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Regional World Games: In Cali nehmen Kanupolo-Spielerinnen des Göttinger Paddler-Clubs teil
Sportbuzzer Sportmix Regional World Games: In Cali nehmen Kanupolo-Spielerinnen des Göttinger Paddler-Clubs teil
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20:46 31.07.2013
In Aktion: die Göttingerin Tonie Lenz beim Niedersachsenpokal 2013 im Freibad am Brauweg. Quelle: Pförtner
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Göttingen

Aber selbst eine alte Häsin wird nervös wenn es zu den World Games, den Spielen der nichtolympischen Sportarten, geht.

Am vergangenen Wochenende ist die Spielerin des Göttinger Paddler-Clubs (GPC) zusammen mit ihrer Vereinskameradin Katharina Kruse und den anderen Mitspielerinnen der Nationalmannschaft nach Cali in Kolumbien aufgebrochen, wo am Freitag und Sonnabend die Kanupolo-Wettbewerbe anstehen.

„Ich bin ein bisschen aufgeregt, weil es so weit weg ist“, sagte Lenz kurz vor ihrer Abreise. Immerhin ist ihr Freund Lukas Richter, Mitglied der Männer-Nationalmannschaft, dabei. Der ebenfalls 24-Jährige hat früher für den GPC gespielt, ist nun aber für den Hamburger Alster-Canoe-Club (ACC) aktiv – im Gegensatz zu Lenz wechselte er mit Aufnahme des Studiums in Hamburg den Verein. Die 22-jährige Kruse wiederum wurde beim ACC groß und wechselte studienbedingt nach Göttingen und zum GPC.

Die dritten World Games

Für Lenz sind es die mittlerweile dritten World Games. In Duisburg gewann sie Gold, in Taiwan reichte es nur zu Silber. Auf einen kompletten Medaillensatz ist sie nun nicht besonders scharf. „Ich will gewinnen“, sagt sie.

Die Voraussetzungen sind günstig. Immerhin ist das deutsche Damenteam amtierender Weltmeister und hat zuletzt bei der Turnierserie um den Eca-Cup alle drei Turniere gewonnen. Lenz᾽ Freund Richter wurde mit dem Männerteam bei der WM in Polen 2012 Zweiter. Auch die deutschen Männer zählen zum Favoritenkreis.

Fast ebenso spannend sind diesmal die Begleitumstände, immerhin wird in Südamerika gespielt. Zunächst gab es Probleme mit dem Kanu-Transport. Per Langstreckenflug bis Bogota war kein Problem, doch Inlands-Fluggesellschaften weigerten sich zunächst, die Sportgeräte mitzunehmen. Schließlich wurde doch eine Lösung gefunden.

Nächtliches Geldabheben ist tabu

Ein anderes Thema ist die Kriminalität. Nachts durch die Stadt zu laufen oder nächtliches Geldabheben sind tabu. Taxis sollten vorbestellt werden, weil Taxifahrer auch mal mehr als den Fahrpreis verlangen. Bis jetzt ist dem Vernehmen nach jedoch alles gut verlaufen, und Lenz fand Zeit, sich Wettbewerbe im Softball und Tauziehen anzusehen.

Während für Lenz und Co. insbesondere Australien und Neuseeland unbekannte Größen darstellen, weil man nur alle paar Jahre bei einer WM auf sie trifft, sind die deutschen Männer eine Wundertüte. „Die sind eine Turniermannschaft. Es kann gut laufen, muss aber nicht“, erläutert Lenz.

Aber auch für die beiden GPCerinnen wird es keine Finalteilnahme im Vorbeigehen werden – immerhin sind die besten fünf Teams der WM 2012 am Start. Dazu kommen die USA. „Es ist supertoll, nach Kolumbien zu kommen, aber ich will vor allem gewinnen“, sagt Kruse, die 2011 mit dem weiblichen U-21-Nationalteam Europameister wurde. Die Sport- und Soziologiestudentin war 15 Jahre alt, als sie über einen Tag der offenen Tür zum Kanupolo kam. Nun will sie nach den Sternen greifen.

Das ist der Sportstudentin Lenz bereits einmal gelungen. Ob es ein zweites Mal gelingt oder nicht – eine Belohnung ist fest eingeplant: Unter Umständen bekommt man am Sonntag etwas von der Abschlussfeier mit, in jedem Fall aber geht es mit einigen anderen deutschen Spielern für eine knappe Woche ans Meer, nach Santa Marta im Norden Kolumbiens. Entspannung ist angesagt, bevor Europa die Fernreisenden wieder hat: bei den Deutschen Meisterschaften in Essen Mitte August und der EM in Polen Ende des Monats.

World Games

Bei den World Games gibt es Wettkämpfe in Sportarten, die nicht zum Programm der Olympischen Spiele gehören, aber dennoch populär sind.

Sie werden alle vier Jahre an wechselnden Orten ausgetragen, jeweils im Jahr nach den Olympischen Sommerspielen. Ausrichter ist der Internationale Verband für Weltspiele (IWGA) unter der Schirmherrschaft des Internationalen Olympischen Komitees.

Teilnehmer werden von dem zuständigen internationalen Sportfachverband ausgewählt, es werden bestehende Einrichtungen als Austragungsorte verwendet. Neben offiziellen Sportarten gibt es Einladungssportarten, die vom Ausrichter ins Programm aufgenommen werden.

Von Eduard Warda