaiserslautern promoviert hat. Jetzt folgt nur noch viermal pro Saison auf eine Heimpartie kein Auswärtsspiel, sind die Hallen jeglicher Bundesliga-Standorte zu hundert Prozent ausgelastet. Mindestens bei einem Spiel der „Güteklasse B“ werden die Fans an den heimischen Fernsehgeräten wöchentlich zu bester Sendezeit mitfiebern können. „Ich war mir da sehr gewiss, dass es klappt“, sagt der mit gelassener Selbstsicherheit auftretende Vollblut-Mathematiker, der gleich reihenweise in erstaunte Gesichter blickt, wenn er erklärt, dass mehr Möglichkeiten für Spielpläne als Teile im Universum existieren.

„In der Fußball-Bundesliga ist das um einiges leichter, da jeder Klub sein Stadion stets verfügbar hat“, merkt Westphal an. Die Fußballer von der DFL arbeiten auch zukünftig nach dem von ihm erstellten System. Ähnliches ist in der BBL angedacht. „Wir optimieren unsere Software noch, so dass auch eine Spielplanerstellung von Seiten der Liga möglich ist, falls ich mal vor einen Bus renne“, scherzt der Neu-Göttinger, der mit seiner jungen Familie, zu der der fünfjährige Luk und die dreijährige Liv gehören, seit gut einem halben Jahr auf den Zietenterrassen beheimatet ist.

Gut möglich, dass die Westphals aber bald erneut die Umzugskoffer packen müssen, denn die amerikanischen Profiligen plagen sich seit jeher mit einem Spielplanmuster, das die immensen Fahrtwege minimiert. Im Internet haben Mathematiker auf der ganzen Welt dazu bereits Rechenwege gesucht. Die besten gefunden hat laut mehrerer Quellen bisher ein junger Deutscher von der „University of Göttingen“, der sich sicher auch vorstellen könnte, den Derbyspieltag der amerikanischen Profi-Basketballliga NBA auf Großleinwand mit kleinen animierten Teamlogos zu präsentieren.

Von Rupert Fabig