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Regional Wo ist denn eigentlich bei einem Pferd die Bremse?
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22:15 14.07.2011
Skeptischer Blick: Gubi scheint meine Unsicherheit aber nicht zu bemerken und absolviert souverän mit mir seine Runden.
Skeptischer Blick: Gubi scheint meine Unsicherheit aber nicht zu bemerken und absolviert souverän mit mir seine Runden. Quelle: Pförtner
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Ich habe einen neuen Freund. Er heißt Goldstaub, ist 20 Jahre alt und 1,75 Meter groß. Natürlich ist er deutlich jünger als ich, aber wir passen trotzdem sehr gut zusammen. Mit Äpfeln und Möhren habe ich versucht, mich bei ihm beliebt zu machen. Und es hat geklappt, denn er hat mich, bei meinem ersten Versuch, mich ihm zu nähern, freundlich aus seinen großen, dunklen Augen angeguckt und mich auch nicht abgeworfen, als ich zum ersten Mal in meinem Leben auf einem Pferderücken Platz nahm.

Goldstaub, sein Spitzname lautet „Gubi“ – keiner weiß allerdings warum, steht normalerweise im Stall des Ländlichen Reitervereins in Duderstadt und wird dort als Schulungspferd von allen Reitanfängern heiß geliebt.
Meine Konkurrenz ist also groß, aber in dieser Stunde gehört Gubi, der als Dreijähriger sogar schon auf der Rennbahn gelaufen ist, mir. Geduldig lässt Dorotheé Schulz, die mir als Reitlehrerin zur Seite steht, alle Fragen über sich ergehen. Angst vor einem Pferd ist extrem schlecht, Respekt durchaus angebracht, erzählt sie. Gut, dies kann ich hundertprozentig bestätigen.

Auf keinen Fall sollte man sich einem Pferd von hinten nähern, denn da es nur ein eingeschränktes Blickfeld hat, kann es sehr gut sein, dass man als Gefahr angesehen wird und das Tier austritt. Apropros treten: Auf seine eigenen Füße sollte man höllisch Acht geben, denn „ein Pferd merkt nicht, wenn es einem auf dem Fuß steht“ (Schulz). Interessiert lausche ich der passionierten Reitlehrerin Schulz, die mir in Ansätzen etwas über Pferdepflege, Stalldienst und natürlich auch über das Reiten an sich erläutert. Dazu bin ich schließlich hier. Eine ganze Weile, eigentlich seitdem ich Gubi gesehen habe, frage ich mich, wie ich, trotz des Steigbügels, auf dieses Pferd kommen soll. Ich bin zwar nicht ganz ungelenkig, wenn auch ausgerechnet an diesem Tag mein Knie nicht ganz so will wie ich, aber dass ich auf diesem Sattel Platz nehmen werde, scheint doch eher fraglich.

Als Dorotheé Schulz nach einer Leiter verlangt, halte ich dies zuerst für einen Scherz, ist aber keiner, denn innerhalb kurzer Zeit kommt Carmen Würriehausen, die ebenfalls zu meiner Unterstützung parat steht, mit einer kleinen Trittleiter zurück. „Man macht es nicht mehr so wie früher, als man vom Boden aus aufs Pferd stieg. Dabei reißt man zu sehr am Sattel und damit auch am Wirbelkanal des Tieres. Und um das Pferd zu schonen, gibt es jetzt sogenannte Aufstiegshilfen“, erklärt Schulz. Muss nicht unbedingt eine Leiter sein, aber für meine Bedürfnisse erfüllt sie ihren Zweck voll und ganz. Oben angekommen, muss ich nun meinen linken Fuß in den Steigbügel stecken, mich dann mit den Händen vorn und hinten am Sattel festhalten, das rechte Bein möglichst grazil auf die andere Seite schwingen und mich dabei nicht wie ein Kartoffelsack, sondern vorsichtig in den Sattel gleiten lassen. Tut mir Leid, Gubi, dass meine Frühjahrskur noch nicht wie gewünscht angeschlagen hat.

So, ich sitze, mein neuer Freund hat mir offensichtlich bislang nichts übelgenommen. Jetzt noch den rechten Fuß in den rechten Steigbügel, ehe ich Zeit habe, mich erst einmal zu orientieren. Bloß gut, dass ich schwindelfrei bin. Normalerweise finde ich ja große Männer, äh Pferde, gut, aber ich würde Gubi auch mit 50 Zentimeter weniger Körpergröße mögen. Nun gut, jetzt sitze ich immerhin schon einmal drauf und warte auf die Anweisungen meiner Reitlehrerin, die mich jetzt langsam an der Longe im Kreis herumführt. Ich bin ganz froh, an der „Leine“ zu sein, denn so lange kennen Gubi und ich uns ja auch noch nicht, dass es schon Zeit für einen längeren Ausflug nur zu Zweit wäre.
„Einfach die Bewegungen des Pferdes mitmachen“, kommt die Stimme von unten. Funktioniert tatsächlich und der warme Pferdekörper flößt mir irgendwie ein wenig Vertrauen ein, obwohl ich an die Frage meiner Schwester denken muss, die als kleines Mädchen unsere Mutter stets fragte: Wo ist bei einem Pferd eigentlich die Bremse?
Nach einer gewissen Zeit lässt es sich nicht umgehen, an den Abstieg zu denken. Wenn ich ehrlich bin, denke ich schon darüber nach, seitdem ich aufgestiegen bin. „Beide Füße aus den Steigbügeln nehmen, leicht nach vorne beugen, am Sattel festhalten, das rechte Bein herüberheben und dann langsam abrutschen lassen“, lautet die Anweisung. Gesagt, getan – ich lande tatsächlich auf meinen, zugegebenermaßen ein wenig zittrigen, Beinen. Gubi guckt mich immer noch genauso nett an wie am Anfang. Und vielleicht sehen wir uns ja auch wieder, denn ein bisschen kann ich schon verstehen, wenn viele sagen: „Das Glück dieser Erde, liegt auf dem Rücken der Pferde.“
In der nächsten Folge geht es um die technisch anspruchsvolle Sportart Golf.