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Weltweit Die Leichtathletik-WM 1993 in Stuttgart
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16:33 13.08.2009
Von Carsten Schmidt
Der Star von Stuttgart: Heike Drechsler, hier im Jahr 2000 bei der Deutschen Meisterschaft in Braunschweig. Quelle: lni
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La Ola schwappte über die Ränge während der 4. Leichtathletik-Weltmeisterschaften – und wehe dem, der nicht aufstand und mitmachte wie der blonde bärbeißige Skandinavier in meiner Nachbarschaft. Er erntete, wenn die Welle an seinem Platz verebbte, stets ein gellendes Pfeifkonzert des gesamten Publikums.

La Ola und der Muskelkater vom vielen Aufstehen sind jedoch nur eine kleine Episode von Titelkämpfen, die Maßstäbe gesetzt haben. Auch für Berlin 2009. 585.000 Zuschauer an damals noch acht Veranstaltungstagen (der Mittwoch war wettkampffrei und eine Erholung für die geplagten Waden und Oberschenkel) verfolgten die Wettkämpfe und sorgten für eine seitdem nicht mehr erreichte Publikumsresonanz. Und die Fairness des Stuttgarter Publikums – übrigens keinesfalls Schwaben in der Mehrzahl, sondern Besucher aus allen Teilen Deutschland und Leichtathletik-Anhänger aus der ganzen Welt sorgten für eine friedliche, fröhliche und freudige Weltmeisterschaft.

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Nicht nur die Sportler aus dem Gastgeberland wurden angefeuert wie bei vielen folgenden Weltmeisterschaften in Athen, Sevilla und Paris beispielsweise. Jeder Starter erntete Respekt und Beifall von den Rängen. Nur eine unrühmliche Entgleisung gab es gegenüber den chinesischen Langstrecklerinnen, die damals die Konkurrentinnen in Grund und Boden liefen. Die jungen Frauen schwiegen, ihr Trainer sprach von „Schildkrötenblut“ als Läuferinnen-Muntermachung, und ein gewisser Dieter Baumann, sechs Jahre später selbst als Doper überführt, heizte mit unbewiesenen Manipulationsverdächtigungen via Zeitung die Stimmung gegen die Asiatinnen an, die fortan ausgepfiffen wurden.

Doch viel stärker in der Erinnerung blieben die Lieblinge und großen Duelle dieser WM haften. Gail Devers gegen Merlene Ottey im 100-Meter-Sprint: Beide stürmten auf die Hundertstelsekunde zeitgleich ins Ziel; ein Zielrichter mit Adleraugen sah die Amerikanerin Devers vor der Jamaikanerin. Ottey indes wurde wie eine Weltmeisterin bejubelt, und das ganze Stadion applaudierte stehend, als die grazile Sprinterin aus der Karibik über 200 Meter endlich Gold gewann.

Eine besondere Beziehung mit Stuttgart hatte auch Heike Drechsler. Die Weitspringerin aus Jena begeisterte schon 1986 bei der EM die Zuschauer. 1993 krönte sie dann ihre Karriere mit dem Gewinn des zweiten WM-Titels, frenetisch gefeiert vom Publikum. Die größte Zuneigung aber genoss ein Drittplatzierter: der Zehnkämpfer Paul Meier aus Leverkusen. „Paule, Paule“ hallte es aus Zehntausenden Kehlen, als der damals 21-Jährige im 1500-Meter-Lauf die Bronzemedaille „auf dem Zahnfleisch“ nach Hause brachte. Seine Willenskraft machte ihn zum besonderen Sieger.

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Carsten Schmidt 17.08.2009
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