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Weltweit „Die Gesamtgeschichte passt nicht zusammen“
Sportbuzzer Sportmix Weltweit „Die Gesamtgeschichte passt nicht zusammen“
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14:06 29.07.2013
Nach seinem Doping-Geständnis muss der ehemalige Radprofi Erik Zabel viel Kritik einstecken. Quelle: dpa
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Düsseldorf

Sein heftig kritisiertes Not-Geständnis hat für Dopingsünder Erik Zabel nun auch erste berufliche Konsequenzen: Seinen Job als Sportdirektor beim Hamburger WorldTour-Rennen Cyclassics ist der ehemalige deutsche Radstar erstmal los. Es drohen weitere Negativfolgen. Tour-de-France-Sprintkönig Marcel Kittel hat sogar eine lebenslange Sperre für den sechsmaligen Gewinner des Grünen Trikots gefordert. Auch bei Teamkollege John Degenkolb fällt das Mitleid „nicht allzu groß“ aus. Der deutsche Verbandspräsident Rudolf Scharping wertete Zabels Doping-Beichte mit sechsjähriger Verspätung als weiteren „traurigen Beleg“ für das „verseuchte Jahrzehnt“ im Radsport.

Wie erwartet musste Zabel für seine nachgereichte Doping-Beichte in der „Süddeutsche Zeitung“ (Montag) viel Prügel einstecken. „Mir fällt es schwer zu glauben, dass dies die ganze Wahrheit sein soll. Die Gesamtgeschichte passt einfach nicht zusammen. Als Wissenschaftler kann ich nur sagen, dieses Doping muss im System passiert sein. Zabel sollte die Hintermänner nennen“, erklärte der renommierte Pharmakologe Fritz Sörgel am Montag der Nachrichtenagentur dpa. „Ich halte es für unmöglich, dass man sich autodidaktisch EPO optimal dosiert verabreichen kann. Es ist ja nicht ungefährlich, mit EPO umzugehen.“ Zabel hatte jahrelanges Doping eingestanden, aber betont, „nie einen strukturierten Dopingplan“ und nie „irgendwelche Experten“ um sich gehabt zu haben.

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Stutzig machte den ein oder anderen Experten auch die Tatsache, dass Zabel nach eigener Aussage nach 2005 sauber unterwegs gewesen sein soll. Damit drohen ihm aufgrund der achtjährigen Verjährungsfrist zumindest sportrechtlich keine Konsequenzen.

Sogar Zabels Sohn Rick wusste bis zur vergangenen Woche nichts von all den Machenschaften seines Vaters. Erst der Bericht des französischen Senats hatte Zabel Sr. in der vergangenen Woche als EPO-Sünder 1998 entlarvt und so zur neuen Beichte getrieben. Bei seinem ersten Teil-Geständnis 2007 hatte Zabel noch ausgesagt, nur 1996 für eine Woche EPO genommen zu haben. Für die jahrelangen Lügen muss er sich jetzt verantworten.

Scharping, viele Jahre Intimus von Zabel, hielt sich mit einer Generalabrechnung zurück. „Der Zeitpunkt der Offenbarungen und die Tatsache, dass Geständnisse fast immer nur scheibchenweise abgegeben werden, ist eine ungerechte und fortdauernde Belastung derer, die für den Radsport von heute stehen und mit dem Fehlverhalten der Vorgänger-Generation nichts mehr zu tun haben“, teilte Scharping in einer Pressemitteilung des Bundes Deutscher Radfahrer (BDR) mit.

Der frühere SPD-Kanzlerkandidat bewegt sich dabei auf dünnem Eis. Schließlich pflegte Scharping lange Zeit ein freundschaftliches Verhältnis zu Zabel, während er mit Jan Ullrich stets hart ins Gericht gegangen war. 2007 drückte er nur wenige Monate nach Zabels erstem Geständnis trotz großer Kritik innerhalb des BDR dessen Nominierung für die WM in Stuttgart durch. „Vor der WM in Stuttgart hatte es wegen Zabel eine Krise im Präsidium gegeben, die mit einer Kampfabstimmung pro Zabel endete“, sagte der frühere BDR-Vizepräsident Dieter Kühnle der Nachrichtenagentur dpa.

Es sei damals schon absehbar gewesen, dass im Team Telekom flächendeckend gedopt wurde, ergänzte Kühnle, der damals aus Protest zurückgetreten war. „Trotz des damaligen Teilgeständnisses von Zabel hielt Scharping an seinen Plänen fest, Zabel mittelfristig als Sportdirektor im BDR aufbauen und nach dessen Karriereende dort auch installieren zu wollen.“ Nur aufgrund der vielen Verpflichtungen des früheren Aushängeschilds sei der Plan verworfen worden.

Zumindest eine dieser Tätigkeiten hat Zabel bereits verloren. Bei den Cyclassics ist der 43-Jährige als Sportdirektor ausgeschieden. „Wir haben mit Erik Zabel am Wochenende telefoniert. In dem Gespräch hat er angeboten, seinen Posten als Sportdirektor niederzulegen. Seinem Angebot sind wir nachgekommen“, sagte Reinald Achilles, der Sprecher des Veranstalters Upsolut Sports mit Blick auf das wichtigste Radrennen in Deutschland am 25. August.

Das Team Katusha, wo Zabel als Sportlicher Leiter angestellt ist, kündigte bisher noch keine Sanktionen an. Es könnte Zabel zugutekommen, dass der umstrittene russische Radrennstall, der vom früheren Armstrong-Helfer Wjatscheslaw Jekimow angeführt wird, mit dem Anti-Doping-Kampf nicht allzu ernst nimmt.

Ausbaden muss die Negativ-Schlagzeilen indes die neue Generation, die beim Bestreben nach einem neuen Image im Radsport, immer wieder durch die Sünden der Vergangenheit zurückgeworfen wird. Dementsprechend deutliche Worte sind aus dem Fahrerlager zu vernehmen. „Wer sich Eigenblut reinjagt oder sich eine Epo-Spritze setzt oder Wachstumshormone schluckt, sollte lebenslang gesperrt werden. Denn das tut man nicht aus Versehen“, sagte Kittel der Tageszeitung „Die Welt“. Degenkolb pflichtete auf dpa-Anfrage bei: „Er hat die Chance für ein umfangreiches Geständnis zum richtigen Zeitpunkt nicht genutzt.“

Überrascht über die späte Offenbarung sei er aber nicht, ergänzte der WM-Vierte: „Erik Zabel kommt aus einer Zeit, wo die Doping-Einstellung zu 100 Prozent anders war als jetzt. Wir predigen schon jahrelang, dass die damalige Zeit ein großer Schandfleck für den Radsport war.“ Degenkolb hatte 2011 beim Team HTC-Highroad mit Zabel zusammengearbeitet. Zu der Zeit war Zabel insbesondere für die Sprinter und Nachwuchsfahrer zuständig.

dpa

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Nun also doch. Sein tränenreiches Mini-Geständnis in Bonn 2007 war nur eine Schauspieleinlage. Notgedrungen nach der Veröffentlichung des französischen Senatsberichts hat Erik Zabel nun im Interview der „Süddeutschen Zeitung“ eine umfassende Doping-Beichte nachgereicht.

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