Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Weltweit HSV Hannover erwägt Rückzug in Oberliga
Sportbuzzer Sportmix Weltweit HSV Hannover erwägt Rückzug in Oberliga
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
21:30 21.01.2015
Der Rückzug droht: Kevin Klages (l.) vom HSV Hannover, hier beim Torwurf im Derby gegen die TSV Burgdorf II, und seine Kollegen müssen damit rechnen, künftig in der Oberliga zu spielen. Quelle: zur Nieden
Anzeige
Hannover

Der Club wird am Donnerstag mit einer Mitteilung an die Öffentlichkeit gehen. Aufgrund des Rückzugs von zwei Sponsoren wird ein freiwilliger Abstieg in die Oberliga erwogen, sofern sich keine neuen Geldgeber finden.

„Die laufende Saison ist aber gesichert“, sagt HSV-Teammanager Dirk Schroeter auf Anfrage. In diesen Tagen führt er Gespräche mit Spielern, deren Verträge größtenteils zum Ende der aktuellen Saison auslaufen. „Wir haben den finanziellen Rahmen Jahr für Jahr weiter verkürzt. Nun sind wir an einem Punkt angelangt, an dem wir den Kader nicht noch günstiger machen können, als er ohnehin schon ist“, sagt Schroeter. Bis Ende Februar soll Klarheit herrschen, am 1. März wolle man die Meldung für die 3. Liga abgeben – oder eben nicht.

Anzeige

Hannover 96 wirft langen Schatten

Das Dilemma, in dem die Hannoveraner stecken, ist altbekannt. Im Schatten des Fußball-Bundesligisten Hannover 96 lässt sich Leistungssport sehr schwer finanzieren. Zudem hat der HSV mit der TSV Hannover-Burgdorf Erstliga-Konkurrenz in der Stadt. Die Suche nach Sponsoren gestaltet sich daher immer schwieriger, erst im Vorjahr sprang mit dem Wohnungsbauunternehmen meravis ein Hauptgeldgeber ab. „Wir haben es seitdem geschafft, die entstandenen Lücken mit privaten Händen aufzufangen, aber jetzt geht es nicht mehr“, sagt der Teammanager.

Ziemlich genau ein Fünftel des fehlenden Geldes rührt aus der Staffeleinteilung her, über die sich die Teams aus der Region Hannover in der Sommerpause massiv beim Verband beschwerten. „Durch unsere Einreihung in die 
3. Liga Ost fehlen uns die Zuschauer- und Catering-Einnahmen aus den Derbys gegen Großburgwedel und Springe, dafür haben wir zwei Partien im Frankfurter Raum dazubekommen, da kostet eine Anfahrt mit dem Bus 1500 Euro“, sagt der 50-jährige Schroeter, der den Verlust durch die Staffeleinteilung auf 12 .000  Euro beziffert. „Vermutlich müssten wir auch einen Rückzug in Erwägung ziehen. Daher appelliere ich an die hannoversche Wirtschaft, unser Konzept, das auf junge Leute aus der Stadt setzt, zu unterstützen.“ Auf seiner Homepage hat der Verein ein Feld eingerichtet, auf dem seit heute Interessierte spenden können.

Jugendspieler sind das Kapital

Das eigentliche Kapitel des HSV ist die Jugend beim Stammverein TSV Anderten. Der Verein hat 280 Mitglieder, davon sind 200 Jugendliche von der
 A-Jugend, die in der höchsten deutschen Spielklasse um Punkte kämpft, bis zu den „Minis“ am Ball. In den vergangenen Jahren wurde die Nachwuchsarbeit des TSV vielfach ausgezeichnet, immer wieder schaffen selbst ausgebildete Spieler den Sprung in den leistungsorientierten Herrenbereich. Die aktuelle Drittliga-Vertretung hat einen Altersdurchschnitt von rund 21 Jahren. „Wir werden unsere Jugendarbeit fortsetzen. Doch für den Leistungssport sehe ich langfristig schwarz“, sagte Schroeter. Handball in Anderten würde mit einem Oberligateam an Attraktivität einbüßen, auch weil die Jugendspieler dann weniger gute Perspektiven haben.     

Von Stephan Hartung

14 Jahre Erfolgsgeschichte

Verein mit Tradition: Den HSV Hannover Handball in seiner jetzigen Struktur gibt es erst seit dem 8. August 2008. Aber der „Vorläufer“ TSV Anderten wurde schon 1945 gegründet, und in der damals selbstständigen Gemeinde im Osten Hannovers spielten die Handballer eine gute Rolle und machten sich über die Grenzen des damaligen Kreises Hannover hinaus einen Namen.

Auch nach der Eingemeindung in die Landeshauptstadt 1974 wurde das Hallenspiel mit dem kleinen Ball weiter erfolgreich gepflegt. 1998 schafften die Männer des TSV den Sprung aus der Oberliga Niedersachsen in die Regionalliga Nord, damals dritthöchste deutsche Spielklasse. Ein Jahr später folgte jedoch der Abstieg und eine Zäsur: Der damalige Coach Klaus Graafmann nahm nach 32 Jahren Abschied. Mit Stephan Lux, dem aktuellen HSV-Trainer, kehrten die Anderter 2001 in die Regionalliga zurück. Dort gelang es dem Club, sich von Jahr zu Jahr nach oben zu schieben. 2007 gelang mit Christian Prokop als Coach der Aufstieg in die 2. Bundesliga.

Ein Jahr später folgte die Umbenennung der 1. Männermannschaft in HSV Hannover, um auch überregionale Sponsoren anzulocken. Für die Anderter beziehungsweise den HSV ging es in den Spielzeiten von 2007 bis 2009 auch ein Stück weit um die Nummer 1 in der Landeshauptstadt. In der 2. Liga trafen sie unter anderem auf die TSV Hannover-Burgdorf, so heißt der heutige Bundesligist seit 2005. Und beide hannoversche Zweitligisten hatten 2007/2008 sogar dieselbe Spielstätte mit der damaligen AWD-Hall am Ferdinand-Wilhelm-Fricke-Weg.

Doch mit dem Aufstieg der TSV in die 1. Liga 2009 zerstoben beim HSV die Träume von der Nummer 1 im hannoverschen Handball. 2010 kam trotz des sportlichen Klassenerhalts (12. Rang) der freiwillige Abstieg in die 3. Liga aus finanziellen Gründen. Und jetzt geht es vermutlich dorthin zurück, wo 2001 der Höhenflug begann – in die Oberliga.

cas     

20.01.2015
Weltweit Überraschung seiner Freundin - Kameramann schlägt Tiger Woods Zahn aus
20.01.2015