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Weltweit Caster Semenya wird mit Argwohn beobachtet
Sportbuzzer Sportmix Weltweit Caster Semenya wird mit Argwohn beobachtet
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12:04 01.09.2011
Comeback in Südkorea: 800-Meter-Weltmeisterin Caster Semenya wird mit Argwohn beobachtet, Quelle: dpa
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Daegu

Schon im Vorlauf am Donnerstag werden viele genau hinschauen: Wie ist ihre Form? Ist sie nervös? Kann sie wieder Gold holen? Wohl kaum. Zuletzt machte der 20-Jährigen eine Rückenverletzung zu schaffen, sie zählt nicht zum Favoritenkreis.

„Sie war immer startberechtigt. Als Athletin ist sie uns genauso willkommen wie alle anderen“, sagt Helmut Digel, deutsches Council-Mitglied des Weltverbandes IAAF. Die Weltmeisterin steht seit dem Berlin-Trauma, das sie wohl nie richtig verarbeiten wird, enorm unter Druck: Im Vorfeld ihres Gold-Laufes hatten damals Gerüchte die Runde gemacht, dass Semenya intersexuell sei. Als Indizien wurden die ungewöhnliche Leistungssteigerung innerhalb nur eines Jahres, die tiefe Stimme und das maskuline Aussehen genannt. Ein Startverbot lehnte die IAAF ab, da, so eine Sprecherin, „keine Beweise“ vorlägen. Nach ihrem deutlichen Sieg in Berlin reagierte der Verband jedoch auf die zunehmenden Zweifel und ordnete zwei Tests zur Überprüfung des Geschlechts von Semenya an. Menschenrechtsgruppen kritisierten dies, Südafrika legte Beschwerde bei den Vereinten Nationen ein, die Ergebnisse blieben bis heute geheim. Es gab lediglich eine Stellungnahme von IAAF-Generalsekretär Pierre Weiss: „Es ist klar, dass sie eine Frau ist, aber vielleicht nicht zu 100 Prozent.“ Medien spekulierten daraufhin, dass die Südafrikanerin ein Hermaphrodit (Menschen mit männlichen und weiblichen Geschlechtsorganen) sei.

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Die IAAF musste nach dem Fall reagieren – und preschte dann sogar vor: Als erster internationaler Sportverband führten die Leichtathleten eine Bestimmung für Athletinnen mit einer Überproduktion männlicher Hormone ein. Die Regel für den sogenannten Hyperandrogenismus ist seit dem 1. Mai für alle internationalen Wettkämpfe gültig.

Und Semenya? Sie tauchte nach dem Trubel ab – und erst Mitte Juli 2010 in Finnlands Wäldern bei einem Meeting in Lappeenranta wieder auf. Nur sechs 800-Meter-Rennen bestritt sie im Vorjahr, in der WM-Saison waren es immerhin 13.

Vor dem Comeback in Südkorea hat sich Semenya abgeschottet und seit WM-Beginn keine Interviews mehr gegeben. Die Problematik sei „natürlich nicht aus der Welt. Ich vermute, dass es für Caster Semenya nicht ganz einfach sein wird. Sie ist weiterhin gut beraten, zu den Dingen nicht Stellung zu nehmen“, sagt Digel.

Medien in Südafrika hatten kurz vor der WM Zweifel an der Form der Mittelstrecken-Läuferin aufkommen lassen, ihr Management sah sich zu einer Klarstellung genötigt: „Die jüngsten Medienberichte, dass Caster Semenya nicht bereit ist, ihren 800-Meter-Weltmeistertitel zu verteidigen, sind unwahr.“ Diese Gerüchte sollten sie nur entmutigen und von ihrer Gold-Mission ablenken.

Bei Semenyas Konkurrenten ist die Skepsis geblieben. Janeth Jepkosgei, von ihr in Berlin als Weltmeisterin entthront, sagt: „Jetzt ist es ein faires Spiel, aber feiern kann ich das nicht.“

Ralf Jarkowski