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Weltweit Beerbaum hat es eilig
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21:07 17.06.2012
Von Jörg Grußendorf
„Das hat sie klasse gemacht“: Sieger Ludger Beerbaum auf Caresse. zur Nieden Quelle: Ulrich zur Nieden
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Isernhagen

Er war so etwas wie ein Überraschungsgast, und am Ende war er trotz seiner bereits vier Olympiasiege auch ein Überraschungssieger. Ludger Beerbaum darf sich beim internationalen Reitturnier des RFV Isernhagen zwar Stammgast nennen. Meistens stand er dann aber auf der anderen Seite. Er übergab den Preis für den Gewinner. Doch diesmal mischte er mal wieder mit. Und wie: Der Springreiter gewann den „Großen Preis von Isernhagen“.

„Der Start von Ludger war natürlich ein i-Tüpfelchen auf ein insgesamt gelungenes Turnier“, sagte RFV-Vorsitzende Elke Gerns-Bätke, die sich über fast 5000 Zuschauer beim fünftägigen Turnier auf der schmuck hergerichteten Anlage des Isernhagener Klubs freuen konnte.

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Die meisten davon kamen am Sonntag, und sie feierten enthusiastisch den Auftritt Beerbaums. Der hatte es im Parcours nämlich besonders eilig gehabt. Der 49-Jährige, der noch am Sonnabend beim Global Championship im südfranzösischen Cannes auf seiner Gotha gesessen hatte, hatte erst abends seine Startbereitschaft beim Turnier in Isernhagen erklärt. Er war gestern Mittag erst in Hannover angekommen - und legte dann solch einen Ritt hin. Als erster Springreiter im Stechen um den „Großen Preis“ blieb er nicht nur fehlerfrei, sondern war auch superschnell.

Trotz seiner großen Siege bei Olympia und bei Weltmeisterschaften war er nach dem Erfolg in Isernhagen sichtlich gerührt. „Es ist eine Prüfung in Memoriam Dietrich Schulze, dann ist die Stute auch noch von Dietrich Schulze gezogen worden“, sagte er, „das fühlt sich schon an wie eine Fügung.“ Im Stechen, meinte Beerbaum weiter, sei er gar nicht so gut geritten. Das ließ Zuschauer und besonders die geschlagenen Reiter aufhorchen. Doch der 49-Jährige relativierte seine Aussage ganz schnell. „Dass dennoch ein Sieg dabei heraussprang, lag an Caresse. Das hat sie klasse gemacht“, sagte er. „Sie hat bewiesen, dass sie super in Schuss ist.“

Caresse, eine achtjährige Schimmelstute, ist in Besitz der Schulze-Witwe Madeleine Winter-Schulze aus Mellendorf. Die 71-Jährige gilt als größte Mäzenin des deutschen Reitsports. Außer Beerbaum sponsert sie unter anderem auch Isabell Werth, die weltweit erfolgreichste Dressurreiterin der jüngsten Jahrzehnte.

Beerbaum konnte sich am Sonntag für seinen Stall in Riesenbeck sogar doppelt freuen. Denn der Bereiter Henrik van Eckermann zeigte im Stechen gleich zwei elegante und schnelle Ritte. Der Schwede zeigte sich jedoch als guter Angestellter und ließ seinem Chef äußerst knapp den Hauptpreis, der dem Weltklassereiter neben 2000 Euro auch einen neuen Sattel einbrachte. Von Eckermann (er bekam als Ehrenpreis von der Verlagsgesellschaft Madsack ein iPad) wurde derweil mit Grace Zweiter (0/39,59) und mit dem schnellsten Vier-Fehler-Ritt mit Grace (39,13) im neunköpfigen Feld im Stechen Vierter. Auf den 3.Rang schob sich Alexander Duffy mit Cruco (0/44,30) vom RFVRulle dazwischen.

Im Dressurwettbewerb wurden die Zuschauer von Isabell Werth und Ihrem El Santo verzaubert. 81,15 Prozentpunkte hatte das Paar von den fünf Wertungsrichtern in der Grand Prix Kür erhalten. Und das ist laut Bundestrainer „Weltklasse“. „Wer über 80 Punkte holt, gehört in diese Kategorie“, sagte Jonny Hilberath vor zwei Wochen bei den deutschen Meisterschaften in Balve.

Werth war seinerzeit mit El Santo nicht auf die vorderen Plätze gekommen, hatte darüber hinaus ihr Paradepferd Don Johnson verletzungsbedingt zurückziehen müssen und so wohl alle Chancen auf die Olympischen Spiele in London eingebüßt. „Wenn El Santo in Balve so gegangen wäre“, sagte die 42-Jährige, „dann hätte ich mir über London noch Gedanken machen können, so leider nicht mehr.“ Dann aber blickte sie weiter in die Zukunft: „Ich bin sicher, es gibt ein Leben nach London.“ Ihr neues Ziel heiß jetzt Rio de Janeiro – dort sind die Spiele 2016.

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